Mönchengladbach: Kletterpartie in den Glockenturm
VON SEBASTIAN DALKOWSKI - zuletzt aktualisiert: 27.07.2010Mönchengladbach (RPO). Hoch hinaus ging es gestern Mittag in der Münsterbasilika: Knapp eine Stunde führte Propst Albert Damblon ein Dutzend Leser durch die Kirche. Im Mittelpunkt stand das Glockengeläut im Westturm. Das wird heute nicht mehr von Hand geläutet, sondern mit Strom betrieben.
Rainer Helpenstein und sein 12-jähriger Sohn Frederic haben ja schon einige Kirchen gesehen – aber dieser Anblick ist auch für sie einmalig: Sie stehen vor den zehn Glocken des Mönchengladbacher Münsters im Turm. Zehn Glocken – das sind mehr, als der Aachener und der Kölner Dom haben, berichtet Albert Damblon, Propst der Münsterbasilika.
Der frühere Regionaldekan übernahm die Führung beim gestrigen Rundgang durch den Münster, der zur Aktion "Gladbach mal anders" gehört und an dem ein Dutzend Leser teilnahmen. Hoch hinaus sollte es gehen, doch seine Führung begann Damblon auf dem Boden der Tatsachen im Mittelschiff. Dort berichtete er kurz von der Entstehung der Kirche. Mönche errichteten dort Ende des 10. Jahrhunderts eine Abtei, der Bau des Münster zog sich über mehrere Jahrhunderte. Erst 1275 wurde es durch Albertus Magnus geweiht.
Beteiligt am Bau war auch Meister Gerhard, erster Baumeister des Kölner Domes. "Die Mönche wollten nur das Beste und verschuldeten sich stark", berichtete Damblon. Doch stand die Kirche im ständigen Wandel, nach der Säkularisierung durch Napoleon drohte sogar der Abriss, im Zweiten Weltkrieg wurde das Münster bis auf die beiden Außenmauern zerstört. Der 1947 gegründete Münster-Bauverein schaffte es, mit Hilfe des Landes, der Stadt und des Bistums Aachen, das Wahrzeichen wieder aufzubauen.
Nach diesen Erläuterungen zeigte Damblon den Besuchern die älteste Glocke Gladbachs. Diese wurde 1693 gegossen, im Zweiten Weltkrieg eingesammelt und tauchte danach im Franziskanerorden in Euskirchen auf. Heute ist sie nicht mehr im Betrieb. Im Gegensatz zu den zehn Glocken im Turm. Diese aber werden nicht mehr von Hand geläutet, sondern über einen Sicherungskasten gesteuert, wie Damblon sogleich bewies, indem er die Schalter umlegte.
Dann ging es endlich aufwärts. Zunächst zur ehemaligen Abtskapelle in der "ersten Etage", in der heute der Chor singt und die Orgel steht. Früher wohnte dort der Abt dem Gottesdienst bei. Doch noch höher führte Damblon die Besucher. Nach weiteren Treppenstufen ging es zunächst auf einer Holzkonstruktion über die Gewölbe und schließlich über eine steile Treppe in den Glockenturm – natürlich erst, nachdem es dort um 12 Uhr mittags kräftig geläutet hatte. "Alle Glocken zusammen wiegen 12 Tonnen", sagte Damblon, "vor dem Zweiten Weltkrieg waren es allerdings nur drei Glocken. Diese wurden im Krieg zerstört und danach durch neue ersetzt." Diese Glocken läuten nicht einfach zufällig, zusammen spielen sie das Kirchenlied "Nun bitten wir den Heiligen Geist."
Nachdem Damblon mit den Besuchern wieder ins "Erdgeschoss" der Kirche zurückgekehrt war, stellte er noch einmal alle Glocken an – ausnahmsweise. Denn normalerweise läuten alle gleichzeitig nur bei Hochfesten oder um Samstagnachmittag den Sonntag anzukündigen.
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