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Mönchengladbach/Viersen: Hotel statt Gefängnis

VON ANDREAS GRUHN - zuletzt aktualisiert: 08.09.2009

Mönchengladbach/Viersen (RPO). Der mutmaßliche Kinderschänder, der im Juli aus der Untersuchungshaft entlassen wurde, lebt seit gestern in einem Gladbacher Hotel. Zu Prozessbeginn belasteten ihn Beweismittel. Doch er bleibt weiter auf freiem Fuß.

Unter großem Medieninteresse begann gestern der Prozess gegen einen 59-jährigen Viersener. Er verbarg sein Gesicht vor den Kameras.  Foto: RPO
Unter großem Medieninteresse begann gestern der Prozess gegen einen 59-jährigen Viersener. Er verbarg sein Gesicht vor den Kameras. Foto: RPO

Der mutmaßliche Kinderschänder aus Viersen, der sich seit gestern vor dem Landgericht verantworten muss, lebt jetzt nach Informationen der Rheinischen Post in einem Mönchengladbacher Hotel statt in einer Gefängniszelle. Bis zum Prozessbeginn hatte er in seiner Wohnung in Viersen gewohnt.

Offiziell hatte es geheißen, der Mann sei an einem geheimen Ort untergebracht. Seine Wohnung hat er nach eigener Auskunft in den vergangenen Monaten kaum verlassen. Aus Angst, wie er gestern zu Prozessbeginn mitteilte. Er verbarg sein Gesicht vor den Kameras. "Selbst auf dem Mars bin ich doch sonst nicht mehr sicher", sagte der 59-Jährige.

Pannen der Staatsanwaltschaft

Der mutmaßliche Triebtäter, der sich an vier Mädchen im Alter von fünf bis zwölf Jahren in mehreren Fällen vergangen haben soll, war im Juli nach neun Monaten aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Wegen Pannen in der Mönchengladbacher Staatsanwaltschaft war die Anklage immer weiter hinausgezögert worden, so dass der Mann letztlich im Juli auf Veranlassung des Oberlandesgerichts in Düsseldorf nach neun Monaten aus der Untersuchungshaft entlassen wurde.

Der Fall hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Daraufhin hatte NRW-Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter mit der Abberufung des Leitenden Oberstaatsanwalts Heinrich Franzen reagiert.

Das änderte jedoch nichts daran, dass der Viersener gestern nach dem ersten Verhandlungstag das Mönchengladbacher Landgericht als freier Mann verließ. Obwohl Beweismittel ihn schwer belasteten. Ursprünglich wollte der gelernte Schreiner in eine Wohnung nach Rheydt ziehen.

Am Wochenende fuhr er begleitet von vier Kripo-Beamten zu der Unterkunft an einer Mönchengladbacher Straße. Doch der Umzug kam nicht zu Stande. In der Gegend leben vorwiegend Senioren, aber auch Familien mit Kindern.

"Kaum jemand kennt hier den anderen. Jeder hat seine eigenen Probleme", sagt ein Anwohner. Dort wollte er in der Anonymität unterkommen. Nach Informationen der Rheinischen Post hatte das Gericht dem Angeklagten über dessen Verteidiger geraten, seine bisherige Wohnung in Viersen zu verlassen. Seit seiner Entlassung aus der U-Haft Anfang Juli war er dort permanent von der Polizei bewacht worden.

Bereits in den 70er Jahren war der Mann mehrfach wegen Kindesmissbrauchs zu Haftstrafen verurteilt worden.

Das geht aus der Anklageschrift hervor. Seine Aussagen gestern zu Prozessbeginn waren wirr, ein Geständnis legte er nicht ab. Nun sollen am nächsten Verhandlungstag zwei der Mädchen und eine Mutter aussagen. Das sagte der Vorsitzende Richter Lothar Beckers. Währenddessen verließ der 59-Jährige in Begleitung von Justizbeamten den Gerichtssaal. Und zog anschließend ins Hotel.

Quelle: RP

 
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