Mönchengladbach: Job nach Unfall verloren
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 08.07.2008Mönchengladbach (RPO). Sven Beckers war gerade einen Monat als Müllarbeiter tätig, als sein Arm in eine Papierpresse geriet und zerfetzt wurde. Die Ärzte konnten den Arm zwar retten, aber seine Arbeitsstelle ist der 26-Jährige los.
Den 28. August 2006 wird Sven Beckers nicht so schnell vergessen. Es war der Tag seines Unfalls. Sven Beckers, seit knapp einem Monat bei der GEM angestellt, stand mit einem Kollegen auf einem Müllfahrzeug, das Papier und Kartons einsammeln sollte. Plötzlich verfing sich Beckers’ Jacke in eine Kartonage. Sein Kollege, der kein Deutsch verstand, drückte unerlaubterweise den Knopf für den Pressvorgang. Sven Beckers schrie, aber der Kollege stand offensichtlich unter Schock. Erst als der Fahrer bei einem Anwohner eine Eisenstange besorgt hatte, konnte der damals 24-Jährige befreit werden.
Der linke Unterarm war gequetscht, zerfetzt und gebrochen. Fünf Wochen musste Sven Beckers immer wieder operiert werden. Fünf Wochen dauerte die Zitterpartie. Dann erst stand fest: Der Arm muss nicht amputiert werden. Aber: Voll funktionstüchtig wird er auch nie mehr wieder sein – trotz der zwölf Operationen, der Hauttransplantaionen, der Reha, Krankengymnastik und zahlreichen Übungen. Die weggerissenen Muskelstücke können nicht wieder ersetzt werden. „Ich kann eine Flasche Wasser greifen, aber ob ich sie nach einer Minute noch halten kann, weiß ich nicht“, sagt der 26-Jährige.
Sven Beckers hatte als Müllwerder einen Zeitvertrag. „Aber mir wurde immer wieder versichert, dass die GEM mich nach einem solchen Unfall nicht fallen lässt. Wenn ich nicht bei der GEM weiter beschäftigt würde, dann würden sie dafür sorgen, dass ich in eine Auffanggesellschaft komme“, berichtet der Mann, der zuletzt in der Umladestation Heidgesberg gearbeitet hat.
Doch Sven Beckers hat keinen Job mehr. Sein Vertrag wurde nicht verlängert. Dabei hat sich der 26-Jährige in der Umladestelle durchaus wohl gefühlt. „Ich konnte die Arbeit gut erledigen und kam auch mit den Kollegen gut aus“, sagt er. Sven Beckers sucht nun einen neuen Job. Aber ob er in seinem gelernten Beruf (Mosaik- und Fliesenleger) wieder unterkommt, bezweifelt er nach dem Unfall.
Dass Sven Beckers nicht weiter bei der GEM beschäftigt wurde, ist mit dem Betriebsrat abgesprochen. „Wir waren froh, dass die GEM Sven Beckers nach dem Unfall einen Zwei-Jahresvertrag gegeben hat und nicht wie üblich nur einen weiteren Viertel-Jahresvertrag“, sagt Betriebsratsvorsitzender René Pluntke. GEM-Betriebsleiter Wilfried Theißen ergänzt: „Der junge Mann sollte sich während seiner Behandlungen keine Gedanken um seine berufliche Existenz machen. Danach ist er nicht mehr auf uns zu gekommen.“
Sven Beckers ist enttäuscht. Aber er will alles tun, damit sein Leben wieder in geregelten Bahnen verläuft.
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