Mönchengladbach: Kinder in Gefahr
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 31.07.2010Mönchengladbach (RPO). 212 Kinder und Jugendliche musste das Jugendamt im vergangenen Jahr aus Elternhäusern herausnehmen, weil sie akut gefährdet waren. In den Familien nehmen Vernachlässigung, Verwahrlosung und Misshandlungen zu.
Sie wachsen zwischen Müllbergen und Essensresten auf, gehen nur selten zur Schule, haben noch nie gemeinsam mit den Eltern am Tisch zu Abend gegessen und werden im schlimmsten Fall körperlich misshandelt. 212 Kinder und Jugendliche mussten im vergangenen Jahr vom Jugendamt in Obhut genommen werden, weil sie akut gefährdet waren. "Und das sind nur die Fälle, bei denen es so schlimm war, dass die Sozialarbeiter oder Polizisten gesagt haben: Hier muss sofort etwas geschehen. Das geht keinen einzigen Tag länger gut", berichtet Jugendamtsleiter Reinhold Steins.
Seit Jahren steigende Zahlen
Seit Jahren steigen die Zahlen der Familien, in denen es Erziehungsdefizite gibt. Rund 2700 Kinder und Jugendliche müssen mittlerweile Unterstützung vom Jugendamt bekommen. Die Maßnahmen sind unterschiedlich. Sie reichen von der Hausaufgabenbetreuung über Elternberatungsgespräche bis zur Unterbringung im Heim. Für die Stadt ist das ein riesiger Kostenfaktor. 48 Millionen Euro gab sie im vergangenen Jahr für Hilfen zur Erziehung aus, weil Eltern mit ihren Kinder einfach nicht mehr zurecht kommen. Tendenz steigend. "Trotz allgemein rückläufiger Geburtenzahlen steigt die Zahl der vernachlässigten Kinder", sagt Steins. Der Jugendamtsleiter sagt es deutlich: "Es werden einfach viele Kinder in Familien geboren, in die eigentlich besser keine gehörten." Der häufigste Grund, weshalb Kinder aus den Familien genommen werden, sind Überforderung der Eltern und Beziehungsprobleme, nicht selten gepaart mit handgreiflichen Auseinandersetzungen. Wenn Eltern Argumente fehlen und Kinder nicht gelernt haben, zuzuhören, wird aus Verzweiflung oft gebrüllt und geschlagen.
Pflegeeltern gesucht
Plätze 27 Plätze in der Bereitschaftspflege und 360 Plätze bei Pflegefamilien.
Bitte melden Die Stadt Mönchengladbach sucht noch dringend weitere geeignete Familien, die bereit sind, Pflegekinder aufzunehmen.
Von den 212 akut gefährdeten Kindern und Jugendlichen waren 88 unter 14 Jahre, 124 zwischen 14 und 17 Jahre. Für den Jugendamtsleiter muss die Hilfe in Familien mit Erziehungsdefiziten so früh wie möglich beginnen. Kurz vor der Volljährigkeit lasse sich Versäumtes kaum noch aufholen. Wie Steins erklärt, gehöre zur Prävention, dass Kinder aus möglicherweise gefährdeten Familien sehr früh in den Kindergarten kommen, um schon im jungen Alter feste Tages- und Erziehungsstrukturen sowie einen intakten Sozialraum erfahren zu können.
Zur Prävention hat die Stadt Mönchengladbach ein Frühwarnsystem entwickelt. Dabei spielen unter anderem Krankenhausärzte eine wichtige Rolle. Denn schon bei der Geburt kann es erste Alarmzeichen geben. Zum Beispiel wenn die minderjährige Mutter ohne familiären Rückhalt sichtlich überfordert ist. Denn auch das kommt in der Stadt immer häufiger vor: Mädchen unter 18 Jahren, die schwanger werden. "Zugenommen haben auch die Mutter-Kind-Unterbringungen", sagt Steins. Auch diese Maßnahme zählt zu den Vorsorgemaßnahmen.
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