Mönchengladbach: Kanal-TÜV: Jetzt doch nicht?
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 09.01.2012Mönchengladbach (RP). 462 Mönchengladbacher haben für viel Geld ihre privaten Abwasserkanäle auf Dichtigkeit prüfen lassen, weil sie glauben, dass dies bald Pflicht wird. Doch nun scheint das Gesetz zu kippen. Auch die Stadt empfiehlt abzuwarten.
Eigentlich sollten die ersten Grundstücksbesitzer schon bis Ende des Jahres einen Nachweis vorlegen, dass ihre privaten Abwasserkanäle dicht sind. Doch nun scheint das geplante Gesetz zur Dichtheitsprüfung zu kippen. Die Wahrscheinlichkeit ist auf jeden Fall hoch.
Das sieht auch SPD-Landtagsabgeordneter Hans-Willi Körfges so. Im Umweltausschuss des Düsseldorfer Landtages wurde bereits ein Antrag der FDP angenommen, der die Landesregierung auffordert, den Vollzug der Dichtheitsprüfung für private Abwasserkanäle auszusetzen.
Handwerker ärgern sich
Pech für 462 Mönchengladbacher. Sie haben den Dichtheitstest schon vornehmen lassen, weil sie dachten, dass er Pflicht wird und die Preise dafür möglicherweise noch steigen werden.
Bisherige Fristen
Laut Bundesgesetz müssen Abwasserkanäle dicht sein – das bindet alle Hauseigentümer. Nach dem bisherigen Landeswassergesetz müssen Abwasserleitungen bis Ende 2015 sowie beim Neubau auf Dichtheit geprüft werden, in Wasserschutzgebieten früher.
Die Kommunen haben aber die Möglichkeit, die Frist bis Ende 2023 zu verlängern. Mönchengladbach machte davon Gebrauch.
Die Stadt wird auf jeden Fall vorerst keinen Nachweis einer Dichtheitsprüfung verlangen. "Wir sind momentan in einer Warteposition", sagt Wolfgang Speen, Leiter der städtischen Pressestelle. In Mönchengladbach wollte man erst abwarten, wie im Landtag entschieden wird. So lange es keine definitiven Aussagen gebe, rate man bei Bürgeranfragen, zunächst noch keine Dichtheitsprüfung in Auftrag zu geben, sagt Speen.
Kippt die Dichtheitsprüfung, freuen sich Bürger und ärgern sich Handwerker. Denn viele zertifizierte Betriebe haben sich schon über zusätzliche Aufträge gefreut und massiv für den Kanal-TÜV geworben. Preiswert ist eine Dichtheitsprüfung nicht.
So gibt beispielsweise ein Gladbacher Heizungs- und Sanitärunternehmen im Internet an, dass es 145 Euro pro Stunde berechne. Bei einem kleinen Einfamilienhaus fielen rund vier bis sechs Stunden Arbeit an, bei größeren Objekten könne es auch schon einmal mehrere Tage dauern, die privaten Leitungen zu testen. Dazu kommen noch 65 Euro für die Prüfbescheinigung.
Mit privaten Leitungen sind in Mönchengladbach übrigens nicht nur die auf dem eigenen Grundstück gemeint. Auch das Kanalstück, das in den Straßenraum hereinreicht, müsste der Grundstückseigentümer, falls die Dichtheitsprüfung doch kommt, auf eigene Rechnung mit prüfen lassen.
Angesichts der Entwicklungen ist man in der Mönchengladbacher Stadtverwaltung froh über die eigene Zurückhaltung in Sachen Dichtheitsprüfung. Andere Kommunen waren da rigoroser. Einige verschickten bereits Aufforderungen an ihre Bürger, den Test zu machen, damit der Nachweis rechtzeitig vorgelegt werden könne.
Auch in Mönchengladbach waren schon Straßenlisten mit Stichtagen erstellt worden, bis wann die Grundstücksbesitzer verpflichtend eine Dichtheitsprüfung nachweisen müssen.
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