Mönchengladbach: Krawall vor dem Derby
VON ANDREAS GRUHN UND CHRISTIAN SPOLDERS - zuletzt aktualisiert: 06.10.2008Mönchengladbach (RPO). Schwere Tumulte vor dem Spiel Borussia gegen Köln: Gewaltbereite Gladbacher beschossen Busse mit Fans aus Köln. 200 FC-Anhänger versuchten daraufhin, Borussias Fanhaus zu stürmen. Rund um das Stadion brach Chaos aus.
Es sollte ein fröhliches Fußball-Fest im Fanhaus werden. Und eigentlich war „die Stimmung sehr nett“, sagt Gerhard Waldherr. Doch was kam, beschreibt der Berliner, der sich im Fanhaus aufhielt, so: „Die Leute rannten von innen gegen den Zaun. Holzlatten und Bierdosen flogen nach draußen. Die Stimmung war plötzlich aggressiv und keiner wusste, warum.“ Die Atmosphäre rund um den Borussia-Park kochte eine Stunde vor dem Anpfiff der Partie gegen den 1. FC Köln über.
Die Randale begann, als etwa 800 Kölner Fans in Shuttlebussen der NVV am Fanhaus vorbeifuhren und zum Teil vermummte Gladbacher Anhänger die Busse mit Steinen bewarfen. Später flogen auch Leuchtraketen. Daraufhin schlugen die Kölner Fans in den Bussen Scheiben ein und zertrümmerten die Inneneinrichtung.
Die Ausschreitungen
Polizei Etwa 700 Beamte aus ganz Nordrhein-Westfalen waren im Einsatz. Bei anderen Spielen im Borussia-Park sind es weniger als ein Drittel.
Borussia „Wir distanzieren uns von denjenigen, die auf der Aachener Straße nur darauf gewartet haben, dass die Kölner Busse kommen“, sagte Thomas Weinmann, Borussias Fanbeauftragter.
Etwa 200 Kölner versuchten, gewaltsam zum Fanhaus vorzudringen. Nachdem FC-Fans im vergangenen Frühjahr Fahnen aus dem Borussia-Park entwendet und beim Zweitliga-Spiel in Köln zerrissen hatten, war es das zweite Skandal-Derby binnen sechs Monaten.
Die Polizei sperrte die Zugänge zum Fanhaus und zum Messegelände ab, um einen direkten Zusammenstoß der Gruppen zu vermeiden. „Es ist unterm dem Strich glimpflich abgegangen“, sagte Polizei-Sprecher Peter Spiertz, der elf Festnahmen verzeichnete. V
erletzte habe es nicht gegeben. Dennoch: Insgesamt 18 Busse der NVV sind schwer demoliert. Zum Teil gingen die Randalierer mit Baseballschlägern zu Werke. „Sitze und Deckenverkleidung wurden herausgerissen, zum Teil sind Dachluken völlig kaputt“, sagte NVV-Sprecher Helmut Marmann. „Ohne die Schulferien hätten wir in den kommenden Tagen ein Problem, die zu befahrenden Linien mit Bussen zu besetzen.“
Marmann geht von einem „hohen fünfstelligen, wenn nicht sogar sechsstelligen Betrag“ für die Reparaturen aus. „Allein um die Aufkleber von Kölner Fanclubs zu entfernen, werden wir selbst mit einem Spezialspray Tage brauchen.“
Für die Zeit der Krawalle sperrte die Polizei die Aachener Straße sowohl von stadtein- als auch von stadtauswärts. Auch die Autobahn-Auffahrt Holt wurde komplett gesperrt. „Es war eine Schutzmaßnahme für unbedarfte Zuschauer, die wir aus der Gefahrenzone halten wollten“, sagte Spiertz. Tausende Zuschauer waren erst nach dem Anpfiff im Stadion – obwohl das Spiel auf Anraten der Polizei zehn Minuten später begann. Noch während der ersten Halbzeit orderte die Polizei weitere Einsatzkräfte herbei. Doch nach dem Spiel blieb alles ruhig.
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