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Mönchengladbach: Kunst hinter Gittern

VON INGE SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 16.03.2010 - 23:59

Mönchengladbach (RPO). Die Stadt wollte Blinde vor einem Kunstwerk schützen. Rund um die Skulptur von Maria Lehnen vor dem Münster standen deshalb Absperrungen. Als die RP gestern nach dem Sinn fragte, wurden sie entfernt.

Foto: RP

Passanten rieben sich verwundert die Augen, Kunstfreunde waren verärgert. Seit etwas mehr als vier Wochen steht die große Skulptur von Maria Lehnen vor dem Westportal des Münsters. Fast ebenso lange war sie verbarrikadiert.

Wer sollte da vor wem geschützt werden? Und warum? Die RP fragte nach. „Die Stadt macht sich Sorgen”, sagte gestern Mittag der Leiter des Kulturbüros, Dr. Thomas Hoeps. „Vor allem besteht die Angst, dass sich Sehbehinderte oder Blinde an den Händen der Figur verletzen könnten.” Die Nachfragen der RP hatten offenbar schon abends konkrete Folgen: Die Gitter wurden entfernt.

Info

Plötzliches Umdenken

Spontanaktion Durch die Nachfrage der Rheinischen Post offenbar aufgescheucht, ließ die Stadt gestern gegen Abend in einer Spontanaktion die Absperrungen um das Kunstwerk von Maria Lehnen entfernen. Gefahrenabwehr

Ob damit die Gefahren, die von dem Kunstwerk ausgehen sollten, gebannt sind, war am Abend von der Stadt nicht mehr zu erfahen.

Völlig absurd

Dennoch: Künstlerin Maria Lehnen ist verärgert. „Die Argumentation war völlig absurd. Die Hände befinden sich in einer Höhe von mehr als 1,80 Metern.” Bei einem Ortstermin mit dem Vorsitzenden vom Blindenverein seien die Bedenken ausgeräumt worden. „Der hat uns gesagt, in dieser Größe gäbe es nur drei Blinde in Mönchengladbach, und zwei davon seien immobil.” Und der dritte würde ganz sicher niemals über das holprige Altstadtpflaster gehen.

Am 20. Februar wurde Maria Lehnens Ausstellung „MenschenRaum ­ MenschenMaß” in und am Münster eröffnet. Die Kunstwerke im Inneren der Basilika hat die Künstlerin bereits wieder abgebaut, die überlebensgroße Außenskulptur aber soll ein halbes Jahr stehen bleiben. „Die Figur ist fest in der Erde verankert, nach meiner Meinung stellte sie nie eine Gefahr dar”, sagt die Bildhauerin, die seit 25 Jahren in Mönchengladbach lebt und arbeitet. Und nicht zum ersten Mal eine große Skulptur im öffentlichen Raum präsentiert. Die Figur sei von allen genehmigt worden. „Die Kirche war beim Ortstermin vertreten, die NVV, die Feuerwehr, die Untere Denkmalbehörde und ein Statiker der Stadt.” Damit, so habe sie geglaubt, sei alles erledigt gewesen.

Vor ihrem Küstlergespräch am 2.\x0fMärz sei sie von der markanten rot-weißen Absperrung überrascht worden. „Ich habe meinen Augen nicht getraut”, sagt sie. Für das Treffen der Kunstfreunde vor der Skulptur räumte die Stadt die Baken kurzfristig weg ­ um sie anschließend wieder aufzubauen. In der vergangenen Woche gab es einen Ortstermin auf dem Abteiberg.

„Es gibt ein großes Problem rund um die Skulptur”, sagte Stadtsprecher Wolfgang Speen gestern Nachmittag. Um die Figur im Boden verankern zu können, seien Pflastesteine entfernt und ­ unfachgerecht ­ wieder eingesetzt worden. „Das sind Stolperfallen”, so Speen. Offenbar waren einige Stunden später alle Bedenken und Sorgen zerstreut.Die Gitter verschwanden.

Quelle: RP

 
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