Mönchengladbach: Immer mehr Schuldner suchen Hilfe
VON WILJO KRECHTING - zuletzt aktualisiert: 29.07.2010 - 17:00Mönchengladbach (RPO). Die Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung verzeichnet einen starken Anstieg der ratsuchenden Schuldner. Doch die Beratung scheint Früchte zu tragen, denn die Zahl der verschuldeten Mönchengladbacher nimmt insgesamt ab.
Die Zahl der Einwohner Mönchengladbachs, die als Privatpersonen verschuldet sind, ist von 2008 auf 2009 von 15,84 auf 14,1 Prozent leicht zurück gegangen. Das gab die Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Freien Wohlfahrtsverbände in der Stadt Mönchengladbach bei der gestrigen Vorstellung des Jahresberichtes 2009 bekannt.
Die AG Schuldnerberatung wurde 1989 als gemeinnütziger Verein vom Sozialdezernenten und den Geschäftsführern der Wohlfahrtsverbände gegründet, mit dem Ziel, die Situation verschuldeter Privatpersonen zu verbessern.
Mit Kapazitäten am Limit
„Dieses Angebot wird zurzeit sehr stark genutzt. Wir sind mit unseren Kapazitäten derzeit am absoluten Limit, die Wartezeit beträgt sechs Monate“, sagte Heinz Herbert Paulus , Geschäftsführer des Diakonischen Werks, der zurzeit den Vorsitz innehat. So ist die Zahl der Beratungen von 2008 auf 2009 von 2606 auf 3129 gestiegen – eine Steigerung um 20 Prozent. Die Beratungen umfassen sowohl Telefongespräche, als auch Gruppen- und Kurzberatung.
„Auffällig ist, dass in den vergangenen Jahren nicht nur die Zahl der Ratsuchenden, sondern auch deren durchschnittliche Verschuldung kontinuierlich gestiegen ist“, sagte Karin Fuhrmann-Dally, Leiterin der Beratung. Betrug die Verschuldung im Jahr 2005 pro Person noch 29 800 Euro, forderten die Gläubiger im Jahr 2009 bereits durchschnittlich 38 322 Euro. Die Zahl der Gläubiger schwanke je nach Schuldner zwischen einem und 70.
Die Gläubigerstruktur ist dagegen eindeutig. „62,4 Prozent der Forderungen gehen von den Banken aus. Danach folgt erst das Finanzamt mit 5,5 Prozent“, sagte Fuhrmann-Dally. Ganz unten auf der Liste der Gläubiger stehen die Energieversorger mit einem Wert von 0,3 Prozent.
Der größte Teil der Ratsuchenden (41,1 Prozent) bezieht Arbeistlosengeld II. Mit 20 Prozent folgt die Gruppe der Angestellten. Die wenigsten Schulden gibt es offenbar in der Gruppe der Beamten, die in der Beratung mit nur 0,5 Prozent vertreten sind. „Über 50 Prozent der ratsuchenden Menschen, die sich an uns wenden, sind übrigens zwischen 20 und 50 Jahren alt“, sagte Fuhrmann-Dally.
Dreiviertel in die Insolvenz
Doch wie geht die Beratung vonstatten? „Zuerst raten wir den Schuldnern, ein Guthabenkonto bei einer neuen Bank zu gründen und die alten Schulden zunächst stehen zu lassen – damit nicht sofort das ganze Einkommen einbehalten wird. Dann muss für die Begleichung des Notwendigsten, sprich Strom und Wasser, gesorgt werden“, sagt Fuhrmann Dally. Am Ende münden über Dreiviertel der Fälle eine Privatinsolvenz anmelden – heutzutage eine Standardvoraussetzung zur privaten Entschuldung.
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