Mönchengladbach: Junge Frau war Lockvogel beim Raubüberfall
VON INGRID KRÜGER - zuletzt aktualisiert: 02.02.2010Mönchengladbach (RPO). Weil sie verschuldet waren, planten die beiden Männer (28 und 25 Jahre alt) einen Raubüberfall im Viersener Stadtpark. Die Freundin des 28-Jährigen sollte dabei den Lockvogel spielen. Gestern saßen die drei vor der Ersten Jugendkammer des Mönchengladbacher Landgerichts auf der Anklagebank. Die Staatsanwältin warf dem Trio schwere räuberische Erpressung und gefährliche Körperverletzung vor. "Ich habe mich dazu von meinem Freund breitschlagen lassen", bedauerte die 19 jährige Schülerin.
Im Chatroom kennen gelernt
Das Opfer, einen Studenten aus Aachen (25), lernte die Mitangeklagte im Chatroom des Internets kennen. Wie verabredet, lockte sie den 25-Jährigen am 12. August vergangenen Jahres zu einer nächtlichen Verabredung am Viersener Busbahnhof. Der Student landete mit dem Lockvogel im dunklen Stadtpark. "Plötzlich stürzten zwei Männer hinter den Bäumen hervor. Ich verspürte einen Schlag", erinnerte sich das Opfer. Der Lockvogel war inzwischen verschwunden.
Die Angeklagten gaben gestern die Vorwürfe der Staatsanwältin unumwunden zu. Der ältere Angeklagte bedrohte das Opfer mit einer Machete: "Ich schlag dir die Hand ab, wenn du dein Handy nicht findest." Doch das hatte der Student bei dem überraschenden Überfall im Gebüsch verloren. Er übergab den Tätern seine Uhr, ein Bahnticket und ein leeres Portemonnaie. Doch die Täter wollten Geld. Als sie in dessen Geldbörse die Scheckkarte sahen, zwangen sie den Studenten, mit ihnen zur Sparkasse zu fahren und hier 200 Euro von seinem Konto abzuheben. Die Angeklagten verschwanden und teilten die Beute. Die Schülerin bekam 30 Euro, gab sie aber am nächsten Tag dem Freund. Damit wolle sie nichts zu tun haben. Das Opfer erlitt damals Schürfwunden und Prellungen. Außerdem musste sich der 25-Jährige wegen psychischer Folgen in Behandlung begeben.
Das Angeklagten-Trio entschuldigte sich im Gerichtssaal bei dem Opfer und versprach Schmerzensgeld. Am Ende forderte die Staatsanwältin für die beiden Männer Strafen von sechs und fünf Jahren Haft und für den Lockvogel eine einjährige Jugendstrafe. Doch die Angeklagten hatten Glück. Die Jugendkammer wertete das Verbrechen als "minder schweren Fall" und verurteilte den 28-Jährigen zu drei Jahren und 8 Monaten Haft. Der jüngere Mittäter soll für drei Jahre und zwei Monate hinter Gitter. Die junge Frau kommt mit einer Verwarnung und 100 Arbeitsstunden davon.
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