kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Kommentare ()

Mönchengladbach: Kritischer Geist und Kunstliebhaber

zuletzt aktualisiert: 09.06.2008

Mönchengladbach (RPO). Albert Damblon hat als Regionaldekan Diskussionen über Schwangerschaftsberatung, Entlassungen und Kirchenschließungen erlebt. Der Priester spricht über Moscheen in der City, sagt seine Meinung über den Papst und warum er sich ein ökumenisches Abendmahl wünscht.

„Wir sind total zufrieden”, sagt Propst Dr. Albert Damblon.  Foto: RPO
„Wir sind total zufrieden”, sagt Propst Dr. Albert Damblon. Foto: RPO

Sie waren zehn Jahre Regionaldekan. Was sagen Ihre Priesterkollegen über Ihre Amtszeit?

Damblon Das müssten Sie die Priesterkollegen fragen. Für mich war es wichtig, bei der Zusammenarbeit die Kollegen zu vernetzen. Eine gute Tradition waren die Klausurwochen einmal im Jahr, die ich fortgeführt habe. Das waren Höhepunkte der gemeinsamen Arbeit. Gerade Priester neigen dazu, sich bei ihrer Arbeit zu isolieren.

Woran liegt das?

Damblon Sicher auch am zolibatären Leben, aber es gibt auch andere Gründe. Viele ziehen sich sehr zurück, manche scheitern dann an der Einsamkeit. Ich versuche anders zu leben. Ich habe immer schon mit Pfarrer Bußler und anderen zusammengearbeitet und auch ein wenig das Leben geteilt – mit gemeinsamen Mittagessen und einer gemeinsamen Haushälterin.

Was waren die zentralen Themen während Ihrer Amtszeit?

Damblon Immer waren Personalfragen wichtig, vor allem in Bezug auf den Priestermangel. In der ersten Hälfte ging es heftig um die Schwangerschaftskonfliktberatung. Die meisten Katholiken waren der Meinung, dass sich die Kirche von diesem Feld nicht zurückziehen sollte. Das war der erste Konflikt, in den ich als Dekan hereingezogen wurde. Vom Gewissen her war ich überzeugt, dass die Beratung weitergehen sollte. Heute ist die durch den Katholikenrat gegründete Beratungsstelle Donum vitae unbestritten. In der zweiten Hälfte war es die Spar- und Zusammenlegungswelle des Bistums, die zentrales Thema war. Das hat die meisten sehr hart getroffen, denn die Region Mönchengladbach hat keine sehr reichen Gemeinden.

Ist die Sparwelle inzwischen abgeebbt?

Damblon Ja, jetzt sieht es sogar sehr positiv aus. Aber auch, weil sich alle dem Druck gebeugt haben. Es musste ja auch gespart werden. Jetzt gibt es eine zusätzliche Zahlung von sechs Millionen Euro an die Gemeinden, quasi als Belohnung. Das liegt daran, dass durch das allgemein höhere Steueraufkommen auch die Kirchensteuer gestiegen ist. Aber wir wissen nicht, wie es in den nächsten Jahren aussehen wird. Es sollte also niemand auf die Idee kommen, dass das Sparen nicht nötig gewesen wäre und mit dem Sparen aufzuhören.

Was hat die Sparwelle bei Ihnen ausgelöst?

Damblon Sparen bedeutete ja in erster Linie, dass Personal entlassen werden muss. Es geht also um Menschen, und das hat mir schlaflose Nächte bereitet. Zum Glück sind wir glimpflich davongekommen, und in unserer Regionalstelle sind die meisten versetzt worden, nicht entlassen. Wir konnten in den Gemeinden von Stadtmitte sogar, was sehr besonders war, eine Beschäftigungsgarantie bis 2009 geben.

Das Bistum muss Kirchen schließen. Die evangelische Kirche sagt, sie investiere lieber in Menschen statt in Gebäude. Wie sehen Sie die Situation?

