Mönchengladbach: In Rheydt auf Borussia einstimmen
VON CHRISTIAN SPOLDERS - zuletzt aktualisiert: 29.09.2007Mönchengladbach (RPO). Was früher Eicken war, ist heute Rheydt: Hunderte Fans treffen sich vor und nach den Heimspielen Borussias in der Zweiten Fußball-Bundesliga am Bahnhof, um sich auf das Spiel einzustimmen. So wie gestern vor dem Derby gegen Alemannia Aachen. Den Fans und Wirten gefällt’s.
Früher war Bernd Becker regelmäßiger Gast in Eicken. Vor den Heimspielen Borussias traf sich der 48-Jährige mit Freunden in den umliegenden Gaststätten. So, wie hunderte Fans, die anschließend den kurzen Fußweg zum Bökelberg-Stadion nahmen. Eben diesen Vorteil hat der Stadtteil im Zentrum nicht mehr. „Für mich wäre es Quatsch, vor den Heimspielen nach Eicken zu fahren“, sagt Becker. Er reist mit dem Zug aus Heinsberg an. Erster Halt: Rheydt, Hauptbahnhof. „Hier ist unser neuer Treffpunkt“, sagt Bernd Becker. „Hier trinken wir unser erstes Bierchen.“ Rheydt, das neue Eicken.
Uwe Hünecke hat auf die Karte Borussia-Park gesetzt. Seit dreieinhalb Jahren, seit die Fußballer vom Bökelberg weggezogen sind, ist er gemeinsam mit seiner Frau Susanne Pächter des „Meyer‘s Extra“. Die Kneipe ist nur einen Steinwurf vom Bahnhof entfernt. „Wir haben gehofft, dass bei den Spielen viel los sein wird“, sagt der 45-Jährige. Die Hoffnung hat sich erfüllt. Bis zu 300 Fans gleichzeitig füllen das Lokal vor und nach dem Spiel gegen Alemannia Aachen. Sie singen, feiern und trinken bis tief in die Nacht. Vor dem Bahnhofskiosk bildet sich eine Menschenschlange, wie sonst nie.
Wirtschaftsfaktor Borussia
„Borussia ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor“, sagt Hünecke. Für die Heimspiel stellt der Wirt extra um. „Wir schenken Bier in größeren Gläsern aus und haben dreimal soviel Personal. Außerdem haben wir Tische weggestellt, um mehr Stehplätze zu schaffen.“ Bis zu tausend Liter Bier ordert Hünecke mehr als an gewöhnlichen Wochenenden. Gut für die Stimmung: Mehr Fußball-Songs als sonst dröhnen aus den Boxen der verrauchten Kneipe.
Die hören Günter Mainz (39) und Uwe Habrichs (41) bis draußen. Sie müssen nicht rein, sondern bestellen an der zusätzlich aufgestellten Theke. „Das ist richtig schön hier“, sagen die Jülicher. Sie tingeln seit drei Jahren durch die allerdings nur wenigen Lokale der Bahnhofstraße, um ab zwei Stunden vor dem Spiel ein paar Bier zu trinken. Eine Stunde vor Anpfiff fahren sie mit dem Shuttlebus vom Bahnhof zum Stadion. Der bringt die Fans auch wieder zurück. „Ohne Fußball hätten wir die Rheydter Innenstadt wohl nie gesehen“, sagt Habrichs. „Die Stimmung ist richtig freundlich.“ So friedlich, dass selbst Gäste-Fans zwar mit hängenden Köpfen, aber unbeschadet durch die grün-weiß-schwarz gekleidete Masse laufen – vor und nach dem Spiel.
Thomas Kohlhof wohnt in Rheydt. „Leider ist der Stadtteil relativ tot“, sagt der 39-Jährige. „Aber bei den Heimspielen ist hier was los.“ Vor dem Spiel trifft auch er sich mit Kumpels vor dem Bahnhof. Nachher finden sie sich im Irish Pub gegenüber von „Meyer’s Extra“ wieder. „Zum Analyse-Bier“, sagt Kohlhof. „Da besprechen wir nochmal in aller Ruhe, was uns am Spiel gestört hat.“ Gestern war es nicht sonderlich viel.
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