Mönchengladbach: Kaum klingelnde Kassen
VON KAREN GÖRNER - zuletzt aktualisiert: 29.12.2006Mönchengladbach (RPO). Die Mehrwertsteuer wird zum 1. Januar erhöht – die Kunden scheint’s kaum zu interessieren. Gladbacher Auto-, Elektrofach- und Möbelhändler merken nichts davon, dass jetzt noch groß eingekauft wird.
Weihnachten ist vorbei - und der Einkaufsrummel? Immerhin droht zum 1. Januar die Mehrwertsteuererhöhung. Versuchen die Verbraucher, größere Anschaffungen noch schnell vorzuziehen?
Im Autohaus Renault auf der Monschauer Straße sieht es nicht danach aus. Zwar schlendert eine ganze Reihe Besucher zwischen den ausgestellten Fahrzeugen umher; die meisten jedoch ohne Kaufabsicht. Wolfgang Keup zum Beispiel möchte zwar in nächster Zeit ein neues Auto kaufen, meint aber: „Das mach’ ich ganz ohne Hektik. Jetzt noch schnell kaufen, das lohnt doch nicht: Im Januar lassen sich die Autohäuser etwas anderes einfallen, um Kunden zu gewinnen.“ Andere denken wohl ähnlich. Marcel Dahmens, Angestellter des Autohauses, berichtet: „Der Boom zum Jahresende ist definitiv ausgeblieben – und übrigens werden unsere Gebrauchten nicht teurer.“ Auch bei Opel bestätigt Rolf Mund, Mitglied der Geschäftsleitung: „Erhöht wird längst nicht überall: Bei Wagen, die weniger gefragt sind – wie Golf oder Astra – , lässt uns der Markt keinen Spielraum für Preissteigerungen.“
Mehrwertsteuer
Neu Ab dem 1. Januar zahlt der Kunde 19 statt 16 Prozent Mehrwertsteuer auf Konsumgüter.
Nachgerechnet Die Steigerung beträgt drei Prozentpunkte – aber nicht drei Prozent: Drei von 16 sind nämlich 18, 75 Prozent.
Gleichbleibend Der ermäßigte Satz von 7 Prozent, z.B. auf Nahrungsmittel, Büchern und Zeitungen,gilt weiterhin.
Bettlaken und Bilderrahmen
Im Möbelhaus Roller sind zwar ebenfalls Parkplatz und Geschäft gut gefüllt, an der Kasse sieht man jedoch eher Geschirrtücher, Bettlaken und Bilderrahmen. Die gesuchte Küche oder das Sofa werden „ganz in Ruhe“ gekauft. „Das muss die Tage nicht klappen“, sagt Kundin Andrea Janßen, „für drei Prozent überstürzt man doch nichts.“
An der Hindenburstraße tritt Joachim Scholz tritt gerade mit Stereoanlage im Arm und zwei Kindern im Schlepptau aus dem Gedränge bei Saturn heraus. Hat er noch schnell vor dem Jahreswechsel zugeschlagen? „Nein, das hat uns nicht beeinflusst. Mein 13-jähriger Sohn hat zu Weihnachten einen Gutschein bekommen und wollte den natürlich sofort einlösen – daher kaufen wir jetzt.“
Gutscheine und Geld zu Weihnachten – tatsächlich scheint das bei vielen Saturn-Kunden der Grund für größere Anschaffungen „zwischen den Jahren“ zu sein. Die 20-jährige Carola Gather sucht sich gerade einen Laptop aus. „Den brauche ich dringend für’s Studium – zu Weihnachten kam eben noch das Geld dazu.“ Die Mehrwertsteuer spielte dabei keine Rolle für die Gladbacherin. „Das interessiert mich nicht sehr: Aldi hat doch längst draufgeschlagen, und bei Dingen des täglichen Bedarfs kann man einfach nichts machen.“ Außerdem beteuert der geschäftsführende Gesellschafter bei Saturn, Eduard Felzen: „Wir haben im Vorfeld keine Preise erhöht und werden es auch nicht tun. Bei Elektronik gibt es nunmal einen raschen Preisverfall – wahrscheinlicher ist es, dass Preise gesenkt werden.“
Gute Nachrichten also für alle, die größere Anschaffungen auch lieber auf 2007 verschieben wollen.
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