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Mönchengladbach: Keiner will Chemikant lernen

VON DIETER WEBER - zuletzt aktualisiert: 31.08.2007

Mönchengladbach (RPO). Schlechte Noten, unhöflich, zu viele Wünsche – rund 730 Jugendliche scheiterten bei der Jobsuche, weil sie nicht ausreichend qualifiziert sind. Deswegen bleiben zum Beispiel mehr als 50 Verkäufer-Stellen unbesetzt.

Die Ausbildung bei der Mönchengladbacher Arbeitsagentur ist weiblich. Das liegt aber nicht daran, dass junge Frauen nun in den Fokus der Vermittlung gerückt sind. Der Grund ist simpel: Alle Schlüsselstellen der Ausbildungsarbeit sind seit kurzer Zeit mit Frauen besetzt. Sabine Konczak-Frenz, Rina Chatterjee, Simone Stuhrmann und Claudia Kamper kümmern sich bei der Gladbacher Arbeitsagentur um Berufsberatung und junge Menschen, die auf Jobsuche sind.

Und davon gibt’s in Mönchengladbach reichlich: Obwohl das Ausbildungsjahr bereits Anfang August begonnen hat, suchen noch 730 Jugendliche eine Lehrstelle. Wenn’s nur nach den Zahlen ginge, könnte deren Zahl zwar gewaltig sinken, weil auch noch 350 Ausbildungsstellen nicht besetzt sind. Aber: „Meist passt es nicht zusammen. Die Jugendlichen bringen oft nicht das mit, was die Betriebe fordern“, sagt Rina Chatterjee.

Schülerzahlen sinken

Diese Klagen kommen seit Jahren. Nur langsam ändert sich etwas an der Grundausrichtung. Die Konjunktur hat zwar kräftig angezogen, und auch die Unternehmen verlangen verstärkt nach Fachkräften. Doch noch suchen mehr junge Menschen Lehrstellen, als Ausbildungsplätze angeboten werden. „Das ändert sich in den nächsten Jahren, wenn die Schülerzahlen sinken. Dann drängen weniger Jugendliche auf den Markt“, weiß Ingo Zielonkowsky, Geschäftsführer bei der Arbeitsagentur.

Noch sind es die üblichen Probleme, die von den Berufsberatern zu bewältigen sind. Und da heißt es vor allem: Wie macht man deckungsgleich, was oftmals nicht deckungsgleich zu machen ist. So sind zum Beispiel im Einzelhandel 51 Plätze für angehende Kaufleute unbesetzt. Aber: Für 138 junge Menschen ist dies die Wunsch-Ausbildung. Warum können also die Plätze nicht besetzt werden? „Das scheitert bei vielen an der schulischen Ausbildung. Die Unternehmen fordern die Fachoberschulreife und gute Noten. Auch kommt es häufiger vor, dass die Bewerber auch nicht das richtige Auftreten haben“, sagt Arbeitsagentur-Mitarbeiterin Sabine Konczak-Frenz.

Was hilft es also, wenn 37 Chemikanten-Azubis gesucht werden, aber keiner für diese Ausbildung in Frage kommt? Oder wenn noch 33 Stellen für Mechatroniker offen sind, aber nur sechs junge Menschen mit Interesse an diesem Ausbildungsgang noch nicht vermittelt sind? Dabei fallen die jungen Menschen durchs Raster, die beim hohen Ausbildungsstand keine Chance haben, die Anforderungen für einen Beruf überhaupt zu erfüllen.

Aber auch da gibt es inzwischen Alternativen: Wer zum Beispiel für die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker nicht in Frage kommt und trotzdem mit Autos zu tun haben will, kann Kfz-Servicefachkraft oder Fachlagerist werden. Berufsberaterin Konczak-Frenz: „Langsam stellt sich die Wirtschaft darauf ein und fragt diesen Leuten.“

Quelle: RP

 
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