Mönchengladbach: Hotelservice am Krankenbett
VON GARNET MANECKE - zuletzt aktualisiert: 01.04.2009Mönchengladbach (RPO). Mit Unterstützung des Teams vom Palace St. George hat sich das Krankenhaus St. Franziskus in ein Fünf-Sterne-Hotel verwandelt. Zum Frühstück gab es eine Zeitung, mittags wurde ein Drei-Gang-Menü serviert. Die Aktion begeisterte Patienten wie Mitarbeiter gleichermaßen.
Detlev von Othegraven, Heinz-Dieter Juppen und Konrad Bodden sind hochzufrieden. Gerade gab es das Amuse Geuele. Der kleine Gruß aus der Küche, ein kleiner Rohkostsalat mit Terrine, vor dem Drei-Gang-Menü war äußerst lecker. Jetzt wartet die Zimmergemeinschaft auf der Station H1 des Krankenhaus St. Franziskus auf den ersten Gang. Zwischen Tomatenconsommé mit Ravioli und Bärlauchsuppe mit Fleischklößchen durften die drei Herren wählen. Das ist nicht immer so im Krankenhaus. Aber heute ist First-Class-Day.
Ein Gruss aus der Küche
Schon der Morgen verhieß viel Gutes. Zum Frühstück lag die Rheinische Post auf dem Tablett. "Sonst bekomme ich die Zeitung immer mittags, wenn ich Besuch bekomme", berichtet Konrad Bodden. Heute gab es die aktuellen Nachrichten gleich mit Wetteransage auf der Banderole. Genau wie in einem Hotel. Um alles genauso zu machen, wie es in der Fünf-Sterne-Hotellerie üblich ist und es so schmeckt wie in einem mit den begehrten Sternen dekorierten Restaurant, hat sich das Team um Joachim Püllen, Geschäftsführer der Kliniken Maria Hilf, einen Fachmann ins Haus geholt.
Wolfgang Eickes steht im großen Konferenzraum. Sein Gesicht zeigt Spuren der Müdigkeit, aber der Spitzenkoch aus dem Palace St. George ist guter Dinge. "Das war schon immer ein Traum von mir, aus einem Krankenhaus ein Hotel zu machen", erzählt er. Für die Erfüllung seines Traums ist er heute um sieben Uhr aufgestanden. Eine ungewöhnlich frühe Zeit für den Gastronom, der oft bis spät in die Nacht arbeitet. Zusammen mit zehn Mitarbeitern aus Küche und Service unterstützt er das Krankenhaus-Team. Auch der Tag von Ulrich Schroeder, Küchenchef im St. Franziskus, fing eine Stunde früher als gewohnt an. "Sonst können wir ja alles vorbereiten, aber heute haben wir zu den Patienten auf den Zimmern noch 160 à-la-carte-Gäste in der Cafeteria", sagt Schroeder. Und da sei nicht sicher, was die von der Speisekarte bestellen.
Drei Köche aus dem Palace St. George unterstützen die fünf Köche des Krankenhauses bei der Arbeit. "Für unsere Köche ist das eine Herausforderung", sagt Eickes. Kommen im Palace St. George Kasserolen von eineinhalb Liternauf den Herd, rühren seine Köche nun in Töpfen mit 100 Litern Fassungsvermögen. Für die Mannschaft von Ulrich Schroeder ist der à-la-carte-Service ungewohntes Terrain. 160 Gäste mit Drei-Gang-Menü in zwei Stunden versorgen bedeutet pro Minute vier perfekt angerichtete Teller.
Auf der Station ist von dem Stress nichts zu merken. Steffi Schwarzer hat ihre Schwesterntracht gegen schwarze Hose, Poloshirt und knallrote Bistroschürze getauscht. Die Servicekraft genießt den First-Class-Day. "Die Patienten sind alle ganz glücklich", freut sie sich. "Das ist heute ein sehr angenehmes Arbeiten." Auch an die neue Arbeitskleidung könnte sie sich gewöhnen.
Zwar wird Steffi Schwarzer aus hygienischen Gründen bei ihrer gewohnten, kochfesten Dienstkleidung bleiben müssen. Eine Neuerung kann es aber schon geben: Für die Zukunft sind weiße Bistroschürzen geplant. Natürlich kochfest.
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