Mönchengladbach: Immer mehr Schulverweise
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 30.01.2009Mönchengladbach (RPO). Sie halten sich an keine Regel, drangsalieren Mitschüler und beleidigen Lehrer. Manche kommen auch gar nicht zum Unterricht. Weil die Zahl der Störer und Schwänzer zunimmt, müssen Schulen zu härteren Maßnahmen greifen.
Schon der kleinste Anlass kann der Auslöser sein, dass Schüler regelrecht ausrasten. Sie brüllen, schlagen und beleidigen oder zerkratzen aus Wut auf den Lehrer dessen Auto. "An Schulen gibt es täglich kleine Extremfälle", sagt Georg Hoffmeister, Leiter des schulpsychologischen Dienstes. Kein Wunder, dass Lehrer öfter einmal zu härteren Maßnahmen greifen.
Hart durchgreifen
Auch Schulamtsdirektor Walter Steinhäuser bestätigt: "Die Zahl der Ordnungsmaßnahmen an Schulen hat deutlich zugenommen." Zwangsversetzungen in Parallelklassen oder Schulverweise – selbst zu den "schärfsten" Disziplinarmaßnahmen müsse immer häufiger gegriffen werden. Steinhäuser weiß allein von zehn Schulverweisen in diesem Schuljahr. Häufiger Grund für hartes Durchgreifen: Jugendliche, die sich zu Banden zusammentun und Mitschüler abziehen oder sie dazu zwingen, Gewalt- und Pornovideos auf Handys anzuschauen.
Strafen
Bußgelder gegen Eltern (1. August bis 31. Dezember) 22 Fälle. In der Regel betragen die Bußgelder 100 Euro plus 20 Euro Gebühr.
Bußgelder gegen Schüler (gleicher Zeitraum) 54 Fälle. Davon vier Fälle, in denen es sich um das zweite oder dritte Bußgeld handelte. 46 Fälle wurden in Arbeitsstunden umgewandelt.
Zwangsweise Zuführungen 13 Fälle, eine Schülerin kam wegen permanenten Schwänzens für eine Woche in Arrest.
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"Die deutliche Zunahme an Ordnungsmaßnahmen ist auch darauf zurückzuführen, dass Schulen heute konsequenter auf Regeleinhaltungen und gemeinschaftlichen Absprachen pochen", sagt Steinhäuser. Der Schulamtsdirektor begrüßt das. Schülern müsse eine klare Orientierung geboten werden. Schule, aber auch die Eltern seien da gefragt.
Nach Konflikten im Unterricht werden auffällige Schüler und deren Eltern häufig zum schulpsychologischen Dienst geschickt. Und nicht selten stellt sich dabei heraus, dass Kinder, die in der Schule die Regeln nicht einhalten, dies zu Hause auch nicht tun. "Es ist nicht so, dass die Eltern ihren Kindern nicht gerne Grenzen setzen würden. Aber oft gelingt ihnen das nicht", sagt Hoffmeister. Auch er befürwortet, dass Lehrer bei Fehlverhalten früh eingreifen. Schließlich müsse sich etwas ändern. "Sonst wächst unter den Pädagogen die Hilflosigkeit. Dass Lehrer weinend aus dem Unterricht laufen, ist nicht nur an Hauptschulen schon vorgekommen", sagt Hoffmeister.
Ein weiteres Problem sind die Schulverweigerer: 160 gibt es stadtweit, sagt Walter Steinhäuser. Schon Grundschulkinder seien dabei. Wenn gutes Zureden nicht hilft, muss die Stadt zu Zwangsmaßnahmen greifen. Allein im vergangenen Schuljahr mussten 60 Kinder und Jugendliche von Ordnungsmitarbeitern abgeholt und ins Klassenzimmer gebracht werden, weil sie permanent "blau gemacht" hatten. Sechs von ihnen wurden sogar wiederholt "zwangszugeführt". Eine 19-Jährige schwänzte so oft die Schule, dass sie sogar für eine Woche in Arrest musste.
Dazu hagelte es Bußgelder wegen Blaumachens. 95-mal wurden die Eltern zur Kasse gebeten, 38-mal Schüler. Aus erzieherischen Gründen werde das Bußgeld immer häufiger den Schulschwänzern selbst aufgebrummt, erläutert Wolfgang Speen, Leiter der städtischen Pressestelle. Wer nicht zahlen kann, kann die Geldbuße in Arbeitsauflagen umwandeln lassen. Im vergangenen Schuljahr ist das immerhin 30-mal geschehen.
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