Mönchengladbach: Kinder denken um die Ecke
VON JAN SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 03.02.2010 - 15:58Mönchengladbach (RPO). Bei einem landesweiten Mathematikwettbewerb rechneten am Mittwoch 106 Gladbacher Grundschüler in der Astrid-Lindgren-Grundschule
um die Wette. Die Aufgaben waren nicht von Pappe - aber die Kinder waren bestens auf die Herausforderungen vorbereitet.Katrin ohne ‘h‘ kaut auf ihrem Bleistift herum, während ihre Freundin, Kathrin mit ‘h‘, hinter ihr aufgeregt auf- und abwippt. Um sie herum nesteln Dritt- und Viertklässler aus zehn Gladbacher Grundschulen an ihren Federmäppchen herum, rücken noch einmal die Geodreiecke zurecht, stellen nervös letzte Fragen. Wie lange haben wir Zeit? Gibt es Schmierpapier? Und vor allem: Geht es jetzt endlich los?
106 Kinder aus ganz Gladbach und Umgebung trafen sich am Mittwoch in der Odenkirchener Astrid-Lindgren-Schule, um dort an der zweiten Runde des landesweiten Mathematikwettbewerbs für Viertklässler teilzunehmen. „Die erste Runde organisieren die Schulen, die teilnehmen wollen, selbst”, sagt Christina Mohren, Lehrerin an der Lindgren-Schule, die den Wettbewerb für Gladbach bereits seit neun Jahren koordiniert. „Die zweite, die hier stattfindet, ist dann schon ein echtes Erlebnis für die Kinder.”
Die besten Rechenkünstler aus der Umgebung nehmen dann am 17. April in Korschenbroich an der dritten Runde teil. „Und die Landesbesten werden vor den Sommerferien in Dortmund geehrt”, sagt Mohren.
Bis dahin ist es für die beiden Kat(h)rins aus der 3b der Lindgren-Schule aber noch ein weiter Weg. Doch schon vorher, als barfüßiges Geraschel die Turnhalle erfüllt und die Kinder auf vier zusammengewürfelte Klassen verteilt werden, strotzen die beiden nur so vor Selbstbewusstsein. Das diffuse „Jein” aus 106 Kinderkehlen, das erklingt, als Christina Mohren die Frage in die Runde wirft, ob Mathe denn auch das Lieblingsfach aller Anwesenden sein, bringt die beiden nicht aus der Ruhe.
Und auch als plötzlich unbekannte Kinder von anderen Schulen als Sitznachbarn ausgewählt werden, um die Hemmschwelle fürs Abschreiben höher zu legen, sinkt der Mut der achtjährigen Mädchen nicht. Katrin sitzt neben Johanna (9) von der Gemeinschaftsgrundschule Oberkrüchten.
Dann werden endlich die Blätter mit den Aufgaben verteilt. „Es geht dabei darum, sich mal richtig den Kopf zu zerbrechen und um die Ecke zu denken”, sagt Mohren. Und das ist nicht untertrieben: Die fünf Textaufgaben weisen ein Kaliber auf, das auch manchen Erwachsenen ins Schwitzen bringen dürften. Da schätzen etwa vier Kinder das Alter ihrer Lehrerin und liegen dabei um schlappe 15 Jahre auseinander. Dazu nur der Hinweis, das ein Kind um ein Jahr, eines um drei, eines um sechs und eines um neun Jahre daneben getippt hat. „An manche Aufgaben kann man systematisch herangehen, bei anderen muss man einfach probieren”, sagt Mohren.
Die Beiden aus der 3b jedoch legen sich sofort ins Zeug sie sind von ihren Lehrern seit der ersten Klasse zu logischem und räumlichem Denken sowie Kombinationsgabe erzogen worden. „Wir haben schon lange vor der ersten Pisa-Erhebung damit angefangen”, sagt Mohren. An der Geschicktheit der Kinder im Umgang mit Mathe lasse sich ablesen, wie sehr sich Unterricht im vergangenen Jahrzehnt verändert hat. „Die Aufgaben sind nicht zufällig von Jahr zu Jahr schwerer geworden.”
Ob Katrin und Kathrin die Aufgaben richtig bewältigt und auch den Rechenweg überzeugend dargestellt haben, zeigt sich jedoch erst in einigen Wochen. Denn die Koordinationsstelle in Dortmund legt erst nach Auswertung aller Prüfungsbogen die Punktzahl fest, die fürs Erreichen der Finalrunde benötigt wird. Preise gibt es nicht zu gewinnen „der Weg ist das Ziel”, sagt Mohren.
Allerdings sei die Kürung der Landesbesten in Dortmund mit einer „aufregenden Feierstunde” verbunden, die den Schweiß, der gestern auf mancher Kinderstirn zu sehen war, auf jeden Fall wert sei.
Den landesweiten Mathematikwettbewerb gibt es seit 1998. Er wird von einer Dortmunder Grundschulleiterin im Auftrag des Ministeriums für Schule und Weiterbildung organisiert.
Vergangenes Schuljahr nahmen rund 46 000 Kinder aus ganz NRW an dem Mathe-Wettbewerb teil. Er ist für Viertklässler angelegt, jüngere Kinder dürfen aber auch teilnehmen erhalten aber keine Sonderbedingungen.
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