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Mönchengladbach: In Gladbach boomt es gewaltig

zuletzt aktualisiert: 16.07.2007

Mönchengladbach (RPO). Mal Ehrlich Wirtschaftsförderer Dr. Ulrich Schückhaus (47) sagt, warum er weiter an den Ausbau des Flughafens glaubt, wie der Fußball ihm bei der Ansiedlung von Unternehmen hilft und warum das ECE-Forum in der Innenstadt gerade noch rechtzeitig kommt.

Im WFMG-Gebäude hängt ein Schild „Förderverein Flughafen“. Brauchen wir den Verein noch?

Schückhaus Er ist immer noch sinnvoll, auch wenn es im Moment heikel aussieht. Die Verantwortlichen in Düsseldorf werden erkennen, dass beim Düsseldorfer Flughafen irgendwann die Grenzen erreicht sind. Dann können sie die Gladbacher Fläche gut gebrauchen.

Wenn das jetzt nicht klappt – ist der Flughafen dann tot?

Schückhaus Wenn, dann ist nur der Ausbau tot. Der Flughafen selbst hat Bestandsgarantie, allein schon wegen der Firmen, die dort angesiedelt sind und Langzeitverträge haben.

Die WFMG ist ein interessantes Konstrukt. 51 Prozent gehören über die EWMG der Stadt, die restlichen 49 Prozent gehören den Unternehmern. Wer funkt Ihnen mehr rein?

Schückhaus Keiner von beiden. Wir stehen in regelmäßigem Kontakt mit unserem Aufsichtsratsvorsitzenden Norbert Bude und seinem Stellvertreter Rolf Königs sowie unserem Mehrheitsgesellschafter EWMG. Aber alle Seiten lassen mich wirklich sehr gut arbeiten. Genau das macht unser Konstrukt aus: Wir vereinen wirtschaftlichen Sachverstand und politische Rückendeckung. Wirtschaftsförderung muss städtische Aufgabe bleiben, aber auch die Unternehmerschaft ist bereit, sich zu engagieren.

Auch beim Flughafenausbau?

Schückhaus Das wäre eine durchaus denkbare Alternative. Durch den Ausbau soll der Flughafen Gewinn abwerfen.

Die Konjunktur in Deutschland boomt. Wann zeigt sich der Aufschwung bei der Ansiedlung von neuen Firmen in der Stadt?

Schückhaus In der Stadt boomt es schon gewaltig. Allein in diesem Jahr haben wir schon 160 000 Quadratmeter Gewerbeflächen verkauft. Größtenteils an bereits bestehende Unternehmen, die viele neue Arbeitsplätze schaffen. Dazu kommen zahlreiche Neuansiedlungen, die sich aber meist in Bestandsimmobilien einmieten. Damit stehen wir im Vergleich zu anderen Städten ganz gut da. Wir müssen uns allerdings von dem Gedanken verabschieden, dass sich in Mönchengladbach oder Deutschland überhaupt größere Produktionsfirmen beispielsweise aus Japan oder den USA ansiedeln. Wir setzen auf das Wachstum der ansässigen Firmen und konzentrieren uns bei Neuansiedlungen auf unsere Leitbranchen Maschinenbau/Elektrotechnik, Textil/Mode und Logistik.

Stimmt es eigentlich, dass bald ein zweiter Investor für den Regiopark kommt?

Schückhaus Es laufen Verhandlungen, aber Genaueres kann ich dazu jetzt noch nicht sagen.

Womit werben Sie, wenn Sie Unternehmer für Gladbach gewinnen möchten?

Schückhaus Mit der geografischen Lage: Wir liegen genau zwischen den Häfen Amsterdam, Antwerpen und Rotterdam einerseits und den Absatzmärkten der Ruhr- und Rheinschiene andererseits mit einer hervorragenden Autobahn-Anbindung. Im Umkreis von einer Autostunde sind 15 Millionen Konsumenten erreichbar. Für Unternehmer spielt zudem eine Rolle, dass die Arbeitskosten hier wesentlich geringer sind als etwa in Düsseldorf. Daneben reizt an Gladbach der hohe Naherholungswert und die Tatsache, dass man im Gegensatz zu übervollen Städten wie Köln schnell am Arbeitsplatz und wieder zu Hause ist.

