Mönchengladbach: Kunstwerke auf dem Laufsteg
VON NADINE FISCHER - zuletzt aktualisiert: 09.02.2010Mönchengladbach (RPO). Im Halbdunkeln sieht der Laufsteg aus wie ein 30 Meter langes, glänzendes Ceran-Kochfeld. Links und rechts davon sitzen die rund 300 Zuschauer auf Bänken mit schwarzen Stoffüberwürfen, am Ende haben sich neben Besuchern Fotografen und Kameramänner postiert. Die Wände sind mit schwarzen Vorhängen abgehängt.
Plötzlich setzt mystisch klingende Instrumentalmusik ein. Das Licht wechselt von fluoriszierendem blau zu gelb, als die Models in flachen weißen Ballerinas, weißen Kleidern aus Geschenk-Schleifen und anderen Verpackungsmaterialien den Laufsteg betreten. Die Schau der Modeschule Mönchengladbach hat begonnen.
20 Minuten später ist die Präsentation auf der Damenbekleidungsmesse cpd in Düsseldorf auch schon wieder vorbei. "Jetzt trinken wir erstmal ein Sektchen", sagt Petra Malinowski und nimmt zufrieden lächelnd ihre Kollegin Doris Ortlinghaus in die Arme. Die beiden Lehrerinnen stehen vor dem Laufsteg, die Bankreihen sind mittlerweile verwaist und der Applaus ist verebbt. Acht verschiedene Kollektionen haben 43 ihrer Studentinnen soeben dem Publikum vorgeführt.
Im Sommer 2009 machten die Schülerinnen die ersten Entwürfe. In der Modenschau landeten gänzlich unterschiedliche Stücke: Etwa lange Abendkleider in Grüntönen mit knubbeligen Schaumstoff-Applikationen, am Kubismus orientierte Formen und Muster in grau und blau sowie glamouröse partytaugliche Kombinationen mit schwarzem Leder und zarten Stoffen. "Die Studenten konnten sich richtig austoben", erzählt Doris Ortlinghaus. Sie steht jetzt mit Petra Malinowski und drei Schülerinnen im Backstage-Bereich – noch ohne Sektglas. "Das sind alles Kunstwerke", findet die Lehrerin.
60 Personen seien an der Vorbereitung für die Schau beteiligt gewesen. Die Modeschule, eine Abteilung des Maria-Lenssen-Berufskollegs, regelte alles intern: Schülerin Jessica Dreeßen (24) stellte die Musik zusammen, Christina Schulte (23) machte eine Pressemappe und auch die 32 Models stammten aus den eigenen Reihen. Sowohl Make Up als auch Haare übernahmen die angehenden Kosmetiker und Friseure des Berufskollegs.
Mit auftoupiertem Oberkopf und Zöpfen, schwarzem Lippenstift und dunkel umrandeten Augen liefen die Models über den Catwalk. An den Füßen trugen sie mal schwere Stiefel, mal flache Ballerinas oder gar nichts. "Das ging alles viel zu schnell vorbei. Das war richtig erfüllend", sagt Studentin Katharina Garnitz. Die 21-Jährige hat Kleider für die Schau entworfen und ist selbst mitgelaufen, Jessica Dreeßen beschränkte sich aufs designen. "Es ist unbeschreiblich schön, seine Kleider auf dem Laufsteg zu sehen", erzählt sie und hat dasselbe vor wie die beiden Lehrerinnen neben ihr: Zur Feier des Tages ein Gläschen Sekt trinken.
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