Mönchengladbach: Kiffen immer gefährlicher
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 15.08.2008Mönchengladbach (RPO). Immer mehr Kinder und Jugendliche konsumieren Cannabis. Die Polizei warnt vor einer Verharmlosung der Droge: Der Wirkstoff eines Joints ist heute um ein Vielfaches höher als in den 70ern. Das steigert die Suchtgefahr.
Mindestens jeder dritte Jugendliche in der Stadt ist schon einmal in Kontakt mit illegalen Drogen gekommen. Davon geht Manfred Marks, Leiter des Kriminalkommissariats Rauschgift, fest aus. Hoch im Kurs bei jungen Leuten: Cannabis. Das Hanfgewächs ist auf dem Weg, eine Volksdroge zu werden. Die Zahl der Konsumenten wächst, und das Einstiegsalter sinkt. Was viele nicht wissen: Die Droge wurde im Laufe der Jahre immer gefährlicher.
Rauschzustand wird intensiver
„Mit den Joints, die Eltern vielleicht in den 70er Jahren geraucht haben, sind die heutigen nicht mehr zu vergleichen“, sagt der Erste Kriminalhauptkommissar. Das hängt mit dem berauschenden Wirkstoff Tetrahydrocannabinol, kurz THC, zusammen. „Früher lag der THC-Gehalt weit unter zehn Prozent, heute werden Spitzenwerte von 15 bis 20 Prozent erreicht“, weiß Marks. Entsprechend habe sich auch die Wirkung verändert. „Der Rauschzustand wird intensiver und die Nachwirkung auch“, warnt der Erste Kriminalhauptkommissar. „Wer regelmäßig Cannabis konsumiert, nimmt soziale Verwahrlosung, Persönlichkeitsveränderungen und Psychosen in Kauf“, sagt er. Von weicher Droge könne schon lange nicht nicht mehr gesprochen werden.
Aus der Polizeistatistik
Rauschgiftdelikte insgesamt 545 Fälle 2006, 574 in 2007
Cannabis 263 (2006), 293 (2007)
Amphetamine 12 (2006), 14 (2007)
Heroin 116 (2006), 92 (2007)
Handel mit Cannabis 278 (2006), 439 (2007)
Illegaler Anbau von Cannabis 4 (2006), 18 (2007)
Und ganz abgesehen davon: „Entgegen landläufiger Meinung ist der Besitz von Cannabis strafbar, auch in kleinen Mengen.“ Mit Marihuana und Haschisch lässt sich offenbar nach wie vor viel Geld verdienen. Denn der Handel mit Cannabis nimmt zu: In 2006 wurden in der Stadt 278 Drogendeals aufgedeckt, im vergangenen Jahr waren es 439. Um die Gewinnspannen im Haschisch-Geschäft zu maximieren, bauen „Profis“ Hanfsorten mit hohem THC-Gehalt an. Die Pflanzen wurden auf Effizienz gezüchtet, und die Anbauer sorgen mit Wärmelampen und Berieselungsanlagen für optimale Wachstumsbedingungen. „Die Pflanzen, die Jugendliche zu Hause heimlich in ihrem Schrank züchten, haben deutlich weniger Wirkstoffgehalt“, sagt Marks. Das Problem: Der Jugendliche, der sich mit Cannabis versorgt, weiß nicht, wie groß die Wirkung ist. „Dealer versprechen immer einen ,guten Stoff’“, weiß der Erste Kriminalhauptkommissar. Und der Konsument freue sich, wenn es ordentlich „dröhnt“.
Abhängen und zudröhnen statt Probleme zu lösen – viele Jugendliche versuchten mit Kiffen ihre Stimmungslage aufzuhellen, weil sie bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung keine Unterstützung bekommen, glaubt Marks. Dass sich die Suchtgefahr beim Kiffen radikal erhöht hat, scheint vielen Eltern aber nicht klar zu sein. Cannabis werde weiterhin verharmlost. „Ich hatte hier schon einen 14-jährigen Konsumenten zur Vernehmung, der ohne Vater und Mutter, dafür aber mit Anwalt kam“, berichtet Marks. Die Eltern hatten offensichtlich kein Interesse am Problem ihres Kindes.
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