Mönchengladbach: Kommt Dr. Ralph M. aus der Haft?
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 14.11.2006Mönchengladbach (RPO). Er wurde verurteilt, weil er Kinder sexuell missbrauchte, weil er sie zu unbeschreibbar perversen Praktiken zwang und weil sich auf seinem Computer mehr als 1600 pornographische Fotos mit Minderjährigen befanden. Dr. Ralph M., bekannter Kunsthändler und verurteilter Kinderschänder, hat seine Strafe abgesessen. Das heißt: In vier Tagen könnte der Ex-Galerist aus dem Gefängnis kommen. Die Betonung liegt auf „könnte“. Denn gegen Ralph M. wird es ein neues Verfahren geben. Er soll sich wieder an Kindern vergriffen haben.
2002 war er in Mönchengladbach zu vier Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt worden. Im Frühjahr 2005 kam er auf Bewährung frei. Nur wenig später soll er erneut Kontakt zu Minderjährigen aufgenommen haben – via Internet. Ralph M. hatte dabei einen anderen Namen genutzt und sich jünger gemacht. Als er sich mit einer 13-Jährigen aus dem Kreis Vechta verabredete, war die Polizei dabei. Ralph M. kam zurück in die Zelle (er soll in Aachen einsitzen).
Diesmal erhob die Staatsanwaltschaft Oldenburg Anklage gegen den Mönchengladbacher Ex-Galeristen, dessen Homepage immer noch im Internet zu finden ist. Im Falle einer erneuten Verurteilung soll sogar Sicherheitsverwahrung für Ralph M. angestrebt werden. Denn der 51-Jährige hat laut Anklage auch an dem Mädchen aus dem Kreis Vechta sexuelle Handlungen vorgenommen. Er habe, so heißt es, dem Kind außerdem ein Buch mit gravierenden pornographischen Schilderungen gegeben. Deshalb gilt als wahrscheinlich, dass Ralph M. hinter Gittern bleibt, weil bis zum Prozess Untersuchungshaft angeordnet wird.
Einen neuen Gerichtstermin für die Verhandlung gegen Ralph M. noch nicht fest. Das bestätigte das Landgericht gestern. Ein Gefährdungsgutachten ist in Auftrag gegeben. Und das sei noch nicht fertig. Auch für den Prozess in Mönchengladbach war ein psychiatrisches Gutachten über Ralph M. erstellt worden. Das hatte dem Ex-Kunsthändler zwar pädophile Neigungen bescheinigt, eine Wiederholungsgefahr jedoch nahezu ausgeschlossen. Ralph M. wird als äußerst charismatisch beschrieben. Als bekannt wurde, dass der Mann, in dessen Kartei sich früher die Adressen vieler Prominenter befanden, Kinder zu Kot- und Urinspielen gezwungen haben soll (Ermittler sprachen von „unbeschreiblich widerlichen Praktiken“), wollten das viele Gladbacher nicht glauben. Sie stellten sich hinter Ralph M., der sich als Kunstmäzen und Schriftsteller etabliert hatte, und attestierten ihm Integrität. Doch diese Stimmen sind lange verstummt.
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