Mönchengladbach: Kirche darf kein Reihenhaus sein
VON DIETER WEBER - zuletzt aktualisiert: 08.02.2010Mönchengladbach (RPO). Ein Gebäude zwischen Hauptkirche und Rathaus? Das lehnen viele Rheydter ab. Auch Pfarrer Olaf Nöller gewinnt dieser Lösung nur wenig ab. Als so genannter Frequenzbringer soll der Neubau nach dem Willen der Planer für mehr Leben auf dem Rheydter Marktplatz sorgen.
Es war eine Bemerkung, die am Rande einer Bürgerinformation zur Neugestaltung des Rheydter Marktplatzes für Aufregung sorgte. Er könne sich vorstellen, sagte der städtische Chefplaner Jürgen Beckmann, dass ein privater Investor ein Gebäude zwischen evangelischer Hauptkirche und Rathaus baut und hier ein Café betreibt. Da war es raus, was viele Rheydter befürchten – und ablehnen. Zu den Gegnern gehört Pfarrer Olaf Nöller. Er sorgt sich, dass die Kirche ihr architektonisches Alleinstellungsmerkmal verliert, wenn das von Kirchen-Architekt Prof. Johannes Otzen einst bewusst frei gestellte Gotteshaus nur noch als eines von mehreren Gebäuden wahrgenommen wird. "Die Kirche darf nicht wie ein Reihenhaus wirken", sagt der Pfarrer.
Das ist geplant
Beseitigung der Pavillions
Untergliederung der heute optisch viel zu großen Fläche
Veränderung des trostlosen Straßen- und Platzbelages durch ein Natursteinpflaster
Deckelung der übergroßen Tiefgarageneinfahrt
Nöller ist Rheydter und befasst sich seit 35 Jahren mit der Hauptkirche und dem Marktplatz, erlebte und erforschte seine Geschichte und war gemeinsam mit Pfarrer Stephan Dedring maßgeblich als Geistlicher der evangelischen Gemeinde Rheydt daran beteiligt, dass seine Taufkirche in den letzten 15 Jahren erneuert und renoviert wurde. Als 17-jähriger Gymnasiast hat er bereits seine Verbundenheit zur Hauptkirche demonstriert, als er ein maßstabsgetreues Modell des markanten Gebäudes bastelte. Nöller hat die historische Bedeutung der Kirche für Rheydt und für die evangelische Gemeinde in Aufsätzen beschrieben. Er sammelt Postkarten und alte Fotos, die einen Eindruck darüber vermitteln, wie sich Marktplatz und Hauptkirche zueinander entwickelten und welche Symbiose sie dabei eingingen.
Diese könnte gestört werden, wenn ein Plan irgendwann aus der Schublade gezogen würde, der als B-Entwurf derzeit nicht verfolgt wird. Die sechs Teilnehmer des städtebaulichen Wettbewerbs und damit auch der Sieger "Planorama", die Ideen für einen neuen Marktplatz kreierten, mussten in einer abgewandelten Fassung auch ein Gebäude zwischen Rathaus und Kirche einzeichnen. Prof. Kunibert Wachten, der das Innenstadtkonzept für Rheydt entwickelte und dabei in der anderthalbjährigen Planung Bürger, Geschäftsleute, Verbände und die Kirchengemeinde einbezog, hat einen so genannten Frequenzbringer vorgeschlagen: In diesem Fall wäre es ein Gebäude, das von vielen Menschen besucht wird, die über den Marktplatz laufen und ihn mit Leben erfüllen. Ob dieses Gebäude, das zum Beispiel Volkshoch- und Musikschule sowie der Kirche Räume bieten könnte, jemals gebaut wird, steht in den Sternen. Die Stadt hat dafür kein Geld, es könnte am Ende ein privater Investor sein.
Und darin steckt die Gefahr, die Nöller und mit ihm viele Rheydter sehen. Denn ein Bauherr, der wirtschaftliche Interessen verfolgt, will Gewinn machen. "Ich kann mich ja mit einem transparenten Gebäude anfreunden, das architektonisch sehr behutsam in das Ensemble integriert wird. Aber es darf auf keinen Fall wuchtig und dominierend wirken", sagt Nöller. Er schlägt sogar gläserne Markthallen vor, die es in der Geschichte des Marktplatzes einst an diesem Ort gab. Und er empfiehlt der Stadt, ihre Tochter Kreisbau mit dem Bau zu beauftragen, sollte es hier ein Gebäude für VHS oder ein Café geben.
Nach seiner Meinung verkennen die Planer, dass die Hauptkirche selbst ein wichtiger Frequenzbringer ist. Sie ist nicht nur Gotteshaus, sondern inzwischen ein Ort für zahlreiche kulturelle Aktivitäten. Deshalb fordert er bei der Marktplatzgestaltung die besondere Stellung der Hauptkirche eher zu betonen: Sie sollte zum Beispiel eine großzügige Treppe bekommen, für das Hauptportal sei ein Vorplatz wünschenswert. "Bei Festgottesdiensten, Trauungen und Konzerten versammeln sich dort größere Menschenmengen, was stadtplanerisch bislang noch nicht berücksichtigt wurde", sagt Nöller. Und er besteht darauf, dass die Kirche weiterhin von einer Grünfläche mit altem Baubestand umgeben bleibt: "Kirchen-Architekt Otzen stellte seine Bauten bevorzugt in parkähnliche Grünanlagen. Das ist der beste Schutz vor Vandalismus."
Dem Entwurf des Wettbewerbssiegers "Planorama" gewinnt Nöller sehr viel Positives ab. Die jetzt durch eine veränderte Förderung notwendige Einbeziehung sozialer Elemente, sieht er indes kritisch: "Der Marktplatz darf nicht zum Spielplatz werden." Nur eines vermisst er bei allen Planungen und Diskussionen: Es fehlt eine Toilettenanlage.
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