Mönchengladbach: Kumpel hilflos zurückgelassen
VON INGRID KRÜGER - zuletzt aktualisiert: 13.08.2008Mönchengladbach (RPO). Seine drei Freunde liefen davon, nachdem ein 23-Jähriger einen Stromschlag erlitten hatte und auf dem Bahngleis lag. Wegen unterlassener Hilfeleistung müssen sich die jungen Männer seit gestern vor Gericht verantworten.
Es war kurz nach Mitternacht, als der 23-jährige Mönchengladbacher im Oktober 2007 von der Eisenbahnbrücke an der Wateler Straße in die Oberleitung stürzte. Anwohner hörten den Knall und sahen die Blitze. Sie liefen auf die Straße. Aber die Begleiter des 23-Jährigen machten sich fluchtartig davon, ohne sich um den schwer Verletzten auf den Schienen zu kümmern.
Deshalb stehen die drei Mönchengladbacher seit gestern vor Gericht. „Wir waren damals völlig unter Schock. Wir dachten der ist tot“, erinnerte sich das 20 Jahre alte Angeklagten-Trio im Gerichtssaal. Andere Begleiter hätten doch in der Oktobernacht versprochen, die Polizei zu rufen, verteidigten sich die jungen Männer. Außerdem wären sie ohne Handy unterwegs gewesen, worauf die Vorsitzende des Jugendschöffengerichts mit einem ungläubigen Lächeln reagierte: „Normalerweise haben Sie doch eher zwei Handys dabei.“
Was noch wichtig ist
15 000 Volt trafen den Körper des 23 Jahre alten Unfallopfers, als es von der Eisenbahnbrücke an der Wateler Straße stürzte.
Drei Operationen musste der Mönchengladbacher danach über sich ergehen lassen.
Mehrere Hauttransplantationen waren nach dem Sturz in die Stromleitung bei dem 23-jährigen Mönchengladbacher notwendig.
Einen Joint geraucht
„Wir waren damals mit weiteren Begleitern durch Pongs unterwegs“, erinnerte sich das Angeklagten-Trio. Auf einem Spielplatz habe man gemeinsam einen Joint geraucht und sich anschließend auf den Rückweg begeben. Bereits zu diesem Zeitpunkt sei der 23-Jährige mit wütenden Äußerungen aufgefallen. Die Freundin habe ihn verlassen. Ihm sei sowieso alles egal. An der Eisenbahnbrücke sei der plötzlich über das Geländer geklettert und wollte sich wohl an einem Warnschild herunterlassen. Dabei sei er in die Oberleitung geraten.
„Dann gab es eine Explosion und ein helles Licht“, erinnerte sich einer der Angeklagten, noch immer voller Entsetzen. „Der ist tot“, habe man geglaubt. Nichts wie weg. Dagegen verhielt sich ein gleichfalls 20 Jahre alter Kumpel ganz anders. Er gehörte ebenfalls zu der Gruppe der jungen Männer, stieß aber erst auf das Trio, als es bereits atemlos auf der Flucht war. „Was ist denn passiert?“, fragte der Gladbacher. „Renn bloß weg, der ist tot“, warnten die drei und liefen weiter.
Aber der 20- Jährige lief nicht davon sondern zur Eisenbahnbrücke zurück. „Ich rufe die Polizei“, soll er den Angeklagten noch zugerufen haben. Am Unfallort sah er die leblose Gestalt mit der brennenden Kleidung auf den Gleisen und rannte die steile Böschung hinunter. Er informierte per Handy Polizei und Rettungswagen. Das 23 Jahre alte Unfall-Opfer erinnerte sich gestern nicht an den Unfallhergang.
Prozess wird fortgesetzt
Der Hinweis, dass es sich in der Oktobernacht möglicherweise um eine Mutprobe gehandelt haben könnte, kam gestern von einem Dachdeckerlehrling. Er sah den 23-Jährigen auf dem Geländer balancieren und hörte von einem der Angeklagten den Ruf: „Zehn Euro, wenn einer runter springt.“ Der Prozess wird fortgesetzt.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum





