Mönchengladbach: Invasion der Partei-Promis
VON ANDREAS GRUHN - zuletzt aktualisiert: 30.04.2010Mönchengladbach (RPO). Das hat es noch nie gegeben: Binnen 25 Stunden kommen Angela Merkel, Sigmar Gabriel und Oskar Lafontaine in die Stadt. Der Grund: Für den südlichen Wahlkreis wird ein knappes Ergebnis erwartet.
Der Wahlkampf der Parteispitzen spitzt sich in der Woche vor der Landtagswahl in Mönchengladbach zu. Bundeskanzlerin Angela Merkel, NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, SPD-Vorsitzender Sigmar Gabriel, SPD-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft, Die-Linke-Vorsitzender Oskar Lafontaine, Ex-SPD-Vorsitzender Franz Müntefering (am Sonntag) – so viel Politprominenz in so kurzer Zeit hat die Stadt selten gesehen.
Es ist 20 Jahre her, dass ein Bundeskanzler öffentlich hier auftrat. Und dass fast alle etablierten Parteien ihre Bundesvorsitzenden im Wahlkampf nach Gladbach schicken, dürfte es noch nie gegeben haben. "Offenbar gibt es eine besondere Aufmerksamkeit für die Stadt", meint Jochen Klenner, Geschäftsführer des CDU-Kreisverbands. Gladbach ist Schauplatz des Wahlkampfes, und das ist kein Zufall.
Umfragen sehen neun Tage vor der auch für die Bundespolitik wichtigen Landtagswahl (es geht um die Mehrheit im Bundesrat) ein Patt zwischen den politischen Lagern. Praktisch jeder gewonnene Wahlkreis kann im Endergebnis entscheidend sein. Nun spekuliert die SPD-Parteizentrale darauf, den Wahlkreis Mönchengladbach I von der CDU zurückzugewinnen. Dazu müsste Hans-Willi Körfges (SPD) mehr Stimmen holen als Michael Schroeren (CDU).
Zumindest für ausgeschlossen halten das Wahlforscher nicht. Parteichef Sigmar Gabriel kündigte sich schon früh bei Körfges an, und Kraft besucht mit ihm den Giesenkirchener Wochenmarkt. "Die Verschiebungen in der Nicht-Wählerschaft kurz vor der Wahl sind sehr wichtig. Da gibt es unglaubliche Umwälzungen", sagt Hans Smolenaers, Geschäftsführer des SPD-Kreisverbands.
Wenn die eine Partei ihre Spitzen schickt, zieht die andere gleich nach. So kommt mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Begleitung von NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers am Montag erstmals die Regierungschefin zum Wahlkampf nach Mönchengladbach. Auch sie sagte früh für Gladbach zu. Die Union verfolgt die Strategie, einerseits in einer Hochburg (Wahlkreis im Norden) und andererseits in einem umkämpften Wahlkreis (Süden) Wähler zu mobilisieren. Kurz vorher spricht Oskar Lafontaine am Alten Markt. Ihre Spitzenkräfte in einen vom Gegner dominierten Wahlkreis zu schicken, würde hingegen keiner Partei einfallen. Wahlkampfstrategen beider Parteien meinen: "Damit würde man genau die falschen Wähler mobilisieren."
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