Damblon Ich würde auch sagen, dass Menschen immer wichtiger sind. Aber wir können nur weiter sparen, wenn wir Gebäude schließen. Bei Kirchen ist das noch ein großes Problem. Wir können sie nicht einfach dicht machen, das hält die Wunden der Menschen offen, die ja eine Beziehung zum Gotteshaus haben. Das sieht man an den Kirchen Herz-Jesu in Pesch und St. Peter Waldhausen. Es ist viel Kreativität gefragt, um das Problem zu lösen.

Sie sind offensiv für eine Synagoge oder Moschee im Zentrum eingetreten. Was sagen Sie Ihren Kritikern?

Damblon Synagogen waren auch in der Vergangenheit immer in der Stadt angesiedelt. Und ich könnte mir sogar gut vorstellen, jüdischen Gemeinden Kirchen zur Verfügung zu stellen. Das Judentum ist eng mit dem Christentum verwandt und unsere Mutterreligion. Aber trotzdem muss man behutsam mit dem Thema umgehen. Bei Moscheen können sich das die Bischöfe nicht vorstellen, weil Muslime von ihrer Grundüberzeugung sehr viel weiter weg vom christlichen Glauben sind. Das heißt aber nicht, dass sie nicht in der Mitte der Stadt vertreten sein sollten – wo sie ja auch leben. Der Islam ist in der Bevölkerung eine starke Kraft und man sollte Muslime mit ins Boot der städtischen Gesellschaft holen. Ich halte nichts davon, sie an den Rand zu drängen.

Im Gegensatz zu Kirchen sind Moscheen voll. Gibt es neidische Blicke?

Damblon Nein, eher Verwunderung, dass es dem Glauben gelingt, so stark seine Mitglieder zu binden – anders als die christlichen Kirchen. Aber es ist auch normal, dass Muslime in Deutschland enger zusammenrücken. Das tun christliche Gemeinschaften in der Türkei, wenn sie es dürfen, ja auch. Man möchte unter seinesgleichen sein, die Moschee bietet eine gute Möglichkeit.

Sie selbst wollen sich für Klimaschutz engagieren. Ist die Bewahrung der Schöpfung zentrales Thema?

Damblon Wir haben in der Region den Verein Pro e.V. gegründet, der sich mit alternativen Energien beschäftigt. Ich selbst habe mein Auto auf Rapsöl umrüsten lassen – obwohl ich auch noch keinen endgültigen Standpunkt habe, was die beste Lösung ist. Aber die Erdölreserven sind begrenzt und zu schade, um nur damit Auto zu fahren. Erdöl wird auch etwa auch für Medikamente benötigt, und die nachfolgende Generation soll von den Vorkommen noch profitieren. Gott hat uns die Welt anvertraut, um sie zu verwalten, nicht auszubeuten.

Wie gut ist Ihr Kontakt zur evangelischen Kirche?

Damblon Sehr gut, hoffe ich. Ich habe mich regelmäßig mit dem Superintendenten zum Arbeitsfrühstück getroffen. Ich halte es nach wie vor für einen Skandal, dass es viele christliche Kirchen gibt. Das heißt nicht, dass ich alle Traditionen abschaffen will. Aber mein Traum wäre es, wenn aus dem Arbeitsfrühstück ein gemeinsames Abendmahl würde.

Sie gelten als kritischer Priester. Welche Meinung haben Sie von Papst Benedikt?

Damblon Nun, Papst Benedikt ist ruhiger, gelassener und theologischer als Johannes Paul II, der als Person doch sehr im Mittelpunkt stand. Aber es besteht auch die Gefahr, dass Benedikt sehr klare Vorstelllungen hat und sie durchsetzen will. Dass er die Karfreitagsfürbitte geändert hat, hat die jüdische Gemeinden – zu Recht – doch sehr verstimmt. Und die Anordnung zur tridentinischen Messe hat in der Region zu kontroversen Diskussionen geführt.

