Mönchengladbach: Jeder zweite Starenkasten ist defekt
VON INGE SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 25.05.2010Mönchengladbach (RPO). Jede zweite Messanlage ist defekt, sie zu reparieren ist zu teuer. Trotzdem sollen die Autofahrer das Haushaltsloch stopfen: Dafür sollen ein neuer Radarwagen und höhere Parkgebühren sorgen. Die Politik muss entscheiden.
Die Starenkästen sind Auslaufmodelle. Im Laufe der Jahre sind sie immer unwirtschaftlicher geworden, bringen dem städtischen Haushalt keine nennenswerten Summen mehr ein. Von den elf Geschwindigkeitsmessanlagen sind fünf schon länger nicht mehr in Betrieb. "Das Problem sind nicht die Kästen selbst, sondern die Messschleifen in den Fahrbahndecken, die das Tempo der Autos registrieren und weitergeben", erklärt Reinhold Gerhards, kommissarischer Leiter des Ordnungsamtes.
Abschreckende Wirkung
Der Asphalt ist abgefahren, müsste komplett abgefräst und erneuert werden. "Und dann kämen noch die Kosten für die neuen Messschleifen dazu", sagt Gerhards. "Pro Messstelle würde das die Stadt 20 000 bis 25 000 Euro kosten." Keine Chance bei einem städtischen Schuldenstand von 1,2 Milliarden Euro. Dennoch bleiben die Starenkästen stehen. "Denn sie haben auf jeden Fall nach wie vor abschreckende Wirkung, erhöhen also die Sicherheit auf unseren Straßen", sagt Gerhards.
Stadtkämmerer Bernd Kuckels hat in seinem Arbeitspapier zur Senkung der städtischen Schulden befunden: "Die Reparatur- und Wartungskosten für die Starenkästen sind derart hoch, dass die Instandsetzung auch nur einer Anlage nicht rentabel wäre." Also muss er an anderer Stelle nach zusätzlichen Einnahmequellen suchen. Die sieht er bei den mobilen Radarkontrollen.
Die Stadt verfügt über ein entsprechend ausgerüstetes Fahrzeug, das an 130 Stellen regelmäßig Kontrollen durchführt. "Zu der bereits geplanten Ersatzbeschaffung für den zurzeit im Einsatz befindlichen Radarwagen würde jeder weitere Radarwagen zu Mehreinnahmen führen", heißt es in dem Kuckels-Papier. Die Prognose: 75 000 Euro würden noch in diesem Jahr zusätzlich in die Stadtkasse fließen, 230 000 Euro wären es in den Folgejahren, so der Stadtkämmerer.
Und noch eine Geldquelle hat Bernd Kuckels ausgemacht – die Parkscheinautomaten. 1,6 Millionen Euro bringen sie bisher pro Jahr ein. Kuckels Vorschlag: Wenn die Stadt die Gebühren von bisher einem Euro pro Stunde auf 1,50 Euro anhebt, beziehungsweise von bisher 50 Cent in den Stadtrandbezirken auf 75 Cent bringt das schon in diesem Jahr zusätzliche 200 000 Euro, in den kommenden Jahren sogar das Doppelte.
Viertelmillion Euro zusätzlich
"Das sind vorsichtige Schätzungen", sagt Gerhards. "Der Gewinn ist noch zu steigern." So könnte eine Viertelmillion Euro zusätzlich in die Stadtkasse kommen, wenn die Parkräume ausgedehnt und auch dort Gebühren erhoben werden, wo die Autofahrer heute noch kostenfrei parken dürfen.
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