Mönchengladbach: "Jetzt erst recht" kommt ins TV
VON LENA STEEG - zuletzt aktualisiert: 04.03.2011Mönchengladbach (RPO). Die RP-Mutmach-Aktion für Borussia zieht immer weitere Kreise. Die Stadtreinigung GEM hat zehn Wagen mit dem Logo ausgestattet. Das lockte nun auch das Fernsehen an. Zwei Fahrer gingen deshalb für die ARD-Sportschau den WDR mit dem "Jetzt-erst-recht-Wagen" auf Tour.
Hans Rosso soll jetzt mal schnell "verkabelt werden". Den 55-Jährigen bringt so ein bisschen Fernsehen nicht aus der Ruhe. Stattdessen zuckt er mit den Schultern und sagt "bitte sehr". Während Tontechniker Daniel Hoff also ein Mikro an Rossos Kragen befestigt, schiebt der GEM-Fahrer in aller Seelenruhe den linken Ärmel seiner Arbeitsjacke hoch. Die Haut auf dem Unterarm ist tätowiert. Ein Ritter ist zu sehen. Er kniet vor einer großen Borussia-Raute. "War ein langer Kampf mit meiner Frau", sagt Rosso und grinst. "Ich bin Fan seit 1969. Zum 13. Geburtstag schenkte mir meine Mutter eine Eintrittskarte für ein Borussen-Spiel. Ich ging damals zum Bökelberg und am Ende des Spiels fragten mich die anderen Fans: Kommste wieder, Jung?" Hans Bosso lehnt sich im Cafeteria-Stuhl der GEM zurück und blickt auf seinen Unterarm. Natürlich kam er wieder.
Sendetermine
ARD In der Sportschau wird Reinhold Beckmann vor dem Spielbericht die Aktion erwähnen. Die Sendung startet um 18 Uhr.
WDR In Zeiglers "Wunderbarer Welt des Fußballs" ist ein knapp vierminütiger Bericht geplant. Die Sendung läuft wegen des Karnevalprogramms am Montag, 7. März, von 00.45 bis 1.15 Uhr.
Von der RP-Aktion "Borussia: Jetzt erst recht", mit der die Stadt ihrem Verein den Rücken stärken will, waren Hans Rosso und sein GEM-Kollege René Pluntke, der ehrenamtlich die U19 der Borussia betreut, sofort begeistert. Und nicht nur sie. Auch der Rest der GEM zeigte sich sofort bereit, einige der Müllfahrzeuge mit dem Mutmach-Logo auszustaffieren. "Wenn es um Borussia geht, lassen die meisten hier sofort alles stehen und liegen, um sich der Sache anzunehmen", sagt Pressesprecherin Jutta Schmitz. Am Montag hatte sie den Auftrag zum Druck der Banner erteilt, am Dienstag waren sie schon fertig. Zehn Wagen fahren nun das grüne Borussia-Logo samt "Jetzt erst recht"-Schriftzug spazieren. "Ich finde das richtig und auch wichtig", sagt Hans Rosso. "Borussia ist für die meisten hier keine Modeerscheinung, die man schick findet, wenn es gerade gut läuft. Borussia ist eine Herzensangelegenheit. Die Aktion ist deshalb super. Wir zeigen den Jungs, dass wir in guten wie schlechten Zeiten zu ihnen stehen."
Um dieses Gladbacher Wir-Gefühl in bewegte Bilder zu fassen, möchte das Fernsehteam nun aber endlich mal zum Fuhrpark rüber. "Und jetzt steigen Sie einfach mal auf, wie Sie eben immer aufsteigen", sagt Kamerafrau Jeannine Ludwig. Das ist ja überhaupt das Tollste am Fernsehen: dass es zwar die Wirklichkeit abbildet, aber dies eben in einer extrem künstlichen Form. "So, noch einmal aufsteigen bitte, Herr Pluntke", sagt Ludwig zu wiederholten Male und hält das Objektiv nun sehr nah an das Trittbrett. Pluntke steigt auf, Ludwig filmt seinen Fuß dabei. Die Szene ist im Kasten.
"Dreieinhalb Minuten entstehen nachher für ,Zeigler'", erklärt derweil Autor Andreas Kramer, den man im Fernsehjargon Realisator nennt. Auch für die Sportschau werden einige Sekunden Film geliefert. "Die läuft dann als Off-MAZ", sagt Kramer. Das bedeutet, dass Sportschau-Moderator Reinhold Beckmann in der Anmoderation zum Borussia-Spiel am Samstag gegen Hoffenheim ein paar einleitende Worte auch zur RP-Aktion sagt. Parallel werden dabei die Bilder von Hans Rosso und René Pluntke zu sehen sein, die vor dem Borussia-Stadion stehen oder vor Wohnhäusern die Tonnen abholen.
Und egal, wie dieses Heimspiel ausgeht: Alle Zuschauer werden dann sehen können, wie die Gladbacher ihrem Verein die Treue halten. Am "Jetzt erst recht"-Logo und auch an Hans Rosso. "Mein Tattoo habe ich mir vor zwei Jahren stechen lassen. Da lief es für Borussia schon nicht gut. Aber genau darum geht es ja: Solidarität zeigen in dem Moment, in dem sie's gebrauchen können."
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