Mönchengladbach: "Ich bin ein Schüler von Muhamed Ciftci"
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 14.08.2010Mönchengladbach (RPO). Früher nannte er sich Michael Hässicke, jetzt Abdullah-Rashid. Der 45-Jährige aus Wolfsburg konvertierte vor zweieinhalb Jahren zum Islam. Er ist einer der Studenten an der umstrittenen Islamschule, die bald von Braunschweig nach Eicken ziehen soll und die seit Jahren im Visier des Verfassungsschutzes steht.
"Ich kenne die Unterrichtsinhalte, habe über 400 Videos gesehen", sagt Hässicke, "da wurde noch nie zu einem verfassungsfeindlichen Verhalten aufgerufen."
Allah ruft zur Freundschaft auf
Den Leiter der Islamschule und ersten Vorsitzenden des Vereins "Einladung zum Paradies", Muhamed Ciftci, kennt Michael Hässicke nach eigenen Angaben seit zwei Jahren. Ja, Ciftci habe einmal gesagt, Abtrünnige müssten enthauptet werden, gibt der Islamschüler zu. "Aber damit meinte er nicht, dass alle Ungläubigen umgebracht werden sollen. Er meinte, dass alle abtrünnigen Muslime in einer islamischen Gesellschaft enthauptet werden müssten. Diese islamische Gesellschaft ist aber reine Theorie", erklärt der 45-Jährige.
Auch dass die Frauen unterdrückt würden, sei ein reines Vorurteil. Zwar seien leichte Schläge erlaubt, aber dies sei nur der letzte Ausweg. "Wenn sich meine Frau beispielsweise vom Islam entfernen würde, könnte ich mich auch scheiden lassen", sagt Hässicke. "Wenn ich sie aber liebe und sie auf den richtigen Weg bringen möchte, dann gibt es verschiedene Methoden. Ein Mittel ist zum Beispiel, sie im Ehebett zu meiden. Leichte Schläge sind wirklich der letzte Schritt, wenn alles andere nicht hilft." Das sei, so sagt der 45-Jährige, nichts anderes, als einer Tochter, die nicht hören will, einmal eine Ohrfeige zu geben. Mit Misshandlung habe das überhaupt nichts zu tun. Hässicke: "Allah ruft zur Freundschaft auf."
Für Michael Hässicke ist die Islamschule eine wichtige Einrichtung. Sie habe sein Leben verändert: "Ich war früher ein Windhund, habe geraucht und getrunken und bin auch mit der Polizei in Konflikt geraten", erzählt er. Heute sei er mit sich im Reinen. Ein friedliebender Mensch. Er bete fünfmal am Tag, faste und erfülle auch die anderen islamischen Pflichten.
An der Islamschule werde gelehrt, den Glauben unverfälscht zu leben. "Wir folgen dem Weg der ersten drei Generationen von Muslimen", berichtet der Vater von drei Töchtern. Jeder Schüler müsse in einer Absichtserklärung unterschreiben, dass er keiner terroristischen oder staatsfeindlichen Vereinigung beitritt. "Ich habe noch nie daran gedacht, mir einen Gürtel umzuhängen und mich in die Luft zu sprengen", versichert der 45-Jährige. Allah erlaube es nicht, Unschuldige zu töten.
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