Mönchengladbach: Kranker Täter überfiel eine junge Frau
VON INGRID KRÜGER - zuletzt aktualisiert: 11.09.2009Mönchengladbach (RPO). Die schreckliche Begegnung am 30. März wird die 18-Jährige nicht so schnell vergessen. Einen Blickkontakt mit dem aus der Türkei stammenden Mann (36), der sich seit gestern wegen sexueller Nötigung vor der Ersten Strafkammer verantworten muss, vermied die junge Frau. An dem Märzabend war sie auf dem Heimweg, als der 36-Jährige sie packte und gegen eine Hauswand drückte. Wie ein Tier habe der Mann geschrien und sie dabei mehrfach unsittlich berührt. Pikant: Der Täter hat einen Tag vor der Tat Hilfe im psychiatrischen Krankenhaus in Rheydt gesucht. Zwei Stunden wartete er mit seinem Schwager vergeblich, hat nach eigenen Angaben immer wieder geklingelt – ohne Erfolg.
"Der hatte so eine Kraft, ich konnte mich nicht wehren", erinnerte sich gestern das Opfer. Seitdem sei sie in Therapie und traue sich kaum noch aus dem Haus. Nachbarn kamen ihr damals zu Hilfe. Zu dritt hatten die Männer Mühe, den aggressiven und zugleich verwirrten Angreifer zu bändigen. Dann kam die Polizei und nahm ihn fest. Vor Gericht entschuldigte sich der 36-Jährige gestern bei der immer wieder in Tränen ausbrechenden jungen Frau: "Es tut mir leid, was da passiert ist. In Zukunft brauchen Sie keine Angst mehr vor mir zu haben."
Klinik oder Freiheit
Doch genau um diese Frage ging es gestern im Sicherungsverfahren vor der Ersten Strafkammer. Wie gefährlich ist der Mann, der seit 16 Jahren an einer halluzinatorisch-paranoiden Psychose leidet? Die Richter müssen entscheiden, ob der Beschuldigte in einer Klinik untergebracht werden muss oder in Freiheit leben kann. Bisher war der Mönchengladbacher mit Depotspritzen sowie mit mehrwöchigen Aufenthalten im psychiatrischen Krankenhaus behandelt worden und in der Vergangenheit noch nie aufgefallen.
Diesmal war "es passiert", weil der 36-Jährige fünf Monate ohne Depotspritze unbehandelt geblieben war. Offenbar ohne Krankheitseinsicht, hatte sich der Patient über Nebenwirkungen der Medikamente beklagt und sie deshalb gemieden. Am Tag vor der Tat hatte er seine Verwandten gebeten, ihn abzuholen. Es ginge ihm schlecht. Der Schwager brachte ihn zunächst in ein normales Krankenhaus. Dort konnte man dem Mann nicht helfen. Schließlich versuchten sie es in Rheydt.
Der Prozess wird fortgesetzt.
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