Mönchengladbach: Jede Nacht ein Graffito
VON SVEN DURGUNLAR - zuletzt aktualisiert: 09.07.2009Mönchengladbach (RPO). Der Eingangsbereich eines Hauses in Eicken wurde in der Nacht zu gestern mit Farbe beschmiert. Kein Einzelfall: Statistisch gesehen wird jede Nacht in Gladbach eine Wand verunstaltet. Haus-Eigentümer sind dagegen hilflos.
Beim ersten Mal war es schon schlimm genug. Margarethe Rentschler kann sich noch gut an den Tag im April 2008 erinnern, an dem sie durch die Hintertür ihren Friseursalon betrat und schon von dort aus sah, dass Eingangstür und Fenster mit blauer Lackfarbe beschmiert waren. Gestern morgen passierte ihr das ein zweites Mal.
Warum die Täter den Eingangsbereich der 68-Jährigen mit roter Farbe beschmiert haben, weiß sie nicht – und genau das bereitet ihr Sorgen. "Ich tue doch niemandem etwas. Warum will mir jemand schaden?" Margarethe Rentschler ist nicht die einzige, deren Hauswand beschmiert wird.
Statistisch gesehen wird jeden Tag eine Mönchengladbacher Hauswand mit Graffiti verunstaltet. 204 Anzeigen zählte die Polizei von Januar bis Mai dieses Jahres. Zwar ein leichter Rückgang im Vergleich zum Vorjahreszeitraum: 2008 kam es bis Mai 259 Mal zur Anzeige wegen Graffiti-Schmierereien. Doch in der zweiten Jahreshälfte stieg die Zahl der Anzeigen: mit 794 Anzeigen gab es im vergangenen Jahr nahezu doppelt so viele Beschwerden bei der Polizei wie 2007. Damals waren es 432.
Ein Drittel der Delikte aufgeklärt
Mieter und Haus-Eigentümer sind gegen die Verunstaltung der Fassaden hilflos. Die Maler- und Lackierer-Innung berät über Materialien, die die Farbe leichter wieder entfernen lassen.
Doch wirksamen dauerhaften Schutz gegen Sprayer gibt es kaum. Auch die Polizei kann erst dann reagieren, wenn ein konkreter Verdacht vorliegt. "Wir sind auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen", sagt Polizeisprecher Jürgen Lützen. Nahezu ein Drittel der Graffiti-Delikte konnten im vergangenen Jahr aufgeklärt werden. In diesem Jahr liegt die Aufklärungsquote bei 13,2 Prozent.
Oftmals sind die Täter sehr jung. Ende Mai erwischte die Polizei zwei 14-jährige Mönchengladbacher, die in Neuss einen Brückenpfeiler besprühten. Sie äußerten die Ansicht, dass die Stelle doch wohl zum Sprayen frei gegeben sei. Bestimmte Lieblingsorte der Sprayer lassen sich laut Polizei nicht ausmachen. "Das Problem ist stadtweit überall gleich groß", sagt Lützen.
Die Grundstückseigentümer-Vereinigung Haus und Grund empfiehlt, Hauswände farbenfroh zu gestalten, um Sprayern das Handwerk zu erschweren. Außerdem könnten Bewegungsmelder helfen, die Täter zu stellen, so Geschäftsführerin Petra Laumen.
Margarethe Rentschler hat nun zum zweiten Mal die Gebäudereinigung bestellt. 950 Euro kostet die Reinigung ihres Hauseingangs. Um sich diese ein drittes Mal zu ersparen, hat sie eine Belohnung ausgelobt: 250 Euro gibt es für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen.
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