Mönchengladbach: Känguru flieht durch Wanlo
VON GABI PETERS UND PHILIPP COENEN - zuletzt aktualisiert: 11.07.2009 - 11:58Mönchengladbach (RPO). Es ist schneller als die Polizei und hopst deshalb auch noch frei herum. Jeder, der es zum ersten Mal sieht, reibt sich ungläubig die Augen. Ein Känguru in der Stadt? Ja, es ist so. Seit Frühjahr wird Skippy immer wieder gesichtet.
Es war gegen 11.30 Uhr, als der Karikaturist Nik Ebert durch Wanlo fuhr. Plötzlich sah er am Straßenrand ein seltsames Tier: Für einen Hasen war es viel zu klein. Ein Hund konnte es nicht sein. Aber was dann? „Erst, als es plötzlich hopste, wusste ich Bescheid: Das ist ein Känguru“, berichtet er. Nik Ebert rief über die 110 die Polizei an. „Ich dachte, ich muss das tun. Aber ganz wohl war mir dabei nicht“, erzählt der Karikaturist. Weil er nicht wusste, ob die Polizei ihm glauben würde, was er gerade gesehen hatte, begann er das Gespräch vorsichtig mit: „Halten Sie mich nicht für verrückt, aber ich habe gerade ein Känguru gesehen.“ Der Beamte am anderen Ende der Leitung hatte das offenbar schon häufiger gehört und erklärte gleich: „Haben Sie keine Angst, Sie haben keine Halluzinationen. Das Känguru gibt es wirklich. Wir hatten schon häufiger Anrufe.“
Im Frühjahr wurde das Känguru zum ersten Mal bei der Polizei gemeldet. Seitdem rufen in regelmäßigen Abständen mehr oder minder aufgeregte Menschen an, die ein Beuteltier melden und gleichzeitig an ihrer eigenen Wahrnehmungsfähigkeit zweifeln.
Auf dem Golfplatz in Wanlo am Rittergut Wildenrath dagegen ist das Tier bekannt. Gut, als es zum ersten Mal zum Sprung über das Grün ansetzte, ist auch den Golfern das Eisen aus der Hand gerutscht. Schließlich sieht man nicht jeden Tag ein Känguru an Loch 12. „Aber jetzt haben sich alle daran gewöhnt“, sagt Hans-Ludwig Hoffmann, Chef des Ritterguts. Ihm gehört das Känguru. Das heißt, er hatte es in Belgien von einer Zuchtfarm für sein Tiergehege gekauft. Doch schnell sollte das Känguru-Männchen ausbüxen. Seitdem ist es flüchtig.
„Wir haben schon mit allen Tricks versucht, es wieder einzufangen“, sagt Hoffmann. Nichts half. Und so einfach ist es auch nicht, das scheue Beuteltier zu erwischen. Auf gar keinen Fall dürfe man es in die Enge treiben. „Die Tiere sind äußerst stressanfällig“, sagt Hoffmann. Er hofft, dass das Känguru eines Tages von alleine wieder in sein Gehege zurückkehrt. Eine Gefahr gehe von dem Zwergkänguru nicht aus. „Es ist ganz harmlos“, versichert Hoffmann. Und offensichtlich findet das Tier auch in freier Wildbahn genug zu fressen. Denn bis jetzt finden alle, die es gesichtet haben, dass Skippy noch ganz munter aussieht.
Und selbst bei einem argen Kälteeinbruch würde sich Hoffmann noch keine Sorgen um das Känguru machen: „Es stammt aus einer europäischen Zucht und ist das Klima gewöhnt.“
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