Mönchengladbach: Junkie nach Überfall auf Taxifahrerin vor Gericht
VON INGRID KRÜGER - zuletzt aktualisiert: 15.12.2009Mönchengladbach (RPO). Er sei täglich betteln gegangen, gab der heroinabhängige Angeklagte (26) im Gerichtssaal ohne Umschweife zu. Manchmal habe er sich dabei den Passanten an der Stresemannstraße mit Krücken präsentiert. "Aus Show, weil ich damit mehr Geld bekam", gestand der 26-Jährige vor der Ersten Strafkammer des Mönchengladbacher Landgerichts bereitwillig ein. Dort ging es gestern allerdings nicht um die Bettelei des Mönchengladbachers. Tatsächlich warf der Staatsanwalt dem Junkie vor, am 21. August in Rheydt eine Taxifahrerin überfallen und dabei mit einem Messer bedroht zu haben.
Abhängigkeit von Heroin
Das bestritt der Angeklagte nicht, schilderte aber zunächst einen chaotischen Lebenslauf, der ihn trotz vieler Entgiftungen in die Abhängigkeit von Heroin und Tabletten geführt hatte. Er habe eine "komische Familie", erinnerte sich der Angeklagte. Als 16-Jähriger gelang es ihm, seine Betreuerin als Pflegemutter zu gewinnen. Doch auch das ging schief. Zu viel Stress mit der Pflegemutter. Mit 18 Jahren trennte er sich. Einmal gelang es ihm, ein Jahr lang clean zu bleiben. "Aus der Schreinerlehre wurde ich rausgeworfen. Später bin ich immer wieder abgestürzt", so der 26-Jährige sinngemäß. Am Ende sei er beim Heroin gelandet und habe sich schließlich täglich das Geld für den Drogenkonsum in Rheydt zusammengebettelt.
Offenbar war er am 21. August damit nicht sehr erfolgreich. Deshalb setzte er sich an dem Tag am Marienplatz in das Taxi der 57-Jährigen. Er ließ sich von ihr zur Elektrizitätsstraße fahren. Hier ließ er sie anhalten. Als er den Fahrpreis zahlen sollte, überraschte der Fahrgast die Taxifahrerin mit Ausruf: "Gib Geld!" Doch der Angeklagte hatte Pech. Die 57-Jährige reagierte unerwartet und forderte: "Nein, du gibst Geld". So erklärte das Opfer gestern im Gerichtssaal und erinnerte sich, wie er sie dabei mit einem Messer bedroht habe.
"Ich geriet in Panik, als der Mann immer näher zu mir rutschte", schilderte die Frau in ihrer Zeugenaussage. Dann gelang es der Frau, ihre Geldbörse zu schnappen und das Taxi zu verlassen. Inzwischen waren zwei Frauen auf die Szene aufmerksam geworden und näherten sich dem Fahrzeug. "Ich sah das entsetzte Gesicht der Taxifahrerin", schilderte eine Rheydterin. Schließlich verließ der Angeklagte das Taxi und lief davon. Weit kam er nicht. Er wurde festgenommen.
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