Mönchengladbach: Himmelszelt in St. Marien
VON INGE SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 28.11.2009Mönchengladbach (RPO). Alles wird neu, am vierten Adventssonntag ist Wiedereröffnung. "Betreten der Baustelle verboten!" Dieses Schild hängt bis dahin an den Türen der Kirche am Marienplatz. Im Gotteshaus wird unter Volldampf gearbeitet.
Nein, sie war wirklich kein schöner Anblick, eher schmuddelig und runtergekommen wirkte sie. Und damit machte sie jedes halbwegs angenehme Raumgefühl mit Macht zunichte. Jetzt aber erstrahlt die konstruktivistisch gefältelte Decke der St. Marien-Kirche in Rheydt in einem zarten, fast durchscheinenden Hellblau. Und so wie der Betrachter sich im Gotteshaus bewegt, verändert sich die Wirkung. Schatten huschen über die spitzwinkligen Ecken und Kanten, die riesige Fläche, die das Querhaus und das Langhaus deckt, beginnt zu leben. Oder wie Pfarrer Klaus Hurtz es sagt: "Die frisch gestrichene Decke unserer Kirche wirkt wie ein gefaltetes Himmelszelt."
Um den Altar versammelt
Die Decke ist aber nur ein Bestandteil der umfangreichen Renovierungen in der Kirche am Marienplatz, die schon seit Mitte August geschlossen ist. In allen Bereichen und in allen Höhen wird gearbeitet. Die Säulen erhalten einen neuen Anstrich, die Kapitelle strahlen in sattem Rot, das von leuchtenden Goldstreifen akzentuiert wird. Die beiden Eingänge sind komplett erneuert worden – mit viel Glas und Metall. Und im Altarraum wurden zwei Stufen entfernt. "Damit folgen wir dem Zweiten Vatikanische Konzil", sagt Klaus Hurtz. "Priester und Gemeinde kommen aufeinander zu. Sie versammeln sich um den Altar." Dieser wird nämlich zukünftig nicht mehr so stark erhöht aufgebaut, außerdem rückt er näher zu den Gläubigen. Und die Bänke rücken mindestens zwei Meter näher an das Altarpodest heran.
Was der Besucher nicht sogleich sieht, ist die komplett überholte Elektrik. "Es wurden neue Leitungen gezogen, die Akustik wird komplett überarbeitet, und das Licht kommt demnächst nicht mehr von der Decke herab, sondern strahlt von unten nach oben – in die neue Decke", sagt der Pfarrer. "Das wird ein ganz neues Raumerlebnis sein."
Im hinteren Bereich der Kirche soll ein gläserner Lettner dafür sorgen, dass die Kirche jederzeit für jeden Besucher offen sein kann. "St. Marien ist die gute Stube Rheydts, sie bietet eine Rückzugsmöglichkeit für Menschen, die dem Stress da draußen entkommen wollen und einfach ein paar Momente für sich sein möchten."
Am vierten Adventsonntag, 20. Dezember, wird St. Marien um 10 Uhr wieder eröffnet. Dann wird allerdings noch die Orgel fehlen. Das alte Instrument wurde verkauft, "damit wir zumindest die nötigen Abrissarbeiten finanzieren konnten." Die neue Orgel ist bestellt, wird aber erst 2012 aufgebaut werden können. "Wir brauchen auf jeden Fall noch Spender, sonst kommen wir nicht zurecht", sagt Klaus Hurtz. Bis zum Einbau der neuen Orgel müsse ein Orgelpositiv reichen. "Wir müssen uns in diesen Zeiten ein bisschen bescheiden."
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