Mönchengladbach: Jung, Mutter, arbeitslos
VON CAROLA SIEDENTOP - zuletzt aktualisiert: 13.08.2008Mönchengladbach (RPO). 716 allein erziehende Frauen mit Kleinkindern sind von Hartz-IV abhängig. Wenn ihre Kinder drei Jahre alt werden, müssen sie sich um Arbeit bemühen. Weil ihre Chancen oft schlecht sind, gibt es nun ein neues Hilfsangebot.
Als Sabrina Z. 18 Jahre alt war, kam ihre Tochter Janina zur Welt. Zwei Jahre später folgte Marcel. Jetzt ist die junge Mutter 22 Jahre alt und lebt von Hartz-IV. Sie kann einen Realschulabschluss vorweisen, doch ihre Ausbildung zur Bürokauffrau hat sie nicht abgeschlossen. „Ich war damals verliebt, und dann kam auch schon die Kleine“, erinnert sich Sabrina Z. Doch aus dem Familienidyll wurde nichts, der Vater der Kinder verließ sie. Die 21-Jährige hat ganze 15 Monate in ihrem Leben gearbeitet – als Azubi. Wenn ihr jüngster Sohn bald drei Jahre alt wird und wie seine Schwester in den Kindergarten geht, muss sich ihre Mutter eine Arbeitsstelle suchen. Die Chancen stehen schlecht.
Viele sind schlecht ausgebildet
Alleinstehend, arbeitslos, und Mutter – wie Sabine Z. leben 716 allein Erziehende mit Kindern unter drei Jahren in Mönchengladbach, die abhängig von Hartz-IV sind. Rund 400 von ihnen sind unter 25 Jahre alt. Erst wenn ihre Kinder drei Jahre alt sind, stehen sie dem Arbeitsmarkt wieder zur Verfügung – theoretisch. Denn viele sind zu schlecht ausgebildet, um eine Arbeit zu finden. Damit die Frauen die ersten drei Lebensjahre ihres Kindes auch zur eigenen Weiterbildung nutzen, haben die Arge und die Stadt nun eine spezielle Förderung ins Leben gerufen. Für die allein Erziehenden ist das Angebot freiwillig. Sie müssen nicht befürchten, ihre Leistungen gekürzt zu bekommen, wenn sie nicht mitmachen, betont Klaus Müller, Geschäftsführer der Arge. „Aber die zwei Jahre sind ja nutzbar“, sagt er. Das bedeutet: Die jungen Mütter sollen sich in dieser Zeit fit für den Job machen. Auf diesem Weg werden sie von zwei Sozialarbeitern begleitet. „Es ist etwas anderes, ob die Frauen nur den Sachbearbeiter der Arge als Ansprechpartner haben oder einen Sozialarbeiter, mit dem man offen reden kann, weil er nichts mit den Leistungen zu tun hat“, erklärt Sozialdezernent Dr. Michael Schmitz. Mit den Sozialarbeitern sollen die jungen Mütter auch über ihre Sorgen und Nöte reden, beispielsweise Schuldenlasten.
Einfach wird es für die allein Erziehenden nicht, zwischen Kinderbetreuung und Haushalt noch Zeit für Weiterbildung zu finden. Das ist den Anbietern auch klar. Deshalb helfen sie im Notfall auch, einen Betreuungsplatz für das Kind zu finden. In welcher Form eine Weiterbildung Sinn macht, besprechen die Frauen mit den Sozialarbeitern. Letztendlich entscheiden die Mitarbeiter der Arge, welche Maßnahme bewilligt wird. Dann übernimmt die Arge auch die Kosten dafür.
Die Möglichkeiten einer Weiterbildung reichen von Hauswirtschafts- oder Kochkursen über EDV- und Sprach-Lehrgänge bis hin zum Angebot, den Führerschein zu machen.
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