Dohr: Hinter der Dornenhecke
VON NADINE FISCHER - zuletzt aktualisiert: 06.02.2010Dohr (RPO). Die Dohrer feiern und singen nicht nur zusammen, sie brechen auch schon Mal zu nachtschlafender Zeit gemeinsam in ein Freibad ein. Auch als es um die L 19 ging, haben sie an einem Strang gezogen und wehrten sich gegen den Bau der Straße, die durch den Dohrer Busch führen sollte.
dohr Es muss etwa gegen drei Uhr in der Nacht gewesen sein, als ein paar Dohrer ganz spontan kriminell wurden. Sie rannten von der Dorfkneipe aus schnurstracks zum noch nicht einmal offiziell eröffneten Freibad Giesenkirchen, entledigten sich ihrer Kleider und sprangen ins kühle Nass. "Die Dohrer waren in dem Bad die allerersten Schwimmer", erzählt Günter Dorn und lacht. Er selbst war damals Anfang der 70er Jahre nicht mit von der Partie, doch es gibt noch Augenzeugen – die jedoch lieber unerkannt bleiben möchten. Als Vorsitzender der Bürgerinitiative kennt Günter Dorn viele solcher Geschichten. Eine ist aber mit Sicherheit erfunden: Dass seine Familie einst Namensgeber für die Honschaft war.
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Hausweber und Landwirte
"Damit haben wir nichts zu tun", sagt der 56-Jährige. "Mir ist bekannt, dass es früher eine Dornenhecke zwischen Dohr und Giesenkirchen gab." Diese könne der wahre Namensgeber sein, erzählt Günter Dorn. Es gebe unter den Dörflern aber auch noch eine zweite Variante: Laut dieser bedeute Dohr nicht Dorn, sondern Tor oder Tür. 1803 taucht der Ort zum ersten Mal auf einer Landkarte auf. 1870 lebten dort etwa 200 bis 250 Einwohner in 50 bis 55 Fachwerkhäusern, anfang der 1870er Jahre entstand das erste Haus aus Ziegelsteinen. Die Dohrer verdienten sich ihr Geld als Hausweber und Landwirte.
"Heute zähle ich nur noch sechs Fachwerkhäuser", sagt Heinz-Horst Behren, ebenfalls Vorstandsmitglied des Bürgervereins. Dafür ist die Dohrer Straße, die von Mülfort bis Zoppenbroich führt, mittlerweile fast komplett von Gebäuden gesäumt. Neben den Fachwerkhäusern ist im Laufe der Jahre auch das Gewerbe fast gänzlich aus Dohr verschwunden. "Wir hatten hier mal rund 70 Betriebe, heute sind es etwa zehn", erzählt Behren. Eine Gaststätte, ein Friseur, eine Bäckerei und ein Gemüseladen sind darunter.
Die Geschäfte befinden sich alle am mittleren oder hinteren Teil der Dohrer Straße in Richtung Zoppenbroich – der vordere Abschnitt gehört zu Mülfort. Kurios: Mitten in Mülfort befindet sich die Gemeinschaftshauptschule Dohr. 2004 hatten sich Eltern, Lehrer und Politiker dafür eingesetzt, dass die Hauptschule Dohrer Straße umbenannt wurde.
Ganz ohne Schule ist die Honschaft dennoch nicht, an der Straße Am Torfbend gibt es eine Zweigstelle der Peter-Ustinov-Grundschule in Hermges. In der gleichen Gegend befinden sich auch der Sportplatz und der 1982 angelegte Dorfplatz, auf dem die Bürger gerne gemeinsam feiern. Darüber hinaus nutzen die Dörfler noch einen zweiten Freiluft-Treffpunkt für ihre rauschenden Feste: den Dohrer Busch. "Da stehen Buchen, die mindestens 200 Jahre alt sind", erzählt Heinz-Horst Behren, der sich als Landschaftswart ehrenamtlich um die grüne Oase kümmert.
Die Bäume haben im Laufe der Jahre schon diverse Feten miterlebt – plus unzählige Scharmützel zwischen den Dohrer Kindern und den benachbarten Trimpelshüttern.
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