Mönchengladbach: Industrie auf Talfahrt
VON CAROLA SIEDENTOP - zuletzt aktualisiert: 24.02.2009Mönchengladbach (RPO). Die Wirtschaftskrise hat die Region erwischt: Der Maschinenbau, eine von Gladbachs Leitbranchen, ist besonders betroffen. Insgesamt sank der Geschäftsklimaindex binnen weniger Monate auf den historischen Tiefstand.
Die Textilmaschinen-Branche war die erste, die von der Wirtschaftskrise betroffen war. Im Oktober verkündete Oerlikon Schlafhorst quasi das Ende der Ära am Standort Mönchengladbach. Auch Trützschler baut Stellen ab. "Der Textilmaschinenbau ist traditionell ein konjunkturelles Frühchen", sagte Dr. Ulrich Schückhaus von der Wirtschaftsförderung. Für dieses Jahr sehen auch andere Unternehmen im Maschinenbau kaum ein Licht am Horizont. 80,3 Prozent der Branche in der Region erwarten eine Verschlechterung der Geschäfte. Ende 2008 waren es nur 32,9 Prozent der Maschinenbauer.
Stark gesunkene Auftragslage
Geschäftsklimaindex
Messwert, der sich aus aktuellen und erwarteten Geschäftslagen ergibt. Er sank von 134 auf 59.
Positiv Konjunkturelle Chancen sieht die IHK in sinkenden Rohstoff- und Ölpreisen. 56 Prozent der Betriebe wollen ihren Beschäftigungsstand halten. Fachkräfte sind weiter egsucht.
Diese Zahlen stellte die Industrie und Handelskammer (IHK) nach ihrer aktuellen Konjunkturumfrage unter 1000 Unternehmen mit fast 100 000 Beschäftigten vor. Die Stimmung bei den Unternehmen der Region ist schlecht. 71 Prozent aller Industrie-Betriebe erwarten eine Verschlechterung ihrer Geschäftsaktivitäten, 62 Prozent haben bereits gesunkene Auftragseingänge gemeldet. Schon 2008 erlebte der Textilmaschinenbau von Januar bis August einen Auftragseinbruch von 42 Prozent, bei den Spinnereimaschinen sogar 51 Prozent. Der Maschinenbau gehört zu den Leitbranchen in der Stadt. 320 Unternehmen, darunter Schlafhorst, Trützschler, SMS Meer, DS Technologie, Monforts und Scheidt & Bachmann zählen dazu (inklusive Anlagenbau und Elektrotechnik).
Auch wenn die Wirtschaftskrise die Maschinenbauer grundsätzlich trifft, gibt es Unterschiede. Nach der Textilbranche sind die Autozulieferer am stärksten betroffen. Deutliche Auftragsrückgänge zeichnen sich aber auch in anderen Unternehmen ab. "Wir merken eine deutliche Zurückhaltung der Kunden bei der Vergabe neuer Aufträge", sagte Bernd Gothe, Geschäftsführer des Metall-, Behälter- und Apparatebauers Heinz Gothe schon im Dezember. Dabei hängt das Unternehmen nicht von der Automobilindustrie ab. Aber auch andere Branchen – wie Chemie-Unternehmen – scheuen Investitionen oder haben Probleme mit der Finanzierung. Leiharbeiter hat Gothe bereits abgebaut.
Auch bei SMS Meer sind seit Herbst 2008 nur wenige Aufträge eingegangen. "In den vergangenen sechs Wochen haben wir die härteste Bremsung erlebt, die man sich vorstellen kann", sagte Geschäftsführer Dr. Joachim Schönbeck vor drei Monaten. Für dieses Jahr wird ein deutlich niedrigerer Auftragseingang erwartet. Die Beschäftigung sei jedoch für ein bis zwei Jahre gesichert, meldet SMS Meer.
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