Mönchengladbach: Kliniken droht der Kollaps
VON RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 19.11.2008Mönchengladbach (RPO). Eine Schwester für 55 Patienten und völlig überlastete Krankenpfleger – das gibt es schon heute. Greifen die neuen Sparpläne, müssen die Gladbacher Kliniken mit noch weniger Personal auskommen. Das hätte drastische Folgen.
Wie bedrohlich die Situation in den Krankenhäusern ist, wie grundsätzlich die Not und wie groß die Sorge, zeigte sich gestern allein an der Zusammensetzung der Runde. Da saßen nicht nur einmütig die Geschäftsführer einiger großer Krankenhäusern, ganz unabhängig ob konfessionell oder städtisch geführt. Sie hatten auch ihre Arbeitnehmervertreter mitgebracht. Und alle waren sich einig. „Jetzt geht es an die medizinische Qualität“, wie es Gerd Lehmann, Betriebsratsvorsitzender des Neusser Lukaskrankenhauses formulierte.
Das lässt sich ganz nüchtern an Zahlen ausdrücken. Joachim Püllen, Vorsitzender des Krankenhausverbandes Mittlerer Niederrhein und Geschäftsführer der Kliniken Maria Hilf, rechnete vor: Wird der jüngste Vorschlag der Krankenkassen umgesetzt, fehlen den rund 2300 Krankenhäusern fünf Milliarden Euro. Für die Kliniken Maria Hilf würde dies bedeuten: 50 Ärzte oder knapp 70 Pfleger einzusparen. „Und das bedeutet dann eben: Man klingelt, und es kommt erst mal keine Schwester“, so Püllen.
Schon die letzten Einsparwellen hätten vor allem das Pflegepersonal betroffen, sagt Püllen. Monika Müller, Betriebsrätin vom Elisabeth-Hospital in Meerbusch-Lank berichtet: „In extremen Fällen ist eine Krankenschwester für 55 Patienten da. Und die hat dann auch schon den elften Tag am Stück Dienst.“ Peter Pöhnl, Arbeitnehmervertreter der Kliniken Maria Hilf, verweist darauf, dass immer mehr Mitarbeiter vorzeitig in den Ruhestand gehen. „Die können einfach nicht mehr“, so Pöhnl.
Zwischen acht und neun Prozent mehr Lohn bekommen die Angestellten ab diesem Jahr. „Und das ist eigentlich noch viel zu wenig“, gibt Klinik-Geschäftsführer Püllen zu. Schließlich habe es zuvor vier Nullrunden geben. Die Tariferhöhung gleiche über die Jahre so gerade die Inflation aus. Betriebsrat Gerd Lehmann berichtet über wachsende Unruhe in der Belegschaft. Die Nachricht, dass der Bund Opel eine Bürgschaft über eine Milliarde Euro geben wolle, sei einer Krankenschwester nicht zu vermitteln.
Prävention und medizinischer Fortschritt sorgen dafür, dass die Menschen immer älter werden. Die Gesellschaft müsse sich zwei Fragen stellen: „Wollen wir diese Menschen vernünftig behandeln? Und sollen diejenigen, die das tun, vernünftig bezahlt werden?“ Sein Kollege Walter Schiller, Vize-Geschäftsführer des Bethesda-Krankenhauses, sieht die Politiker in der Pflicht. „Doch seit Jahren drücken sie sich vor ihrer Verantwortung, und damit letztlich vor der Bevölkerung.“
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