Mönchengladbach: Kassenpatienten warten wesentlich länger auf Arzttermin
VON WILJO KRECHTING - zuletzt aktualisiert: 09.04.2010 - 11:12Mönchengladbach (RPO). Wenn Patienten einen Termin beim Facharzt wollen, müssen sie oft mehrere Wochen bis Monate warten. Laut einer aktuellen Studie warten gesetzlich Versicherte drei Mal so lange auf einen Facharzt-Termin wie Privat-Versicherte.
Die Gründe dafür sind verschieden. Es gibt jedoch einige Möglichkeiten, wie Patienten die Wartezeiten verringern können. Albert Klingenheben hat Erfahrung mit Ärzten, wenn auch nicht nur positive: "Als ich letztens einen Termin beim Hautarzt haben wollte, musste ich ein Vierteljahr warten. Das war schon arg", sagt der Rentner aus Mönchengladbach.
So wie Klingenheben geht es vielen Mönchengladbachern. Die Wartezeiten auf Facharzttermine betragen mitunter Monate – und sie werden bei bestimmten Arztgruppen immer länger.
Das Institut für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie in Köln untersucht regelmäßig Wartezeiten auf Facharzttermine. Die Ergebnisse der aktuellen Studie sind eindeutig. Unterschiede gibt es laut Studie auch bei den Wartezeiten zwischen gesetzlich und privat Versicherten: Gesetzlich Versicherte warten im Durchschnitt dreimal so lange auf einen Facharzt-Termin wie Privatversicherte.
Das Gesundheitssystem
Ausgaben Laut Statistik betrugen die Ausgaben für Gesundheit in Deutschland im Jahr 2008 insgesamt 263,2 Milliarden Euro.
Ärzte In Deutschland 2008 waren mehr als 413 000 Ärzte in Deutschland gemeldet.
Besonderer Service
"Wir kennen das Problem. Viele unserer Versicherten rufen bei uns an und beschweren sich", sagt Heinz Frohn, Regionaldirektor der AOK Rheinland/Hamburg in Mönchengladbach. Die AOK hat deshalb einen besonderen Service eingerichtet: Meldet sich ein Patient mit einer Facharzt-Überweisung bei der Ortskrankenkasse, setzt sie sich bei den betreffenden Ärzten für einen möglichst zeitnahen Termin ein. Den gleichen Service bietet die Barmer an.
Besonders lange warten müssen Patienten bei Lungenfachärzten, Augenärzten und Gastroenterologen. 26 Arbeitstage Wartezeit auf einen Allergietest sind normal (privat: 8,4). Sogar 36,7 Tage warten Patienten auf eine Magenspiegelung (privat: 11,9). Karin Hamacher, Pressereferentin der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, kennt die Ursachen. Und diese liegen nicht etwa in einer zu geringen Ärzte-Dichte: "In den Regierungsbezirken Köln und Düsseldorf haben wir eine der höchsten Ärzte-Dichten in Nordrhein-Westfalen."
Das Problem liege vielmehr darin, dass fachärztliche Untersuchungen sehr viel Zeit in Anspruch nähmen und darüberhinaus die Deutschen Weltmeister bei den jährlichen Arztbesuchen seien: "Jeder Deutsche geht im Durchschnitt 18,1 Mal im Jahr zum Arzt – das ist Weltrekord", sagt Hamacher. Ein weiterer Grund ist die Mund-zu-Mund-Propaganda: "Es spricht sich sehr schnell herum, wenn ein Facharzt gut ist. Deren Praxen sind immer dementsprechend voll, während Patienten bei "durchschnittlichen" Ärzten auch mal innerhalb eines Tages einen Termin bekommen", sagt Hamacher. Das sei aber nunmal oft nicht der gewünschte Doktor.
Trotzdem gibt es Möglichkeiten, wie ein Patient die Wartezeit auf einen Termin verkürzen kann. Karin Hamacher kennt sie: "Wichtigste Voraussetzung ist, sich eine Überweisung beim Hausarzt zu holen. Es ist ratsam, wenn dieser auch direkt beim Facharzt anruft und den Termin macht – das geht immer schneller." Andreas Kulka, der zusammen mit seiner Kollegin Bernhild Vernaleken eine Augenarztpraxis in Mönchengladbach betreibt, hat für Patienten noch einen weiteren Tipp: "Wer bei der Terminvergabe flexibel ist, muss nicht länger als zwei bis drei Wochen warten."
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