Mönchengladbach: Hipps eindringlicher Appell
VON RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 14.09.2009 - 10:08Mönchengladbach (RPO). Nachhaltigen Eindruck hinterließ Professor Claus Hipp, jüngster Träger der Goldenen Blume, beim Festakt im Haus Erholung. Spürbar wichtiger als Ruhm und Ehre war dem Bio-Pionier sein Werben um den Erhalt der Schöpfung.
Noch fünf Minuten blieben bis zum Eintrag ins Goldene Buch der Stadt, da wurde Professor Claus Hipp beim Kaffeetrinken mit Birgit und Norbert Bude unruhig. „Entschuldigen Sie bitte, aber ich möchte gerne noch mal hoch zu den Musikern.“ Dass Höflichkeit und Bescheidenheit für Hipp keine abstrakten Maximen, sondern selbstverständliche Grundvoraussetzungen für das Miteinander sind, war beim Festakt spürbar. Nach der Würdigung durch RP-Herausgeber Dr. Gottfried Arnold, Vorsitzender des Kuratoriums zur Verleihung der Goldenen Blume, und durch Oberbürgermeister Norbert Bude zitierte Hipp erst einmal ein bayerisches Sprichwort: „Bei zu viel Weihrauch werden die Figuren schwarz.“
Reiskörner einzeln aussortiert
Geboren 22. Oktober 1938 in München
Unternehmer Geschäftsführender Gesellschafter der Hipp GmbH
Familie verheiratet, fünf Kinder. Zwei Söhne arbeiten im Unternehmen. Eine Tochter hat den Hof übernommen.
Ehrenamt Präsident der IHK München von 1998 bis 2004
Künstler Erfolgreicher und ausgebildeter Maler mit zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland
Eingangs, nach einem fünfminütigen Unternehmensporträt aus dem Hause Hipp, war mancher der 200 Gäste noch skeptisch gewesen. Nach der Windrichtung ausgesuchte Felder für Gemüse? Von Hand gejätetes Unkraut? Reiskörner, die einzeln aussortiert werden? Gibt’s so etwas wirklich, außer in der Werbewelt? Nach dem halbstündigen Vortrag von Hipp mochte das niemand mehr anzweifeln.
Leidenschaftlich, aber ohne missionarischen Eifer nannte Hipp Fakten zum organisch-biologischen Landbau und überzeugte besonders durch seine ethische Klarheit. „Jede Generation darf die Äpfel vom Baum abernten, aber nicht die Äste abschneiden, so dass der Baum in der nächsten Generation weniger trägt“, sagte Hipp. Es fehle am nötigen Respekt vor der Schöpfung. Der ökologische Landbau sei wissenschaftlich erforscht und in der Praxis erprobt. „Wir müssen es nur umsetzen“, war der Schlusssatz von Claus Hipp.
Dr. Gottfried Arnold hatte in seiner Laudatio die Gäste gefragt, ob sie am Morgen Müsli gefrühstückt hätten. Müsli und Babykost sind die beiden Pionierleistungen aus dem Hause Hipp. Babynahrung konsequent organisch-biologisch herzustellen, sei das persönliche Verdienst von Claus Hipp.
Unter den Gästen waren mit Astronaut Reinhold Ewald, Ursula und Gunter Konrad sowie Eugen Viehof mehrere Preisträger der vergangenen Jahre. Auch Dr. Esther Betz, Mitherausgeberin der Rheinischen Post, gehörte zu den Festgästen. Diese fanden den Rahmen im Haus Erholung ausgesprochen gelungen. Oberbürgermeister Bude beeilte sich klarzustellen: „Auch wenn es sehr schön ist hier, in zwei Jahren sind wir wieder in Rheydt.“ Seit 1967 wird der älteste deutsche Umweltpreis alle zwei Jahre vergeben. In diesem Jahr war die Preisverleihung erstmals nicht in Rheydt. Grund ist die Sanierung des Stadttheaters an der Odenkirchener Straße. Bude: „Das wird eine absolute Ausnahme bleiben.“
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum






