Mönchengladbach: Kampf dem Wahl-Koma
VON HOLGER HINTZEN - zuletzt aktualisiert: 06.09.2008Mönchengladbach (RPO). Der niedrigen Beteiligung an Wahlen will OB Norbert Bude ein Ende machen. Er hofft auf eine Initiative namhafter Mönchengladbacher. Nicht nur sozial Schwache, auch Wohlhabende bleiben inzwischen der Wahlkabine fern.
Wahlmüdigkeit ist eine beschönigende Bezeichnung. „Anhaltender Tiefschlaf“ trifft eher, was eine seit Jahrzehnten wachsende Zahl von Mönchengladbachern hindert, bei Wahlen zu den Urnen zu gehen. „Seit 1975 lag die Wahlbeteiligung in Mönchengladbach im Schnitt um 6,7 Prozentpunkte unter dem jeweiligen Durchschnitt“, sagt Professor Ingo Bieberstein von der Hochschule Niederrhein. Die tiefsten Tiefpunkte: 45,2 Prozent Beteiligung bei der letzten Kommunalwahl und katastrophale 33,2 Prozent bei der jüngsten Europawahl.
Ideen gibt es schon
So darf es nicht weitergehen, findet Oberbürgermeister Norbert Bude. Eine von namhaften Mönchengladbachern getragene Initiative soll verhindern, dass die Bürger vollends in ein Demokratie-Koma fallen. Mit möglichen Kampagnen-Trägern hat Bude bereits über Ideen gesprochen. Weil der Kreis nach dieser ersten Runde noch nicht zu fertigen Konzepten gekommen ist, will Bude über die Zusammensetzung noch nichts sagen.
Keine Zurückhaltung waltet bezüglich einer Studie aus der Feder von Bieberstein und seines Kollegen Professor Harald Vergossen. Demnach ist die Zahl der Nicht-Wähler am höchsten in Citybereichen, in denen viele Menschen mit geringerem Bildungsniveau und sozial Schwache wohnen. Da Mönchengladbach im Vergleich etwa zu Aachen, Bonn und Münster mehr Arbeitslose, Sozialhilfe-Empfänger und Privat-Insolvenzen hat, erklärt sich auch die unterdurchschnittliche Wahlbeteiligung. Aber: Auch in „gehobeneren“ Wohnvierteln gehen in Mönchengladbach weniger Menschen zur Wahl als in „besseren“ Vierteln andere Städte.
Nicht-Wähler sind vor allem junge Menschen, die einfach „keinen Bock auf Politik“ haben, „Verwaltungsfrustrierte“, die von Erfahrungen mit Behörden aller Art enttäuscht sind, sozial Schwache, aber eben auch „Saturierte“ aus der Mittelschicht. Warum die Beteiligung in Mönchengladbach ausgerechnet bei Kommunalwahlen am stärksten unter dem Durchschnitt liegt, dazu hat Bieberstein eine private Meinung: „Hier herrscht seit langer Zeit dieselbe politische Farbe vor. Veränderungen werden von vielen schon gar nicht mehr erwartet.“ Eine kurzatmige Plakat-Aktion alleine wäre zur Ermunterung der Wähler nicht ausreichend, sind sich Bieberstein und Bude einig. Nötig sei nachhaltig Wirkendes. Junge Leute sind eher mit Internetauftritten und Vorbild-Figuren zu erreichen. Der saturierte Nicht-Wähler reagiert womöglich besser auf Briefe und persönliche Ansprache. Eine entsprechend vielfältige Kampagne hofft Bude im ersten Quartal 2009 vorstellen zu können. Fest steht für ihn aber: „Sobald sich eine Initiative zusammengefunden hat, die das trägt, gehe ich da raus. Denn es soll nicht der Eindruck entstehen: Der Bude macht das für sich selbst.“
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum





