kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Kommentare ()

Mönchengladbach: Kaum Zeit für kleine Patienten

VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 26.02.2009

Mönchengladbach (RPO). Gladbachs Kinderärzte sind in Aufruhr. Für kleine Kassenpatienten gibt es nur noch eine pauschale Vergütung von 29,93 Euro pro Quartal – egal wie krank das Kind ist. Die Folgen: Behandlungen im Minutentakt oder Praxissterben?

Droht uns das, was es in den Niederlanden und in England schon gibt? Keine niedergelassenen Kinder- und Jugendärzte mehr, dafür überfüllte Kinderambulanzen, in denen sorgfältige Untersuchungen und Beratungen nicht mehr stattfinden können? "Die Gefahr besteht", sagen Mönchengladbachs Kinder- und Jugendärzte.

Denn seit der jüngsten Änderung, der Einführung des sogenannten Regelvolumens, befürchten viele, dass sie ihre Praxen zumindest in der bisherigen Form nicht mehr betreiben können. 29,93 Euro bekommen Kinderärzte seit dem 1. Januar für alle Behandlungen eines kranken, gesetzlich krankenversicherten Kindes oder Jugendlichen innerhalb eines Quartals vergütet - egal, wie krank das Kind ist, egal, wie oft es in den drei Monaten in die Praxis kommt.

"Wie soll der Kinder-und Jugendarzt mit diesem Betrag Eltern beraten, die nach zahllos durchwachten Nächten ihre Säuglinge wiederholt wegen Dreimonatskoliken oder Zahnungsbeschwerden vorstellen? Wie soll er die Eltern führen, die während der Trotzphase der Kinder dringend Rat brauchen? Wie soll er Stellung nehmen zu der Frage nach Konzentrationsstörungen in der Schule? Wie soll er bei oft massiven Pubertätsschwierigkeiten helfen?", fragt Dr. Renate Harnacke, Sprecherin der Kinder- und Jugendärzte in Mönchengladbach.

Eltern in diesen und anderen Situationen zu begleiten, sei nicht nur für die betroffenen Familien, sondern gesamtgesellschaftlich von großer Bedeutung. "Dass Eltern mit ihren Kindern in der feucht-kalten Jahreszeit zehnmal im Vierteljahr den Kinderarzt aufsuchen, ist keine Seltenheit", weiß Renate Harnacke. "Das macht pro Behandlung 2,90 Euro. Wer sich Zeit für die Behandlung nimmt, muss mit erheblichen Einbußen rechnen."

Die lägen gegenüber der ungeliebten so genannten Budgetierung, die bis Ende 2008 galt, nochmals zwischen zehn und 30 Prozent niedriger, wie der Ärztesprecherin von den Kollegen mitgeteilt wurde. "29,93 Euro – das ist so viel wie ein preiswerter Haarschnitt", sagt Dr. Marion Paland-Huckemann, Ärztin für Kinder- und Jugendmedizin. Rund 20 Prozent ihrer Patienten sind chronisch krank, kommen also mehrfach im Quartal.

"Wer 1000 Patienten im Quartal behandelt, kommt nach der neuen Regelung auf einen monatlichen Umsatz von 10 000 Euro", sagt Renate Harnacke. Was davon bleibt ihm? Der Kinder- und Jugendarzt muss sein Personal zahlen, wobei drei Helferinnen ein absolutes Minimum sind. Eine erfahrene Kraft von etwa 40 Jahren kostet rund 3000 Euro monatlich. Hinzu kommen Mietkosten, wobei 2000 Euro pro Monat realistisch sind.

Die EDV muss auf einem neuen Stand sein, auch um demnächst die neuen elektronischen Versicherungskarten einlesen zu können. Notwendige medizinische Geräte wie Ultraschall, EKG, Lungenfunktion müssen instand gehalten werden, bzw. von Zeit zu Zeit auch erneuert werden. Um die Investitionskosten abzuzahlen, benötigt der Kinder- und Jugendarzt oft 15 Jahre. Dann ist er noch nicht haftpflichtversichert, nicht krankenversichert, und er hat für seine Altersversorgung noch nichts geleistet. Zusätzlich vergütet werden die Vorsorgeuntesuchungen. So genannte Igel-Leistungen, also Behandlungen, für die der Patient selber aufkommen muss, sind auch in einer Kinderarztpraxis möglich, aber selten. Trotzdem: "Ohne Privatpatienten könnte manche Praxis nicht überleben", sagt Renate Harnacke. "Sollen wir dahin kommen, dass nur noch diese relativ kleine Gruppe von Kindern und Jugendlichen medizinisch vernünftig versorgt wird?", fragt sie. "Das will die gesamte Kinder- und Jugendärzteschaft nicht. Und das sollten auch Eltern nicht wollen."

Was kann getan werden? In den letzten Monaten haben etliche Krankenversicherer gezeigt, dass ihnen an einer qualifizierten Versorgung für Kinder und Jugendliche gelegen ist. Sie zahlen zum Beispiel die seit Jahren zusätzlich empfohlenen Vorsorgen U 10 und U 11 für Kinder zwischen sieben und zehn Jahren und die zusätzliche Vorsorge für Jugendliche von 16 bis 17 Jahren, die J 2.

In Bayern hat die Koalition aus FDP und CSU aktuell eine sofortige Aussetzung des neuen Regelleistungsvolumens gefordert, sagt Renate Harnacke, auch die Kinder-und Jugendärzteschaft Mönchengladbachs wünscht sich, dass dieser Forderung in allen Bundesländern stattgegeben wird.

Quelle: RP

 
weitere Artikel
 
Links zu diesem Artikel
 

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
"Der ganz normale Basti"

Hückeswagen

"Der ganz normale Basti"

Im Interview mit unserer Redaktion spricht der 17-Jährige über seine Musik, seine Schulzeit ... mehr 

Ratingen

Navi-Diebe auf Reisen

Der Markt, auf dem gestohlene Navigationsgeräte (Navis) und Airbags unter der Hand verkauft ... mehr 

Video

Video

Grefrather Eisbahn wird zur Filmkulisse

Die Schlittschuhläufer laufen eine Runde nach der anderen. Auf der Außenbahn des Grefrather Eisstadions ist dieses Mal alles etwas anders . ... mehr 

Tragischer Unfall: 400 Schafe fallen auf Autobahn

Hunderte Schafe sind in der Nacht zu Freitag auf eine Straße in Melbourne gefallen, als ein Tiertransporter auf einer Brücke umkippte und ... mehr 

Aus der Nachbarschaft

Tippspiel

Wir suchen den EM-Experten

Deutschland Niederlande Jubel Özil Klose Müller 2011 dpa

Wer übersteht die Vorrunde? Wer schafft es bis ins Finale? Das EM-Tippspiel von RP Online gibt Ihnen die Gelegenheit, Ihr fußballerisches Know-How unter Beweis zu stellen. Die besten Tipper erwarten tolle Preise. Jetzt anmelden und mitmachen! mehr 

Meistgelesen

Borussia Mönchengladbach

Anderson und Rupp kehren zurück

Neue Namen werden viele gehandelt in diesen Tagen, wenn von möglichen Zugängen bei Borussia die Rede ist. Zunächst rücken jedoch zwei alte Bekannte wieder in den Fokus. VON Thomas Grulke  mehr

 

Notfall-Szenarien für Griechenland

Wird die neue Drachme schon gedruckt?

 
 

22-jährige Studentin stirbt bei Autounfall

Marina Keegans Tod bewegt das Netz

 

Klose vor der Nase, Dzeko im Nacken

Mario Gomez trifft – und schmollt

Meistkommentiert

Bluttat in Bonn

Videokamera filmt Messerstecher

Die Polizei kann bei ihren Ermittlungen im Fall der tödlichen Messerattacke auf einem Bonner Bahnsteig, bei der am Donnerstag ein 26 Jahre alter Mann getötet wurde, auf Bilder einer Überwachungskamera zurückgreifen. Von Christian Schwerdtfeger  mehr

Mehr nachrichten aus Mönchengladbach

Mönchengladbach

Letzte Probe fürs Nato-Musikfest

Im Borussia-Park kamen Freitag alle Musiker des NATO-Musikfests erstmals für die Generalprobe zusammen. Bei den Norwegern galt es, ein akustisches Problem zu lösen. Die Ungarn sorgten schon bei ihrer Anreise für Aufregung. Die Gruppen treten Samstag ... VON laura schameitaT  mehr

 

Mönchengladbach

Beerdigung ohne Pfarrer

Es wird immer schwieriger, für Beerdigungen einen Pfarrer zu finden. Deshalb müssen Trauernde zunehmend auf Laien als Begräbnishelfer zurückgreifen. Das akzeptieren nicht alle Angehörigen. VON inge schnettler  mehr

 
 
 
 
 
Anzeige:
Restaurant-Tipps für M. Gladbach


Bilder aus Mönchengladbach
 

RP ONLINE-Seminarreihe

So werden Sie bei Google gefunden

bornewasser.jpg

Unsere kompetenten Referenten zeigen Ihnen die Tricks der Suchmaschinen und sorgen dafür das Sie besser und schneller gefunden werden. mehr 

Familienanzeigen
TOP-SERVICES
Regio Extras