Hilft die Borussia, wenn Sie im Ausland für Gladbach werben?

Schückhaus Auf jeden Fall. Gerade bei so fußballverrückten Nationen wie der Türkei oder den Niederlanden ist Mönchengladbach durch die Mannschaft bekannter als beispielsweise Düsseldorf. Aber ich glaube nicht, dass Fußball für eine Standortentscheidung letztlich ausschlaggebend ist.

Sie sind jetzt seit acht Jahren Geschäftsführer der WFMG. Was waren die größten Misserfolge und Erfolge?

Schückhaus Dass wir Alcatel nicht bekommen haben, war ein harter Schlag. Wir haben lange dafür gekämpft und von 1800 neuen Arbeitsplätzen geträumt. Ärgerlich ist auch, dass es mit Ikea nicht klappt. Birkart im Regiopark, die Santander Bank und van Laack sind dagegen echte Meilensteine. Dass Spitzenkoch Wolfgang Eickes für die Kirche im Nordpark gewonnen werden konnte, finde ich ebenfalls wunderbar. Für die Stadt, aber auch für mich selbst, denn meine Frau und ich gehen sehr gerne essen. Das Palace St. George erweitert das gute Restaurant-Angebot der Stadt.

Spielt der bundesweit beklagte Fachkräftemangel auch in Gladbach eine Rolle?

Schückhaus Ja. Auch hier werden Fachkräfte gesucht, während wir auf der anderen Seite eine riesig hohe Langzeitarbeitslosenquote von über 50 Prozent haben. Wir können die Leute schwer vermitteln, da sie oft eine geringe Qualifikation haben. Leider kann die Wirtschaftsförderung da nicht viel mehr tun, als alle Beteiligten an einen Tisch zu bringen und Qualifizierungsangebote anzuregen. Wichtig ist, dass wir Schüler frühzeitig an den Beruf heranführen, wie es im Projekt MGconnect gemacht wird,

Welche Branche wird in den nächsten Jahren Gladbachs Jobmotor?

Schückhaus Die Logistik wird in zehn Jahren eine noch größere Rolle spielen, vielleicht auch für die Langzeit-Arbeitslosen. Darüber hinaus wächst die Bedeutung des Maschinenbaus. Und die des Handels, wenn wir ECE und das Fachmarktzentrum City Ost kriegen. Das würde bei allem Für und Wider ein großes Plus bedeuten.

Sie befürworten also das ECE-Forum?

Schückhaus Ich sage Ja zu ECE, weil wir einen Magneten schaffen müssen, der eine überregionale Anziehungskraft besitzt. Wir sind spät dran damit, aber noch nicht zu spät.

Nun ist klar, dass die Polizei nicht in die Niederrhein-Kaserne zieht. Hätten Sie Interesse, das zu vermarkten?

Schückhaus Grundsätzlich ja. Ich habe auf dem Gelände meinen Wehrdienst geleistet, kenne also gewissermaßen jeden Quadratmeter. Allerdings müssen wir sehr genau überlegen, wie diese Fläche einzusetzen wäre.

Wie stehen Sie zu den Ausbau-Plänen von Krings in Herrath?

Schückhaus Wir haben ein Interesse daran, dass das Unternehmen bleibt, und ein Weggang steht auch gar nicht zur Debatte. Ich verstehe die Bedenken der Anwohner, denn Krings ist nicht mehr der Bauernhof von früher, sondern ein großer Betrieb. Es ist offensichtlich, dass wir für die Sicherung der Arbeitsplätze in Herrath etwas tun müssen, indem zusätzlicher Lagerplatz genehmigt wird. Ich denke, ein Ausbau lässt sich verträglich gestalten.

Quelle: RP

 
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