Mönchengladbach: Islamschule sagt Umzug ab
VON JAN DREBES - zuletzt aktualisiert: 04.11.2010 - 22:00Mönchengladbach (RPO). Anzeichen verdichten sich, dass die Islamschule von "Einladung zum Paradies" nicht nach Gladbach kommt. Das habe wirtschaftliche Gründe, sagt EZP-Chef Muhamed Ciftci. Verfassungsschutz und Bürgerinitiative bleiben wachsam.
Sven Lau, stellvertretender Vorsitzender des salafistischen Vereins "Einladung zum Paradies" (EZP), sagt die entscheidenden Sätze in einer aktuellen Videobotschaft an die Eickener Bürgerinitiative: "Die Sache ist jetzt vorbei. Herr Ciftci und die Islamschule bleiben in Braunschweig." Auf Anfrage unserer Redaktion bestätigt EZP-Vorsitzender Muhamed Ciftci diese Nachricht.
Der vierfache Familienvater gibt für seinen Entschluss in Braunschweig bleiben zu wollen, vor allem wirtschaftliche Gründe an. "Für mich rentiert es sich nicht, die laufenden Kosten in Gladbach tragen zu müssen. Ich werde den Unterricht meiner Schüler online abhalten und für Prüfungen je nach Bedarf Räume anmieten. In Gladbach werden die nicht mehr stattfinden", sagt Ciftci.
Einladung zum Paradies
Vorsitzende Muhamed Ciftci aus Braunschweig ist erster Vorsitzender, sein Stellvertreter Sven Lau lebt in Mönchengladbach.
Mitglieder Laut Ciftci gebe es rund zehn aktive Mitglieder und mehrere hundert Anhänger.
Name "Einladung zum Paradies" wird der Gladbacher Verein laut Sven Lau auch weiterhin heißen.
Dass es sich finanziell nicht lohne umzuziehen, habe er aber erst jetzt festgestellt – und scheint sich endgültig entschlossen zu haben: "Es ist hundertprozentig sicher, dass ich nicht aus Braunschweig wegziehen werde und damit auch nicht die Islamschule", sagt Muhamed Ciftci.
Ciftci will bei EZP austreten
Außerdem kündigte der 37-Jährige an, dass er in Kürze dem Verein "Einladung zum Paradies" den Rücken kehren und sein Amt als Vorsitzender abgeben wolle. "Ich habe Verantwortung als Vater zu tragen und möchte mich neben meiner Familie auch wieder mehr um die eigenen Geschäfte kümmern", sagt Ciftci.
Dem NRW-Verfassungsschutz hatte EZP am Mittwoch eine Mitteilung über den geplatzten Umzug zukommen lassen. Mathilde Koller, Chefin der Behörde in Düsseldorf, betont, dass der Verfassungsschutz auch in Zukunft den Verein, dessen Umfeld und die Mitglieder beobachten werde. "Wir bleiben wachsam", sagt Koller.
Ihre Amtskollegin aus Niedersachsen, Maren Brandenburger, sieht das genauso. "Einzelpersonen sind für uns nur ein Teil der Gemengelage. Wir haben auch Interesse an den Netzwerkstrukturen – unabhängig von Orten", sagt Brandenburger. Sven Lau erklärt unterdessen, dass er weiterhin die Moschee in Eicken ausbauen wolle: "Die Räumlichkeiten waren immer zu eng. Wir planen, die Gebetsräume und den Frauenbereich zu vergrößern."
Die Versiegelung des Gebäudes an der Eickener Straße 164 bleibe aber bestehen auch wenn die Islamschule nicht umziehen sollte, teilt die Stadt auf Anfrage mit. Überhaupt sei eine gewisse Skepsis angebracht, sagt Wilfried Schultz von der Bürgerinitiative, die sich aus Protest gegen die Islamschule gegründet hatte. "Wer weiß, ob das nicht eine Taktik der Salafisten ist. Es hieß ja schon vor ein paar Wochen, dass die Islamschule nicht umziehen würde."
Doch selbst wenn die Islamschule in Braunschweig bleiben sollte, sieht Schultz keinen Grund, die Initiative aufzulösen: "Es ist noch lange nicht vorbei. Der gesamte salafistische Verein kann hier nicht mehr geduldet werden."
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