Mönchengladbach: Klinik-Panne nach Schlaganfall
VON DIRK RICHERDT - zuletzt aktualisiert: 29.11.2007Mönchengladbach (RPO). Dramatisch verliefen die Rettungsaktionen für einen 56-jährigen Wanloer. Nach seinem Schlaganfall hatte sein Hausarzt große Probleme, den Notfallpatienten in einem Mönchengladbacher Krankenhaus unterzubringen.
Dienstagmorgen bekam Brigitte Helpenstein einen Anruf ihres Bruders. Der 56-jährige Hermann-Josef van der Varst teilte mit, er fühle sich sehr schlecht, sein linkes Bein sei taub. Die Odenkirchenerin setzte sich ins Auto und brachte mit einem Nachbarn den Bruder zu dessen Hausarzt in Erkelenz. „Der Patient hatte links eine halbseitige inkomplette Lähmung erlitten“, beschrieb gestern Allgemeinmediziner Dr. Stefan Ritter seinen Erstbefund. Ritter versuchte, van der Varst in zwei Mönchengladbacher Kliniken unterzubringen. Ohne Erfolg.
Da die Symptome auf einen Schlaganfall deuteten, so Ritter, habe er zuerst im Maria-Hilf-Krankenhaus angerufen. Schließlich betreiben die Kliniken eine anerkannt leistungsfähige Intensivstation für Schlaganfall-Patienten, die „Stroke Unit“. Was dann geschah, darüber gibt es unterschiedliche Darstellungen. „Die Notfallaufnahme von Maria Hilf riet mir, den Patienten zunächst zu einem niedergelassenen Radiologen zu bringen, wo er per Computer-Tomographie (CT) untersucht werden solle“, erzählt der fassungslose Dr. Ritter. Begründung: Am Maria Hilf sei soeben ein CT-Gerät demontiert worden, daher könne dort die notwendige diagnostische Untersuchung derzeit nicht erfolgen.
Stroke Unit Maria Hilf
Schlaganfall-Überwachungsstation 24-stündiges Monitoring von Blutdruck, Herzfrequenz, Sauerstoff, Atmung und Temperatur; 24-Stunden-Ultraschall-Diagnostik; 24-Stunden-Laborbereitschaft; 24-Stunden-Verfügbarkeit von Kardiologen, Radiologen und Gefäßchirurgen
Schlaganfallteam Neurologin/Neurologe; Neuroradiologe, Kardiologe, Gefäßchirurg.
Chefarzt Professor Dr. Jean Haan
„Schlaganfall – ein Notfall“
Der verblüffte Hausarzt rief darauf im Rheydter Elisabeth-Krankenhaus an. Auch hier: Fehlanzeige. Ritter: „Die Notärztin erklärte mir, es seien keine Betten frei.“ Nun ist es eine Binsenweisheit, dass es bei einem Schlaganfall auf rasches Handeln ankommt. Unlängst ließ die Stadt Mönchengladbach im Stadtbild Großplakate mit dem Aufdruck: „Schlaganfall – ein Notfall!“ kleben.
Also wartete Dr. Ritter nicht ab und konnte van der Varst beim dritten Versuch ins Krankenhaus von Immerath einweisen. Dessen Chefarzt habe inzwischen bestätigt, dass der Wanloer, Karnevalsfreunden als Präsident der KG „Wanloer Ströpp“ bekannt, tatsächlich einen Schlaganfall hatte.
Gegen die Vorwürfe, die Kliniken hätten die Aufnahme eines Notfallpatienten abgelehnt, wehrt sich Prof. Dr. Jean Haan vom Maria Hilf. „Wir haben keineswegs die Aufnahme verweigert, sondern nur empfohlen, die CT woanders machen zu lassen“, erklärte der Chefarzt der Stroke Unit. Denn am Maria Hilf werde zurzeit das CT abgebaut. Andererseits, so Haan: „Gestern haben wir sieben Schlaganfall-Patienten aufgenommen, da wäre es auf einen mehr auch nicht angekommen. Wir sind voll einsatzfähig“, versicherte Haan.
Maria-Hilf-Geschäftsführer Joachim Püllen sagte zu dem Vorgang: „Ich möchte nicht ausschließen, dass eine Mitarbeiterin am Telefon den Sachverhalt falsch kommuniziert hat.“ Er bestätigte, das Krankenhaus an der Sandradstraße sei momentan dabei, eine CT-Einheit auszutauschen. „Bis das neu angeschaffte Gerät installiert und funktionsfähig ist, können einige Tage vergehen“, sagte Püllen. „Aber wir haben für eine Auffang-Lösung gesorgt. Patienten werden vorübergehend zur Untersuchung ins Franziskushaus gebracht, wo wir zwei leistungsfähige CTs haben.“
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