Mönchengladbach: Im Feiern absolut erstklassig
VON RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 30.01.2007 - 11:15Mönchengladbach (RPO). Dass es ernst steht um die Borussia, zeigte sich bei der Karnevalssitzung des Bundesligisten im Kunstwerk: Die Kölner Büttenredner brachten nicht Spott, sondern Trost mit. Das Programm war vom Allerfeinsten.
Auf der A 57 war am Sonntagabend noch ein bisschen mehr los als ohnehin. Denn praktisch die gesamte Champions League des Kölner Karnevals machte einen Abstecher nach Mönchengladbach: Die Räuber, die Höhner, de Rabaue, Guido Cantz und Bernd Stelter – für einen Abend wurde das Kunstwerk in Wickrath zum Gürzenich. Was fehlte, waren die Borussia-Stars. „Nur wer ordentlich arbeitet, darf auch feiern. Deshalb haben wir die Jungs zu Hause gelassen“, sagte Präsident Rolf Königs zur Begrüßung und erntete von den Fans ein paar Pfiffe. Tatsächlich war schon lange vor der 1:3-Niederlage in Cottbus klar gewesen, dass die Profis nicht zur Sitzung kommen würden. Die Vorbereitung auf das Heimspiel gegen Nürnberg heute Abend hatte Priorität.
Borussia
Mitglieder 34 000, damit liegt Borussia in der Tabelle der mitgliederstärksten Vereine der Bundesliga hinter Bayern, Schalke und HSV auf Rang vier.
Gründungstag 1. August 1900
Aufstieg 1965, als Sieger der Aufstiegsrunde, steigt Borussia in die Bundesliga auf.
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Doch auch Trainer Jupp Heynckes und Sportdirektor Peter Pander war nicht nach Feiern zumute. So mussten Rolf Königs (im roten Zirkusdirektor-Mantel) und Geschäftsführer Stephan Schippers (als Schornsteinfeger) den Verein repräsentieren.
Keine Sorgen machen
Von der Bühne gab es jede Menge Unterstützung für die gebeutelte Borussia. „Ihr müsst euch keine Sorgen machen. Bochum, Cottbus und Mainz steigen ab“, war sich Comedian Bernd Stelter sicher. Auch Guido Cantz stichelte lieber gegen Schalke als gegen Borussia. Ob es auch Schalke-Fans im Publikum gebe, wollte der weißblonde Komiker wissen. Als tatsächlich ein halbes Dutzend Arme hoch gingen, raunzte Cantz die falsch Gepolten an: „Seid ihr bekloppt? Das hier ist eine Karnevalssitzung und kein Schlesier-Treffen.“ Zuspruch gab es auch von Niersia Susanne. Sie erzählte, dass Borussia bisher immer gewonnen habe, wenn sie im Stadion zugeguckt habe. „Gegen Nürnberg bin ich da“, kündigte sie an.
Doch nicht nur wegen all der Sympathiebekundungen konnte Rolf Königs zufrieden sein. Sein Plan, die Borussia-Sitzung zu einer Marke im Karneval zu machen, ist längst aufgegangen. Erst zum fünften Mal war die Borussia jeck. Doch eine solche Ansammlung von Superstars des Karnevals findet man in Gladbach kein zweites Mal in der Session – dank finanzstarker Sponsoren. Und so ist die Sitzung inzwischen nicht nur Pflichttermin für Fußball-Fans sondern auch für eingefleischte Karnevalisten. Ohne lange Anlaufphase erreichte der Saal Betriebstemperatur. Spätestens als nacheinander die Kalauer, die Räuber und die Höhner ihre größten Hits spielten, war die Stimmung wie nach einem klaren Heimsieg. Noch ist ungewiss, ob Borussia nächstes Jahr erstlassig ist. Ihre Karnevalssitzung wird es auf jeden Fall sein. Die Bläck Fööss und die 3 Colonias haben schon zugesagt.
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