Mönchengladbach: Kino im Körper einer Katze
VON SARAH DICKMANN - zuletzt aktualisiert: 15.03.2007Mönchengladbach (RPO). Spezialbrille auf und los geht’s: Ab heute können Kinobesucher im Comet Cine Center Filme im 3-D-Format sehen. RP-Redaktionsmitglied Sarah Dickmann durfte bereits vorab einen Kurzfilm schauen – ein intensives Erlebnis.
Kino 3, letzte Reihe, ganz allein. Die Finger krallen sich vor Schreck um die Armlehnen, immer tiefer rutsche ich in den Sitz. Am liebsten möchte ich die Augen abwenden und kann es doch nicht. Gruselig, aber auch zu faszinierend ist das, was sich auf der Leinwand vor mir abspielt. Skelette erheben sich aus ihren Gräbern, eine gelbäugige Hyäne greift mich an, eine handtellergroße Spinne baumelt vor meinen Augen, bevor ein grauenvoll fiepsender Schwarm Fledermäuse mein Gesicht zu streifen scheint. Ein digitaler Projektor macht ein ganz besonderes Seherlebnis möglich: Filme gucken im 3-D-Format. Alles, was der Kinobesucher dafür tun muss: Spezialbrille aufsetzen und rein in den Kinosessel.
Seltsames Getier
Im Kurzfilm „Haunted House“, den Kinobetreiber Hans-Jürgen Brandtner die RP-Reporterin vorab schauen lässt, sieht der Zuschauer die Welt durch die Augen einer Katze. Er springt in ihrem Körper über Dachrinnen, tapert durch ein Geisterhaus, begegnet allerlei seltsamem Getier und flüchtet vor lebendigen Puppen mit starrem Blick. Eine Batterie an der Brille und ein Sender im Kinosaal sorgen dafür, dass die Brillengläser dabei wechselweise verdunkelt werden – so schnell, dass der Besucher davon nichts mitbekommt.
„3-D-Filme werden in zwei verschiedenen Perspektiven aufgenommen, von denen jedes Auge nur eine sehen kann“, erklärt Brandtner. „Das Gehirn setzt sie dann zu einem dreidimensionalen Bild zusammen.“ Der Kinoinhaber selbst ist begeistert. Vorbei die Zeit, als auf Jahrmärkten oder in Vergnügungspark einzelne 3-D-Filme in mäßiger Qualität zu sehen waren. Stattdessen kommen hohe Auflösung, einwandfreie Tontechnik und das Gefühl, das Geschehen auf der Leinwand hautnah mitzuerleben. „Mit dieser Technik präsentieren wir den Zuschauern etwas ganz Neues“, sagt Brandtner.
Neues, das er sich einiges hat kosten lassen: 150 000 Euro kostete der Umbau jedes einzelnen der drei Säle, in denen nun 3-D-Filme und darüber hinaus Digitalfilme zu sehen sind. „Das Comet Cine Center möchte vorn mitmischen, und die Zukunft geht in Richtung 3 D.“ Dass künftig alle Filme auf diese Weise ausgestrahlt werden, glaubt der 50-Jährige zwar nicht, „aber zur Zeit wird Star Wars in 3 D produziert, auch Steven Spielberg plant etwas.“ Am 29. März kommt der erste dreidimensionale Disney-Film in das Gladbacher Kino: „Meet the Robinsons“.
Nun hofft Hans-Jürgen Brandtner, mit den umgerüsteten Kinosälen möglichst viele Besucher anlocken zu können. Brillen liegen zuhauf bereit: „Wir können zwei ausverkaufte Säle ausstatten.“ Wie die Zuschauer die neue Technik annehmen und sich etwa nach einem ganzen Spielfilm mit Spezialbrille fühlen, möchte der Inhaber in einer zweiwöchigen Testphase ausprobieren. „Fest steht: Ein solches Filmerlebnis können Fernseher, Video und DVD nicht bieten.“
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







