Mönchengladbach: Im Kindergarten Fachkräfte werben
VON GARNET MANECKE - zuletzt aktualisiert: 20.07.2010Mönchengladbach (RPO). Der Maschinenbauer SMS Meer versucht in Projekten Kindergartenkinder für Technik zu begeistern. Grund ist der Fachkräftemangel, der sich schon jetzt in vielen Unternehmen bemerkbar macht. Der demografische Wandel wird das Problem in den kommenden Jahren weiter verschärfen.
Dass kalte Luft viel schwerer ist als warme Luft, weiß jedes Kind. Jedenfalls aus Sicht von Nils. Der sechsjährige Knirps erklärt Torsten Heising, Geschäftsführer des Mönchengladbacher Maschinenbauers SMS Meer, warum das hartgekochte Ei in die Flasche rutscht, obwohl es ja eigentlich ganz bequem auf dem Flaschenhals sitzenbleiben könnte. "Die kalte Luft draußen drückt das Ei in die Flasche, weil es einen Druckunterschied zur heißen Luft gibt." Nils hat das im Kindergarten bei einem physikalischen Versuch gelernt. "Vom Kleinsein zum Einstein" heißt das bundesweite Programm, bei dem sich auch SMS Meer beteiligt. Nils und seine Freunde sind noch in der Phase Kleinsein, den ersten Schritt zum Einstein aber haben sie schon mal gemacht.
Es ist nicht die reine Kinderliebe, die den Maschinenbauer SMS Meer zu dem Engagement in dem Projekt, das im Rahmen des bundesweiten Modellkonzepts "Wissensfabrik" ins Leben gerufen wurde, bewegt. Den Fachkräftemangel spürt auch das mittelständische Unternehmen. Schon jetzt ist der Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter hart. Und schaut man auf die demografische Entwicklung, ist eines sicher: Die Unternehmen werden noch stärker um geeignetes Personal werben müssen.
In dem Rennen tritt SMS Meer gegen Konzerne wie Bosch und Siemens an. "Wir leben von der Innovation an unseren Produkten. Die kommt in erster Linie von gut ausgebildeten Mitarbeitern", betont Torsten Heising bei der Unterzeichnung eines neuen Bildungsvertrags zwischen SMS Meer und den Kindergarten-Trägern pro multis und Arbeiterwohlfahrt. "Man muss schon sehr früh einsteigen, um die Begeisterung für Technik zu wecken", stellt Heising fest. "Da kommt uns die Idee zupass."
Für das Projekt wurden 20 Erzieherinnen von SMS Meer-Mitarbeitern in Aufbau und Lehre grundsätzlicher physikalischer und chemischer Versuche geschult. Dahinter stehe die Erkenntnis, dass im Vorschulalter bei den Kindern ein sehr guter Zugang zu mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern vorhanden sei, betont Simone Frömel, Leiterin der Personalentwicklung bei SMS Meer. Allerdings ist der Gang in den Kindergarten im Kampf um die Gunst guter Mitarbeiter nur ein erster Schritt.
Ab 15. August wird das Unternehmen für 15 Kinder seiner Mitarbeiter eine eigene Kindergartengruppe anbieten. "Dafür ziehen wir in eine Einrichtung als Untermieter ein", sagt Pressesprecher Dr. Peter Heimerzheim. In den nächsten Monaten dann wird ein eigener Betriebskindergarten auf dem Gelände des Unternehmens gebaut. Denn, um im Wettbewerb um Spitzenkräfte die Nase vorn zu haben, ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein wichtiges Pfund, mit dem das Unternehmen wuchern kann.
Wie groß die Faszination solchen Engagements auf den Nachwuchs ist, zeigt sich bei den Versuchen, die die Kinder aus den Gruppen der teilnehmenden Kindergärten St. Aloysius und Haus Tonga den Erwachsenen vorführen. Konzentriert werden runde Filterpapiere gefaltet und mit der Schere ein Loch in das Zentrum des kreisrunden Papiers geschnitten. Mit einem schwarzen Stift ummalt Merle das Loch. Dann rollt sie ein zweites Filterpapier zu einem kleinen Rohr und steckt das in die Öffnung. Dieser Pilz wird nun in ein Glas mit Wasser gestellt. Was passiert?
"Das Wasser macht die Filter nass und oben kann man Ringe in Farben sehen", erklärt Merle und tatsächlich zeichnen sich in dem chemischen Versuch Kringel in Rosa und Flaschengrün, den Farben, aus denen der Hersteller das Schwarz gemischt hat, ab.
Der Schritt in den Kindergarten ist der Anfang einer langen Akquisitionskette, die in den kommenden Jahren über Schulen und Hochschulen weiter verfolgt wird, und in Kooperationen mit der Hochschule Niederrhein und der RWTH Aachen gipfelt. In der Hoffnung, damit den Fachkräftemangel in Mönchengladbach zu beheben.
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