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Mönchengladbach: Im Zug zum Buch

VON STEFANIE SANDMEIER - zuletzt aktualisiert: 27.12.2007

Mönchengladbach (RPO). Eine mobile Mitnahme-Bücherei der Gladbacher Stadtbibliothek gibt es jetzt im Regionalexpress der Linie RE 9. Jeder, der möchte, kann sich kostenlos ein Buch nehmen und nach dem Lesen an andere weitergeben.

Stadtbibliotheksleiter Guido Weyer (l.) und Uwe Herbertz packen Bücherpakete für die Bahn. Foto: RPO

Es muss irgendwo auf der Bahnstrecke zwischen Mönchengladbach und Münster gewesen sein. Ein Reisender betritt das Zug-Café des Rhein-Haard-Express und schnappt sich einen der Schmöker aus der Bücherkiste. Dass er diesen direkt im Anschluss gelesen hat, ist unwahrscheinlich. Denn nur wenige Tage später taucht genau dieses Buch in Alicante in Spanien auf.

Ähnlich ist es auch den anderen 499 Büchern ergangen, die von der Stadtbibliothek jetzt in der mobilen Mitnahme-Bücherei der Linie RE 9 ausgesetzt wurden. Die Bandbreite reicht vom Krimi bis zum Bestseller. Jeder, der möchte, kann sich kostenlos ein Buch nehmen und nach dem Lesen an andere weitergeben. Erklärt wird die Aktion auf Plakaten, Handzetteln und in Form von Lautsprecher-Durchsagen am Bahnsteig.

Info

Bookcrossing

Wie viele Bislang machen rund 618 000 BookCrosser mit, die rund 4 420 300 Bücher registriert haben.

Mitglieder Sie kommen aus 130 Ländern – von der Antarktis bis Simbabwe.

Internetseite www.bookcrossing.com beziehungsweise www.bookcrossers.de. Letztere ist als eine Art deutsches Forum der internationalen Seite zu betrachten, die ansonsten ausschließlich auf Englisch ist.

590 000 weltweit registriert

Die Stadtbibliothek weitet damit ein Projekt aus, das sie vor zwei Jahren an der Hochschule Niederrhein ins Leben gerufen hat. „Wir bekommen täglich etwa drei Kisten Bücher von Privatleuten geschenkt, wollen aber kein Kulturgut wegwerfen“, so Guido Weyer, Leiter des Fachbereichs Bibliothek und Archiv. „Deshalb geben wir die gebrauchten, aber ästhetisch einwandfreien Bücher weiter.“

Bislang haben jedoch lediglich Kindergärten, Krankenhäuser oder Studenten davon profitiert. „Doch Reisende lesen eben auch gerne“, fügt Weyer an. „Deshalb haben wir den Versuch gestartet, Bücher mobiler zu machen und sie buchstäblich auf Schienen zu setzen.“ Der Erfolg gibt dem Projekt Recht. Denn nach nur einer Woche waren alle Werke vergriffen und die Stadtbibliothek musste Nachschub liefern.

Dabei ist Idee des „Bookcrossing“ keinesfalls neu. Die Initiative geht auf den Amerikaner Ron Hornbaker zurück. Der Grundgedanke besteht dahin, Bücher nicht nutzlos im Regal verstauben zu lassen, sondern sie an Bekannte weiterzugeben oder – wie der Osterhase die Eier – an ganz unterschiedlichen Orten abzulegen. Immer in der Hoffnung, dass ein interessierter Finder das Buch aufnimmt und ebenso weiterreicht. Wohin es seine Bücher auf Reisen verschlägt, verfolgt Weyer im Internet. Auf www.bookcrossing.com werden sie mit Identitätsnummer registriert. Dort können Leser angeben, wo sich die Exemplare gerade befinden.

So ist Bookcrossing mittlerweile eine Gemeinschaft von Buchliebhabern geworden, die Lesefreude und -leid miteinander teilen. Sie geben einander Empfehlungen und stellen Buchtipps zusammen. Das klingt verrückt, doch die Zahl der Anhänger wächst stetig. Weltweit sind rund 590 000 Menschen registriert, 40 000 allein in Deutschland.

Bis jetzt ist das Gladbacher Projekt noch als eine Art Prototyp zu betrachten. Doch Weyer könnte sich durchaus vorstellen, mit anderen Büchereien oder Bibliotheken zusammenzuarbeiten und die Aktion auf weitere Zugverbindungen auszubauen. „Wie wichtig die Leseförderung ist, wissen wir nicht erst seit der Pisa-Studie“, so Weyer. Lesen ist Hobby, Bildung und auch ein Stück Kulturgut.

Quelle: RP

 
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