Mönchengladbach: Kunos Bruder kommt auf den Teller
VON INGE SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 09.12.2008 - 16:48Mönchengladbach (RPO). Der Killer-Wels, der vor sieben Jahren einen kleinen Dackel verschluckte, hängt ausgestopft im Museum Schloss Rheydt. Sein großer Bruder, den Dirk Klinkenberg vor zwei Tagen aus dem Volksgartenweiher zog, wird am Sonntag für einen guten Zweck verspeist - im Volksgarten-Pavillon.
Das kalte Wasser des Volksgartenweihers hat er für immer verlassen. Aber auch in diesem Moment ist er in seinem Element: Kunos Bruder, so wollen wir ihn der Einfachheit halber nennen, dürfte inzwischen in einem Sud aus Wasser, einer Handvoll Salz und einem ordentlichen Schuss Essig liegen.
Und da bleibt er auch. Solange, bis er kommenden Sonntag lecker angerichtet, in Blätterteig gehüllt und wohl portioniert auf den Teller kommt. Im salzigen Bad soll der Wels, der vor zwei Tagen von Hobbyangler Dirk Klinkenberg aus dem Wasser gezogen wurde, seinen modrigen Grundgeschmack verlieren.
Der haftet dem Kerl nun mal an, weil er fast sein komplettes Leben in den Tiefen des schlammigen Grundes verbringt. Aber nach entsprechender Behandlung und Vorbereitung soll er eine echte Delikatesse werden. Davon ist Leon Cornelius, Chef vom Volksgarten-Pavillon, fest überzeugt. In seiner Küche wässert der tote Fisch derzeit.
Sonntag, 14. Dezember, 18.30 Uhr, im Volksgarten-Pavillon Carl-Diem-Str. 2-4
Spende Jeder zahlt für sein Essen, was er für richtig hält, Getränke zu den üblichen Preisen. Der Erlös kommt einem guten Zweck zu.
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Stolze 1,60 Meter misst der Wels. Damit ist er sogar zehn Zentimeter länger als der legendäre Killer-Wels Kuno, der vor sieben Jahren weltweit bekannt wurde, nachdem er angeblich einen niedlichen jungen Dackel verspeist hatte. Und der heute fachgerecht ausgestopft im Museum Schloss Rheydt zu bewundern ist.
Dirk Klinkenberg vermutet, dass sein Fang etwa 20 bis 25 Jahre auf der Rückenflosse hat. Damit wäre er noch recht jung, denn der Wels an sich kann locker 80 Jahre alt und 150 Kilogramm schwer werden. Und gern hält er sich in stehenden Gewässern mit bewachsenen Uferböschungen auf.
Beste Bedingungen also im Volksgartenweiher, wo der grüngraue, schuppenlose Fisch im morastigen Boden und dem trüben Wasser genau das findet, was er zum Leben braucht - Insektenlarven, Würmer, Schnecken. Aber auch Fische, Wasservögel, Amphibien und, jawohl, auch kleine Säugetiere. „Ich bin ganz sicher, dass in unserem Weiher mindestens fünf weitere Welse leben“, sagt Leon Cornelius. Er hat sie im Sommer ab und zu mit eigenen Augen gesehen, sagt er.
Therese Pillen kennt sich mit Fischen aus. Sie ist die Chefin vom idyllischen Angelpark in Genhodder. In ihren zwei Teichen tummeln sich Forellen, Karpfen, Barsche, Hechte, Störe, Aale, Saiblinge und - Welse. Letztere gehören nicht zu ihren Lieblings-Speisefischen. „Ich mag Forelle ohne Wenn und Aber, und sehr gern esse ich einen leckeren Saibling.“ Und woher die Abneigung gegen den Wels? „Ich finde, der sieht nicht besonders schön aus, und der ist ab einer gewissen Größe ziemlich wabbelig.“
Kunos Bruder wird schön aussehen - und lecker schmecken. Das verspricht Leon Cornelius. „Ich werde den Fisch in Zitrone, Kräutern, Öl, Salz und Zucker marinieren.“ Dann wird er in Blätterteig gehüllt und mit Blattspinat serviert. Das muntere Schmausen in seinem Restaurant am Volksgarten beginnt am Sonntag um 18.30 Uhr. Der Erlös dient einem guten Zweck.
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