Mönchengladbach: Holzköpp im China-TV – nur ein Bluff?
VON SABINE WOTZLAW UND JAN SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 11.02.2010Mönchengladbach (RPO). Neue Wendung in der Posse um vermeintliche TV-Ausstrahlungen der Holzer Karnevalssitzung: Wie sich jetzt herausstellt, war offenbar nicht nur die angeblich geplante Übertragung ins US-Fernsehen eine Luftnummer (die RP berichtete) – auch die Ausstrahlung im chinesischen Staatsfernsehen CCTV 2007 fand wohl so nie statt.
Event-Manager Joe Merkens, der den Deal seinerzeit eingefädelt haben wollte, gab gegenüber der Rheinischen Post zu: "Die Sitzung der KG Holzköpp wurde nicht live ins chinesische Staatsfernsehen übertragen."
Es habe zwar damals einen solchen Plan gegeben – und mehrere Kamerateams aus Stuttgart seien dafür in Holz gewesen. Irgendwann habe jedoch festgestanden, dass eine Live-Übertragung nicht möglich sei: "Wir haben das damals nicht zugegeben, weil wir uns nicht lächerlich machen wollten", so Merkens. Einzelne Szenen seien aber dennoch in China ausgestrahlt worden – was er beweisen könne.
Yun Ji, die CCTV seit 2007 in Deutschland vertritt, sagte jedoch auf RP-Anfrage, sie habe noch nie etwas von einer Karnevals-Übertragung von Jüchen nach China gehört. "Wenn in China etwas aus Deutschland gezeigt wird, dann Spielfilme oder Dokumentationen." Mit Hinblick auf Karneval sei für ihre Landsleute bestenfalls Brasilien interessant. Und: "CCTV würde auch kein deutsches Fernsehteam anmieten. Das wäre einfach viel zu teuer."
Merkens sagte gestern mit Bezug auf die angeblich von einer Live-Übertragung auf einige Ausschnitte reduzierte Übertragung: "Die Holzköpp waren alle eingeweiht. Frank Coumans hat jedes zweite Telefonat zwischen mir und dem Fernsehteam mitbekommen." Holzköpp-Präsident Coumans sei folglich "im Bilde gewesen". Das wiederum bestritt Coumans vehement: "Ich wusste von nichts. Merkens hat sich um alles gekümmert."
Merkens, den Coumans über einen guten Freund kennen gelernt haben will, habe irgendwann erzählt, dass ein Verein "Deutsch-Chinesische Freundschaft" (DCF) aus Köln an der Holzköpp-Sitzung interessiert sei. Als dessen Sprecher trat Merkens damals wiederholt auf. "Das war tolle Werbung für die Holzköpp, deshalb habe ich Ja gesagt", so Coumans. Merkens und Coumans, die sich nun offenbar gegenseitig den Schwarzen Peter zuschieben wollen, hatten damals unisono bekanntgeben, dass fast 100 Millionen Chinesen die Übertragung gesehen hätten.
Es habe seinerzeit ein Vorgespräch mit den Kamerateams gegeben, in dem alles besprochen wurde, so Coumans: "Von Anfang an wurde gesagt, die Sitzung solle live übertragen werden." Am Tag der Aufzeichnung habe es dann plötzlich von Seiten Merkens' geheißen, dass die Sitzung nicht live, sondern nur zeitversetzt auf CCTV gesendet werde. Die Chinesen wollten sich das Material erst einmal anschauen, habe es geheißen.
Ein Verein namens DCF ist Michael Ruhland, Sprecher der Düsseldorfer Gesellschaft für Deutsch-Chinesische Freundschaft (GDCF), nicht bekannt. "Ich erinnere mich dunkel an einen Kölner Verein, der sich aber schnell wieder auflöste", sagt Ruhland. "Das wirkte alles recht dubios." Eine Übertragung der Holzer Sitzung nach Fernost hält der China-Experte für "sehr, sehr unwahrscheinlich. Davon hätte ich etwas mitbekommen."
Joe Merkens' DCF hatte noch im Januar 2008 angekündigt, eine chinesische Tanzgruppe aus der Provinz Shandong wolle, angestachelt von der Karnevals-Übertragung, in Kürze zu Besuch nach Jüchen kommen. Dazu kam es jedoch nie. "Die haben leider keine Ausreisegenehmigung bekommen", sagte Merkens damals.
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