Mönchengladbach: Kaum Chancen für 6. Gesamtschule
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 13.11.2009Mönchengladbach (RPO). Können bereits zum neuen Schuljahr neue Gesamtschulplätze geschaffen werden? Die Chancen stehen nicht besonders gut. Eine neue Schule ist unrealistisch. Die Umwandlung anderer Schulen stößt auf Widerstände. Und auch der Ausweitung bestehender Gesamtschulen sind Grenzen gesetzt.
Weil jährlich mehr als 500 Kinder von den Gesamtschulen abgewiesen werden, will die Ampel-Koalition schon zum neuen Schuljahr die Zahl der Gesamtschulplätze ausweiten. Doch wie? Das ist noch die große Frage. Zurzeit beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe von SPD, FDP und Grüne mit dem Thema. Die Verwaltung hat bereits ein Konzept zur Neustrukturierung der Schullandschaft in der Stadt vorgelegt. Und das sieht für kurzfristige Lösungen wenig Chancen.
Eine neue sechste Gesamtschule? Ein Neubau hat in Zeiten knapper Kassen so gut wie keine Chance. Bliebe die Möglichkeit, andere Schulen in eine Gesamtschule umzuwandeln. Aber welche? Ein Standort im Außenbezirk ist laut Verwaltung nicht geeignet. Als Beispiel führt Schuldezernent Dr. Gert Fischer die Gesamtschule Neuwerk an. Sie ist die fünfte, also zuletzt geschaffene Gesamtschule in der Stadt und liegt in einem Außenbezirk. 126 Kinder wurden zum laufenden Schuljahr dort angemeldet, 20 davon kommen nicht aus Mönchengladbach. 116 Mädchen und Jungen konnten aufgenommen werden. "Ohne die auswärtigen Kinder hätte die Schule noch freie Plätze gehabt", sagt Fischer. Dass die Gesamtschule Hardt auch in einem Außenbereich liegt und dennoch 165 Schüler abweisen musste, führt Fischer auf den Ruf der Schule zurück.
Hardt Die Schule hatten zum laufenden Schuljahr 280 Anmeldungen, 165 mussten abgewiesen werden.
Neuwerk 126 Anmeldungen, zehn Verweisungen
Volksgarten 226, Anmeldungen, 123 Verweisungen
Espenstraße 205 Anmeldungen, 64 Verweisungen
Rheydt-Mülfort 263 Anmeldungen, 143 Verweisungen
Eine neue Gesamtschule ist laut Fischer in den Bezirken sinnvoll, wo die meisten Schüler leben, die keinen Platz bekamen. Das sind eindeutig Stadtmitte und Rheydt-Mitte. 93 Kinder aus Mönchengladbach-City hatten sich zum laufenden Schuljahr an einer Gesamtschule angemeldet, wurden aber aus Kapazitätsgründen nicht aufgenommen, in Rheydt-Mitte beträgt die Zahl 98. Wollte man eine Schule in diesen beiden Bezirken zu einer Gesamtschule umwandeln, kämen nach den Untersuchungen der Stadt alleine vom Raumangebot her nur wenige Standorte in Frage. Dazu zählen im Norden das Math.-Nat., die Geschwister-Scholl-Realschule, sowie die beiden Hauptschulen an der Aachener Straße zusammengenommen; im Süden wäre das Hugo-Junkers-Gymnasium geeignet. Aber wer will auch nur einer dieser Schulen schließen, um sie in eine Gesamtschule zu verwandeln? Ganz abgesehen davon ist die Zeitschiene knapp. "Wir glauben nicht, dass es realistisch ist, eine sechste Gesamtschule zum neuen Schuljahr ans Netz zu bekommen", sagt Schuldezernent Dr. Gert Fischer.
Bliebe die Möglichkeit, bestehende Gesamtschulstandorte zu erweitern. Laut Verwaltung kommen die Gesamtschule Espenstraße und die Gesamtschule Rheydt-Mülfort in Frage. Doch da haben die Schulleiter ein Wörtchen mitzureden. Grundsätzlich bereit zu einer Erweiterung wäre Peter Blomert von der Gesamtschule Espenstraße. Seine Schule ist zurzeit fünfzügig, einen Zug mehr würde er aufnehmen. Platz dafür gäbe es in der Grundschule am Schmölderpark, die in diesem Jahr keine neue Eingangsklasse bilden konnte und deshalb ausläuft. Doch ein Zug mehr bedeutet zunächst einmal eine Klasse mehr, und das sind knapp 30 Kinder.
Dass die bestehenden Gesamtschulen sich bereit erklären, Überlasten zu fahren, ist ebenfalls nicht wahrscheinlich. Denn Überlasten heißen nicht automatisch, dass es mehr Lehrer gibt.
Eine neue Gesamtschule im Schulzentrum Rheindahlen einzurichten, wie es die Gesamtschul-Initiative verlangt, hält Fischer für unsinnig: "Da, wo heute ein Gymnasium wackelt, wird übermorgen auch eine Gesamtschule wackeln", sagt er. Denn die Schülerzahlen sind stark rückläufig.
Das wird auch zu Veränderungen im Grundschulbereich führen. Im Frühjahr soll entschieden werden, ob die Grundschule Ringerberg und die Grundschule Waldhausener Höhe als Verbundschulen geführt werden. Außerdem wird überprüft, ob die beiden Grundschulen in Rheindahlen an der Geusenstraße mittelfristig eine Gemeinschaft eingehen sollten.
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