Das Gespräch führten Carola Siedentop, Dieter Weber, Holger Hintzen, Mona Baten

Quelle: RP

 
weitere Artikel
 
Links zu diesem Artikel
 

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
Stadt duldete Bayer-Spiele nur

Leverkusen

Stadt duldete Bayer-Spiele nur

Bayer 04 durfte die Saison in der BayArena nur beenden, weil man vor Monaten im Hinblick auf das umstrittene Dach auf Anordnung der Stadt zu ... mehr 

Grüne in Angst um Eltenberg

Emmerich

Grüne in Angst um Eltenberg

Die Grünen sehen die neuen Betuwe-Pläne für Elten, speziell die Verlegung der B 8 an den Eltenberg, mit Sorge. Sie fürchten einen "bedeutend ... mehr 

Video

Video

Grefrather Eisbahn wird zur Filmkulisse

Die Schlittschuhläufer laufen eine Runde nach der anderen. Auf der Außenbahn des Grefrather Eisstadions ist dieses Mal alles etwas anders . ... mehr 

Kurios: Flugzeuge verhaken sich ineinander

Auf dem Chicagoer Flughafen sind sich zwei sehr ungleiche Flugzeuge ins Gehege gekommen. Eine Boeing 747 wollte sich auf den Weg machen, als ... mehr 

Aus der Nachbarschaft

Tippspiel

Wir suchen den EM-Experten

Deutschland Niederlande Jubel Özil Klose Müller 2011 dpa

Wer übersteht die Vorrunde? Wer schafft es bis ins Finale? Das EM-Tippspiel von RP Online gibt Ihnen die Gelegenheit, Ihr fußballerisches Know-How unter Beweis zu stellen. Die besten Tipper erwarten tolle Preise. Jetzt anmelden und mitmachen! mehr 

Meistgelesen

Notfall-Szenarien für Griechenland

Wird die neue Drachme schon gedruckt?

Während die Politik öffentlich noch über den Verbleib Griechenlands im Euro streitet, wird eine Neuauflage der alten griechischen Nationalwährung offenbar schon gedruckt. Von Thomas Reisener  mehr

 

Fortuna Düsseldorf

"Ab jetzt ist Freude befohlen"

 

Stürmer für Borussia Mönchengladbach

De Jong hat noch keinen Favoriten

 

Umstrittene Äußerung zum Islam

Muslime werfen Gauck Geschichtsfälschung vor

 
Meistkommentiert

Neuer Gesetzesvorschlag

Kassen sollen für Patienten Klinik auswählen

Die Krankenkassen sollen bei der Auswahl der Kliniken für ihre Versicherten künftig mehr Einfluss erhalten. Dies geht aus einem Gesetzesvorschlag des Gesundheitsministeriums hervor, der unserer Redaktion vorliegt. von Eva Quadbeck  mehr

 
 

Klage gegen Bundesregierung

EU will Deutschland zum Wassersparen zwingen

 

Nach Undercover-Recherche

GLS weist Wallraff-Vorwürfe zurück

 
Mehr nachrichten aus Mönchengladbach

Mönchengladbach

Gladbach wird zur Kulisse für Kinofilm

Die Schauspieler Moritz Bleibtreu, Patricia Arquette oder Michael Gwisdek könnten Ihnen derzeit an der Kaiser-Friedrich-Halle begegnen. Denn eine Altbauwohnung in Nähe der KFH ist Drehort des Films „Mein Freund Vijay“. mehr

 

Mönchengladbach

Vier Jahre Haft für Betreuerin

Sie kaufte Stöckelschuhe, Schmuck, Reizwäsche und Gewaltvideos: Jahrelang bereicherte sich eine Berufsbetreuerin am Vermögen von gebrechlichen Senioren. Am Donnerstag, 31. Mai, gab es dafür vom Landgericht die juristische Quittung. VON INGRID KRÜGER  mehr

 

Mönchengladbach

Eingreifen oder nicht?

 

Mönchengladbach

Fünf Fakten zur Umweltzone

 

Mönchengladbach

Babysitter aus aller Welt

 
 
Anzeige:
Restaurant-Tipps für M. Gladbach


Bilder aus Mönchengladbach
 

RP ONLINE-Seminarreihe

So werden Sie bei Google gefunden

bornewasser.jpg

Unsere kompetenten Referenten zeigen Ihnen die Tricks der Suchmaschinen und sorgen dafür das Sie besser und schneller gefunden werden. mehr 

Familienanzeigen
TOP-SERVICES
Regio Extras