Mönchengladbach: Kirche wird Kletterhalle
VON INGE SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 24.03.2009Mönchengladbach (RPO). In der Pfarrkirche St. Peter Waldhausen, die seit zwei Jahren geschlossenist, soll demnächst geklettert werden. Diese Idee stellt der Kirchenvorstand am Donnerstag vor. Das Bistum hat schon grünes Licht signalisiert.
Monatelang haben sie hinter verschlossenen Türen beratschlagt, Ideen entwickelt, diskutiert und verworfen. Jetzt scheint der Kirchenvorstand eine Lösung gefunden zu haben. In der seit fast zwei Jahren geschlossenen Pfarrkirche St. Peter an der Nicodemstraße/Waldnieler Straße in Waldhausen soll eine Kletterhalle entstehen. Die Weichen sind gestellt, das Bistum hat bereits Zustimmung signalisiert, am Donnerstagabend sollen die Waldhausener Bürger informiert werden. "Wir hatten beschlossen, bis dahin noch nichts nach außen dringen zu lassen", sagt Gerd Lamers vom Pfarrgemeinderat. "Schade, dass sich nicht alle an die vereinbarte Geheimhaltung gehalten haben." Offenbar ist die Angst der Pfarrverantwortlichen groß, dass ihre Idee auf Ablehnung stoßen könnte.
Verbale Attacken zum Abschied
Die Sorge scheint begründet. Immerhin haben die Waldhausener schon einmal laut und heftig protestiert – damals, als St. Peter mit St. Anna Windberg fusionieren musste. In der Abschiedsmesse in St. Peter am 1. Juli 2007 war es zum Eklat gekommen, als einige erboste Waldhausener Weihbischof Karl Reger verbal attackierten. Aber da war der Zug bereits abgefahren. Die Kirche St. Peter wurde abgeschlossen, die beiden Pfarreien laufen seitdem unter dem gemeinsamen Namen St. Anna Waldhausen-Windberg.
In der Folge hatten die Waldhausener immer gehofft, dass ihr Gotteshaus, das der Wiener Architekt Clemens Holzmeister 1932/33 errichtete, irgendwann einmal in würdiger Form umgewidmet werden könnte. Über eine Konzerthalle oder einen Raum für Ausstellungen und andere kulturelle Veranstaltungen wurde gesprochen.
Jetzt kommt es anders. St. Peter wird Kletterkirche. Wie die allerdings im Detail aussehen wird, darüber mochte sich gestern niemand äußern. Sicher ist aber, dass in eine solche Sporthalle nicht nur entsprechende Kletterwände und Vorrichtungen gehören, sondern auch Umkleideräume, sanitäre Anlagen und eine Gastronomie. "Wir möchten, dass in St. Peter ein offenes Haus für alle entsteht – nicht nur für Klettermaxe", sagte gestern Gerd Lamers.
Um die ehemalige Pfarrkirche St. Peter zunächst entwidmen und dann in eine Kletterhalle umwandeln zu können, muss der Kirchenvorstand einen Antrag an das Bistum Aachen stellen. "Das Bistum wird das Gesuch unter kirchenrechtlichen Gesichtpunkten prüfen und entscheiden", sagte gestern Pressesprecher Franz Kretschmann auf Anfrage. "Wenn das Konzept des Kirchenvorstandes schlüssig ist, wird es wohl keine grundsätzlichen Bedenken geben."
Lammkeule im Thymianbett gibt es in St. Immanuel Magdeburg, zur After Work Party wird in die Bielefelder Martini-Kirche eingeladen, im gotischen Kreuzherrenkloster zu Maastricht wird der Gast in Fünf-Sterne-Zimmern verwöhnt, in der Kirche St. Bernadet im niederländischen Helmond ist ein Supermarkt eingezogen, und in der Berliner Eliaskirche können Kinder sich im Labyrinth verirren. In den katholischen und evangelischen Gotteshäusern wird längst nicht mehr nur gebetet, getauft und geheiratet. Es wird gegessen, eingekauft, getanzt und geschlafen. Und Sport getrieben. Eine Skaterhalle gibt es in der Tilburger Kirche, und eine Kletterhalle in der katholischen Kirche St. Joseph, Amsterdam.
Auch in Mönchengladbach sind bereits Gotteshäuser umgewidmet worden. Die evangelische Friedenskirche an der Rheydter Hauptkirche musste 1998 geschlossen werden. Die Kreisbau errichtete in dem sakralen Gebäude Sozialwohnungen, die seit 2001 bewohnt sind. In der Kirche St. George im Nordpark befindet sich das Restaurant Palace St. George mit Hotel. Die Gemeinde St. Hermann Josef Speick hat ihre Kirche an der Karstraße an die Griechisch-Orthodoxe Gemeinde verkauft. Beide Gemeinden nutzen das Gebäude im Wechsel. Am Pfingstsonntag 2006 war der letzte Gottesdienst im Haus der evangelischen Kirchengemeinde Mülfort. Das Gemeindezentrum steht seitdem zum Verkauf. Offenbar hat aber niemand Interesse an dem Gebäude an der Giesenkirchener Straße.
Ende 2006 wurde bekannt, dass St. Johannes an der Urffstraße der Gemeinde Herz Jesu Pongs beitritt. Die Fusion wurde zum 1. Januar 2007 vollzogen. Etwa zur gleichen Zeit schlossen sich Herz Jesu Pesch, St. Bonifatius Hardterbroich und St. Josef Hermges zusammen. Die Pfarrkirche Herz Jesu wurde geschlossen. Am 30. Juni 2007 feierte die Gemeinde St. Peter Waldhausen ihre Abschiedsmesse. Seitdem geht sie gemeinsame Wege mit St. Anna Windberg.
Aber jetzt soll St. Peter wiederbelebt werden. Mit einer Kletterhalle will der Kirchenvorstand St. Anna Waldhausen-Windberg die Menschen wieder in die Kirche an der Nicodemstraße locken. Ein Treffpunkt soll die Kirche werden, ein Ort der Kommunikation. Ein Akt gegen den Verfall und die Leere. Derzeit verursacht das Gotteshaus allenfalls Kosten, denn sie unbeheizt verkommen zu lassen, wäre weiß Gott Frevel.
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