Mönchengladbach: Koch wärmt die CDU-Anhänger
VON ANDREAS GRUHN UND RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 03.05.2010 - 22:42Mönchengladbach (RPO). Der hessische Ministerpräsident Roland Koch ließ die 1400 Besucher Montagabend im Borussia-Park zeitweilig vergessen, dass es nur knapp neun Grad warm war. Er war kurzfristig für Kanzlerin Angela Merkel eingesprungen. NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers appellierte leise und eindringlich an die Wähler.
orbert Post schwante schon am Morgen nichts Gutes. Angesichts der wegen der Griechenland-Krise anberaumten Kabinettssitzung wackelte Merkels Auftritt in Mönchengladbach seit den frühen Morgenstunden heftig. Zwischenzeitlich hatte es noch so ausgesehen, als käme die Kanzlerin, wenn auch später. Doch um 11.50 Uhr kam die Absage. Die Kunde aus Berlin hatte am Abend längst noch nicht alle Interessierten erreicht.
Und so ging ein Raunen durch die Reihen, als Fraktionsgeschäftsführer Hans-Wilhelm Reiners die Nachricht an die rund 1400 Besucher weitergab. Besucher Peter Settele war tief enttäuscht. „Erhard war der letzte Kanzler, den ich persönlich erlebt habe“, sagte der 68-Jährige. „Meine Wahlentscheidung ist längst gefallen, ich wollte nur einmal die Kanzlerin erleben.“ Er stand mit seiner Frau Evelyn auf und verließ das Stadion. Er war einer der Wenigen.
Auch CDU-Urgestein Hans-Wilhelm Pesch erfuhr erst im Borussia-Park von der Merkel-Absage. „Ich hätte sie so gern mal umarmt“, witzelte er und blieb. Wer seinen Wintermantel noch mal aus dem Keller gekramt hatte, war gut beraten – und fror dennoch. Doch der christdemokratischen Seele wurde warm an diesem Abend. Und das lag vor allem an dem Mann, den Jürgen Rüttgers gestern Mittag angerufen hatte. „Kommst Du?“, fragte er. Roland Koch, hessischer Ministerpräsident, kam. „Ein echter Freund halt“, so Rüttgers.
Nicht nur Rüttgers, auch die Besucher wussten es zu schätzen. Denn der Funke sprang schnell über. Kochs Argumente zur Schulpolitik („Das Land hat keine Einheitsmenschen und braucht keine Einheitsschule“) verfingen schnell. Und auch sein leiser Humor kam an. Es sei falsch, alle zu Akademikern machen zu wollen. „Dann stehen am Ende 20 Architekten um einen Bauarbeiter herum und erklären ihm, wie er das Haus zu bauen hat.“
Spätestens, als es um die Linkspartei ging, erreichet die Stimmung Südkurven-Niveau. Kurz nach Ende von Kochs Rede verließ Besucher Albert Fröhlich (56) das Stadion. Ihm war es zu kalt geworden. Und außerdem konnte er jetzt schon sagen: „Ich wurde gut unterhalten.“ Damit verpasste Albert Fröhlich den NRW-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers.
Der hat in Mönchengladbach schon kämpferische und höchst unterhaltsame Reden gehalten. Montag wirkte er im Vergleich dazu verhaltener. Leise und eindringlich skizzierte er die bildungs- und wirtschaftspolitischen Vorstellungen der Christdemokraten. „Das ist keine Zeit für Experimente, sondern für Sicherheit und Stabilität“, sagte Rüttgers. Dass die SPD ihre fast 40 Jahre alten Pläne für eine Einheitsschule wieder herauskrame, sei fast unglaublich. Die Linken hätten im Landtag nichts verloren. „Die haben schon einmal einen deutschen Staat ruiniert“, so Rüttgers. Auch der Wahlappell zum Abschluss war leise, aber eindringlich. Schon ein paar tausend Stimmen könnten am Sonntag über die Zukunft des Landes entscheiden. „Bitte nehmen Sie Ihre Verantwortung wahr. Ich vertraue auf Sie“, endete Rüttgers.
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